Langenfeld: Evangelische Kirche setzt den Rotstift an

Langenfeld : Evangelische Kirche setzt den Rotstift an

Weniger Gläubige, weniger Einnahmen: Die Evangelische Kirchengemeinde Langenfeld muss sich verkleinern. Doch welche Gebäude sollen verkauft werden?

Seit knapp sechs Monaten ist Manfred Rekowski Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Der 55-Jährige hat ein ehrgeiziges Ziel: Er will bis 2018 ein gutes Drittel der landeskirchlichen Ausgaben einsparen. Das ist deutlich mehr, als sein Vorgänger Nikolaus Schneider angekündigt hatte. Als Grund für die Verschärfung nannte Rekowski vor allem den Mitgliederschwund — und der ist auch in den Gemeinden vor Ort spürbar. Auch wenn das Sparziel zunächst die landeskirchliche Ebene betrifft, stehen auch in Langenfeld alle Kostenfaktoren auf dem Prüfstand.

"Die finanzielle Situation ist schwierig", sagt Annegret Duffe, Pfarrerin in Reusrath und Vorsitzende des Presbyteriums. "In den letzten Jahren sind wir regelmäßig an unsere Rücklagen gegangen, um Defizite auszugleichen. Es besteht ein gewisser Handlungsdruck." Aus diesem Grund läuft seit 2012 eine Strukturanalyse für Gebäude und Liegenschaften im Besitz der Langenfelder Protestanten. Der Kölner Architekt Volker Langenbach nimmt dafür die einzelnen Immobilien unter die Lupe. Sanierungsbedarf, Energieverbrauch und Auslastung spielen dabei neben anderen Faktoren eine Rolle. "Bisher gibt es noch kein konkretes Ergebnis", betont Duffe, "aber es deutet sich an, dass Kosten auf uns zu kommen, die wir nicht stemmen können."

Insgesamt sei es versäumt worden, die Immobilien rechtzeitig zu sanieren. Das hat auch historische Gründe. In der Nachkriegszeit stieg die Bevölkerung in nahezu allen Stadtteilen rasant an. Daher wurden in den 1970er und 1980er Jahren viele Bauten hochgezogen — unter anderem das Gemeindezentrum neben der Erlöserkirche in Immigrath und die Lukaskirche in Richrath. Angesichts des Mitgliederschwunds ist der Bestand inzwischen überdimensioniert. Dass nicht alles auf Dauer gehalten werden kann, scheint daher zwingend zu sein. Die Einnahmen sind rückläufig und die Kosten steigen.

"Grundsätzlich steht alles auf dem Prüfstand", sagt Karin Seitz aus dem Finanz- und Bauausschuss des Presbyteriums. "Die Diskussion verläuft absolut ergebnisoffen." Konkretere Angaben will die 53-Jährige nicht machen. Umbau, Verkauf, Vermietung oder gar Abriss — alles sei grundsätzlich denkbar. "Anfang 2014 wird es eine Gemeindeversammlung zum Thema geben", kündigt Seitz an. Die Beratungen erfolgen derzeit in einem Arbeitskreis, in dem Presbyter, Pfarrer, Vertreter aus der Mitarbeiterschaft und Menschen aus der Gemeinde diskutieren, wo der Rotstift angesetzt werden soll. Neben den Betriebskosten der Immobilien sind das Personal und die Sachkosten wichtige Posten bei den Ausgaben. Weniger betroffen sind die vielen Angebote, die sich durch Beiträge oder Spenden selbst trage, wie etwa die Comedy-Reihe "Reusrath lacht" oder Ferienfreizeiten.

Noch leistet sich die Langenfelder Gemeinde als einzige im Kirchenkreis Leverkusen eine eigene Verwaltung. "Davon werden wir uns mittelfristig wohl verabschieden müssen", vermutet Duffe. Der Trend gehe insgesamt eher in Richtung Zentralisierung und Verdichtung. Rund 15 000 Protestanten leben derzeit in Langenfeld. Die Gemeinde ist Träger des Kindergartens "Unterm Regenbogen" sowie der Diakonie-Sozialstation mit ambulanter Pflege und ist für zwei Friedhöfe verantwortlich. Im Jahr liegen die Gesamtausgaben bei etwas mehr als fünf Millionen Euro.

Die Kirchensteuer fließt anders als bei den Katholiken zunächst direkt in die Gemeinde, bevor das Geld über Umlagen in die höheren Ebenen geleitet wird — von unten nach oben. Von daher bedeutet das Sparziel von Präses Rekowski nicht automatisch auch, dass die Kosten in Langenfeld um 35 Prozent gesenkt werden müssen. "Trotzdem bleibt es unvermeidbar, dass wir uns verkleinern müssen", unterstreicht Duffe, die nicht alles Kirchliche dem reinen Kosten-Nutzen-Kalkül unterwerfen will: "Unsere Kernaufgaben sind Seelsorge und Verkündigung und das wird auch so bleiben. Die Gesellschaft wäre viel ärmer ohne Kirchen vor Ort."

(dora)