Langenfeld/Monheim: Temposünder: 2013 wird Rekordjahr

Langenfeld/Monheim : Temposünder: 2013 wird Rekordjahr

Durch intensive Messaktionen der Polizei ist die Zahl der Knöllchen im Kreis Mettmann stark gestiegen.

"Die Bußgeldstelle des Kreises Mettmann ist extrem gut ausgelastet", formuliert es Sprecherin Daniela Hitzemann diplomatisch. In den ersten sechs Monaten leitete das Straßenverkehrsamt bereits 57 000 Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen Geschwindigkeitsübertretungen ein.

Zum Vergleich: Im ganzen Jahr 2012 waren es gut 66 000. Die Temposünder wurden sowohl von der Polizei als auch von den mobilen und stationären Radaranlagen des Kreises geblitzt. Der massive Anstieg der Knöllchen sei aber allein auf die verstärkten Aktionen der Polizei ("Blitzmarathon") zurückzuführen, betont Hitzemann.

Der Kreis habe in den ersten sechs Monaten mit rund 29 000 Knöllchen nicht mehr Raser geblitzt als im gleichen Vorjahreszeitraum. Die Mitarbeiter der Bußgeldstelle würden mit der Arbeitsflut fertig: "Das Knöllchen kommt vielleicht etwas später — aber es kommt."

Neben der Polizei dürfen nur kreisfreie Städte oder Kreise die Geschwindigkeit auf ihren Straßen überwachen. Das hat der Gesetzgeber so geregelt. Bislang konnten Städte und Kreise ihre Radargeräte nur an Gefahrenstellen, besonders schutzwürdigen Zonen (Kindergärten, Schulen, Altenheimen) und Unfallbrennpunkten aufbauen. Jetzt hat NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) ihnen mehr Spielraum eingeräumt.

Was das konkret bedeutet, wurde den Behördenvertretern im Düsseldorfer Innenministerium erläutert. "Wir werden eine breitere Palette an Messmöglichkeiten bekommen", fasst Hitzemann zusammen: "Wir können jetzt auch da messen, wo nachgewiesenermaßen überproportional zu schnell gefahren wird."

Der Kreis kann jetzt Hinweisen von Bürgern oder aus den Kommunen auf "Rennstrecken" nachgehen — und wird dies auch tun. "Zunächst werden wir dort ohne Strafe messen und zählen", erläutert die Kreis-Sprecherin das Verfahren: "Stellt sich heraus: Dort wird tatsächlich und nachweislich zu schnell gefahren, dann werden wir scharf messen."

Der Kreis überwacht das Tempo auf rund 2000 Kilometern Bundes-, Land-, Kreis- und Gemeindestraßen in den zehn kreisangehörigen Kommunen. Dies geschieht mit 27 stationären Anlagen ("Starenkästen" im Volksmund genannt), 23 reinen Geschwindigkeitsmessanlagen, zwei Rotlicht- und zwei Kombi-Anlagen (Rotlicht- und Geschwindigkeitsmessung). Hinzu kommen zwei mobile Anlagen in unauffälligen Fahrzeugen. Sie beziehen werktags an einem von 265 Standorten im Kreisgebiet Position. Alle sind mit der Polizei und der Gemeinde abgestimmt, betont Ralf Hitzel, Abteilungsleiter Verkehrssicherheit im Straßenverkehrsamt Mettmann.

Im Vorjahr wurden 66 215 Verkehrsteilnehmer vom kommunalen "Radarblitz" getroffen. Das entspreche dem Durchschnitt der Vorjahre, sagte Hitzeman. Bei den 57 000 Temposündern in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gingen nur etwa 50 Prozent auf das Konto des Kreises. Die 500 000 Bürger im Kreisgebiet hielten sich durchaus an die zulässige Geschwindigkeit, so die Erfahrung von Hitzel.

Rund 1,8 Millionen Euro an Verwarn- und Bußgeldern (Zum Vergleich: 1,6 Millionen in 2010) nahm der Kreis 2012 ein. "Das deckt die Kosten für Technik, Personal und Verwaltung", betont Hitzemann: "Die Geschwindigkeitsüberwachung des Kreises ist nicht auf Gewinn ausgelegt."

Das könne man auch daran ablesen, dass seit Jahren keine zusätzlichen "Blitzer" angeschafft worden seien: "Das ist auch politischer Wille des Kreistags." Lediglich die Technik sei modernisiert und von Nassfilm auf Digitalfotografie umgestellt worden. Stelle sich heraus, dass eine Gefahrenstelle nicht mehr bestehe, werde der Blitzer dort abgebaut und gegebenenfalls an anderer Stelle wieder aufgebaut, sagte Hitzemann. Geblitzt wird erst ab einer bestimmten Toleranz. Wie groß die ist, mochte Hitzel nicht sagen.

(RP)
Mehr von RP ONLINE