Dorian Steinhoff: Dichten zwischen Baum und Bürgel

Dorian Steinhoff : Dichten zwischen Baum und Bürgel

Das frühere Römerkastell ist Schauplatz eines Poetry-Slam-Workshops. Jugendliche üben sich als Autoren und Erzähler.

Baumberg Heute und morgen versucht sich eine Gruppe Jugendlicher vor Haus Bürgel in der Urdenbacher Kämpe an "Poetry Slam". In dem Workshop, den die Biologische Station anbietet, sind ein freier Kopf und Spaß an Literatur und Lesung gefragt. Im RP-Interview erklärt Kursleiter Dorian Steinhoff (28), was es mit Poetry Slam auf sich hat.

Oliver Schmidt, der ein Freiwilliges Ökologisches Jahr in der Biologischen Station Haus Bürgel macht, hat sich schon mal an "Poetry Slam" versucht. Foto: Biostation

Was kann man sich unter "Poetry Slam" vorstellen?

Steinhoff Frei übersetzt bedeutet "Poetry Slam" "Dichterschlacht", aber richtig treffend ist auch das nicht. Deshalb umgehe ich eine Übersetzung am liebsten und sage: "Poetry Slam" ist ein literarischer Vortragswettbewerb. Innerhalb des Workshops werden die Jugendlichen aber nicht gegeneinander antreten. Allerdings besteht die Möglichkeit, für diejenigen, die möchten, ihre Texte beim Tag der offenen Tür auf Haus Bürgel im September vor Publikum zu präsentieren.

Was erwartet die Teilnehmer?

Steinhoff Wir werden zwei Tage lang bei, so wie es aussieht, schönstem Wetter unter Obstbäumen sitzen, über "Poetry Slam", seine Geschichte und Textformen sprechen, neue Texte schreiben, sie uns gegenseitig vortragen und darüber reden, was daran gut war und was man besser machen könnte. Erfahrungen im Schreiben oder auf der Bühne sind dafür keine Voraussetzung.

Ab 13 Jahren kann teilgenommen werden. Gibt es eine obere Altersgrenze?

Steinhoff Die Arbeit mit heterogenen Altersgruppen habe ich bisher meistens als sehr bereichernd erlebt. Es sollte nur vorausgesetzt sein, dass sich ungefähr alle auf einer Ebene befinden, was die Fähigkeit zum Textverständnis anbelangt, um gut miteinander sprechen zu können. Von daher haben wir als Altersobergrenze 18 Jahre angesetzt.

Es sind Poeten aus jeglicher Literaturrichtung gefragt, etwa Rap, Comedy oder Kurzgeschichte. Was haben sie gemeinsam? Oder ist gerade die Vielfalt das Besondere?

Steinhoff All diese Formen haben gemeinsam, dass sie auf "Poetry Slams" zu hören und zu erleben sind. Und diese Vielfalt ist wiederum eine Besonderheit an "Poetry Slams".

Glauben Sie, die Umgebung von Bürgel liefert besondere Inspiration?

Steinhoff Sie wird uns sicherlich dazu anregen, über unser Verständnis von Natur und von unserem Umgang mit ihr nachzudenken. Die Umgebung, in der wir arbeiten werden, bietet dafür eine tolle Gelegenheit. Außerdem kann man einen Kräutergarten oder eine Pferdekoppel gut dafür nutzen, erste Schreibversuche zu unternehmen, in denen es darum geht, literarisch zu beschreiben, was man sieht.

Wie sind Sie selbst zum Dichten gekommen?

Steinhoff Als Jugendlicher wollte ich Frauen beeindrucken, so habe ich angefangen. Mittlerweile interessieren mich Formen des Erzählens, also die Frage danach, wie man einen bestimmten Stoff erzählen kann. Ich suche nach literarischen Zugriffen für Geschichten, die ich im Kopf habe, oder für Stoffe, die ich spannend finde. Und dann schreibe ich sie auf.

Was sollen die Teilnehmer aus Ihrem Workshop mitnehmen?

Steinhoff Dazu stelle ich keine vorausgreifenden Erwartungen auf. Jeder kann und soll mitnehmen, was er für sich und über sich herausgefunden hat. Und sei es, dass er nichts herausgefunden hat oder "Poetry Slam" blöd findet.

Ist eine Fortsetzung geplant?

Steinhoff Das werden wir nach dem Workshop sehen. Ich finde es immer schön, die Arbeit, die man an einem Ort begonnen hat, fortzusetzen.

JULIA SCHÜSSLER FÜHRTE DAS INTERVIEW.

(jms)
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