Fußball: "Ede" Yotla steht jetzt auf der anderen Seite

Fußball : "Ede" Yotla steht jetzt auf der anderen Seite

Ein Bandscheibenvorfall beendete die Fußball-Karriere des Baumberger Offensivspielers. Nun ist er Co-Trainer – und mehr als das.

Ein Bandscheibenvorfall beendete die Fußball-Karriere des Baumberger Offensivspielers. Nun ist er Co-Trainer — und mehr als das.

Gestern: Redouan Yotla (rechts) und Kapitän Hayreddin Maslar feiern gemeinsam einen Treffer für die Sportfreunde. Foto: Ralph Matzerath (ARCHIV)

Es war Anfang April und ein ganz normales Training. Wie immer. Redouan Yotla wird diesen Tag aber kaum jemals vergessen können, denn seitdem steht er als Fußballer auf der anderen Seite — bei denen, die von außen Einfluss nehmen. Bei einem Sturz erlitt Yotla, den alle nur "Ede" nennen, einen Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule. Die Verletzung war so schwer, dass sich der Offensivspieler des Oberligisten SF Baumberg (SFB) einer komplizierten Operation unterziehen musste. Noch heute trägt Yotla eine Metallplatte und drei Schrauben mit sich herum. Und die Mediziner machten ihm eine klare Ansage: "Schluss mit dem Fußball." Der 29-jährige, der stets zu den Stammspielern an der Sandstraße gehörte, war vernünftig genug, den ärztlichen Ratschlag zu befolgen: "Ich musste die Schuhe an den Nagel hängen."

Das hatte er sich für den nächsten heftigeren Unfall ohnehin vorgenommen — kein Wunder angesichts der langen Liste von Verletzungen, mit denen Yotla im Laufe seiner Karriere konfrontiert war. Darauf unter anderem noch zu finden: Bruch des Schienbeinkopfes, Kreuzbandrisse, Sprengung des Schulter-Eckgelenks. Im Hinterkopf war für Yotla immerhin längst klar, dass er in einer anderen Funktion weitermachen wollte. Und offiziell heißt seine neue Stelle derzeit "Co-Trainer".

Die Bezeichnung ist ein bisschen irreführend, denn Redouan Yotla kann seinen Chefcoach Markus Kurth kaum in einer klassischen Assistenten-Funktion entlasten. Die direkte Ball- oder Übungsarbeit mit den Spielern ist schließlich aus medizinischen Gründen tabu. Yotla sieht sich mehr als rechte Hand des Trainers sowie als Sprachrohr der Mannschaft — also als das klassische Bindeglied. "Ich habe das vollste Vertrauen von Markus und den Respekt der Jungs", betont Yotla, der zugleich vom neuen SFB-Coach sehr viel hält: "Markus ist als Trainer ein überragender Typ. Er sucht mit jedem den Kontakt und er steht zu dem, was er sagt."

Nach den bisherigen vier Wochen Vorbereitung auf die neue Saison sieht Yotla zudem ein deutlich positiveres Betriebsklima beim Oberligisten. "Der Zusammenhalt ist unglaublich, Wir sitzen nach jedem Training zusammen, oft mit 15 oder 16 Leuten. Das hatten wir lange nicht mehr so." Yotla muss es wissen, weil er inzwischen im vierten Jahr für die Sportfreunde unterwegs ist (davor zuletzt FC Union Solingen, TuRU Düsseldorf). Deshalb kennt er die Zusammenhänge und Strömungen im Verein.

Im Hauptberuf verdient Redouan Yotla sein Geld als System-IT-Techniker, während seine nebenberufliche Beschäftigung natürlich ebenfalls mit dem Fußball zu tun hat. Dort ist Yotla als Talentscout in den Bereichen U 17 bis U 23 für den Zweitligisten Fortuna Düsseldorf tätig. Wegen der Folgen seiner jüngsten Verletzung strebt der gebürtige Düsseldorfer mit marokkanischen Wurzeln keine Karriere als Trainer an: "Ich sehe mich mehr im anderen Bereich des Sportlichen."

Redouan Yotla, der in der hiesigen Fußball-Szene über hervorragende Kontakte verfügt, traut den Sportfreunden für die kommende Saison viel zu — und er schließt aus, dass die Sportfreunde ernsthaft etwas mit dem Kampf gegen den Abstieg zu tun bekommen. "Viele stapeln bei uns tief", findet Yotla, "ich sehe das etwas anders. Wir haben uns punktuell gut verstärkt. Deshalb werden wir eine gute Rolle spielen und im oberen Drittel landen." Fußball-Baumberg dürfte wohl nichts dagegen haben, wenn die Prophezeiung eintrifft. Und Yotla hätte womöglich mehr als nur einen schwachen Trost dafür, dass er ab jetzt auf der anderen Seite zu Hause ist.

(RP)