Boxen: Boxer Hamudi will im Ring hoch hinaus

Boxen: Boxer Hamudi will im Ring hoch hinaus

Der 23 Jahre alte Langenfelder Muhammed al-Zein steht am Anfang einer vielversprechenden Karriere als Profi - und er hat hohe Ziele. Sein Trainer Pasquale Ferraro traut es ihm zu: "Er ist eins der größten Talente, die sich je gesehen habe."

An sein erstes Training kann sich Muhammed al-Zein noch genau erinnern. Gerade mal zehn Jahre alt war er, als er das erste Mal seine Boxhandschuhe anzog und in den Ring stieg. Es war ein Wendepunkt. "Ich wusste von der ersten Sekunde an, dass Boxen zu hundert Prozent mein Ding ist", meint der 23-Jährige. Seitdem hat er unzählige Kämpfe auf Amateurebene bestritten. Al-Zein boxte unter anderem einige Jahre bei Bayer Leverkusen - bevor er eine längere Sportpause einlegte, um die Ausbildung zum Mechatroniker abzuschließen.

Seit einigen Monaten ist al-Zein mit Erfolg als Profi unterwegs. Er ist amtierender Mediterran-Schwergewichts-Champion des Weltverbandes WBC (World Boxing Council). Seine Statistik ist bisher makellos: vier Kämpfe, vier Siege. Der Boxmanager Ahmet Öner wurde bei einem Probetraining in Hamburg auf das Talent aus Langenfeld aufmerksam und nahm ihn schnell unter seine Fittiche. Für Kenner der Szene ist Öner kein unbekannter Name. Er ist einer der bekanntesten Box-Promoter in Deutschland, der in der Vergangenheit allerdings auch immer wieder durch Skandale auffiel.

Muhammed al-Zein, der sich den Spitznamen "Hamudi" gegeben hat, interessiert jedoch vor allem der Sport. Zuletzt kämpfte er vor rund 2500 Zuschauern bei einem Turnier in der Türkei. "Boxen ist zu hundert Prozent das Richtige für mich", sagt er. Adrenalin, die Überwindung von Furcht und eigenen Grenzen, Respekt vor dem Gegner oder die Stimmung in der Halle seien für ihn die entscheidenden Dinge. "Der besondere Reiz liegt für mich darin, dass ich immer wieder zeigen kann, was ich drauf habe", betont al-Zein.

Die Situation im Ring sei immer etwas Besonderes: "Es gibt nur mich, meinen Gegner und vielleicht noch den Ringrichter - und dann geht es los." Inzwischen, findet er, sei Boxen wie eine Sucht geworden: "Das ist mein Leben und mein Beruf." Sein Trainer Pasquale Ferraro, der in Düsseldorf die Boxschule "German Team Boxing" betreibt, findet viele lobende Worte für den Schwergewichtler. "Er ist eins der größten Talente, das ich je gesehen habe", meint der 60-Jährige. Besonders beeindruckend sei al-Zeins Fähigkeit, Größe und Kraft in Energie umzusetzen. Mit 1,92 Metern und 106 Kilo Kampfgewicht trotzdem noch so beweglich und explosiv aufzutreten, sei eine sehr seltene Gabe.

  • Fußball : Reusrather fühlen sich wohl an der Tabellenspitze

"Boxen ist ein komplexer Sport", betont der Coach, "es geht um Intelligenz, Strategie, Technik, Ausdauer und natürlich auch Kraft." Mindestens ebenso wichtig sind demnach Selbstbewusstsein, mentale Stärke und viel Disziplin - die eine hervorstechende Eigenschaft des Langenfelders sei. "Er trainiert sehr viel und sehr hart. Aber er hat auch hohe Ziele", unterstreicht der Trainer.

Maximal zehn Prozent des Erfolges gelten als Talent, weiß Ferraro: "Der Rest ist Training, Fleiß und der Wille, immer wieder alles zu geben." Nach eigenem Bekunden will Muhammed al-Zein hoch hinaus. Er möchte die ganz großen Kämpfe im Fernsehen boxen. Als Vorbild nennt er Mohammed Ali. "Er hat damals alleine schon mit seiner Beinarbeit den Sport revolutioniert", findet der 23-Jährige, der im persönlichen Gespräch trotz großer Ambitionen zurückhaltend und bescheiden wirkt.

"Mein Traum ist es, hauptberuflich zu boxen", sagt er. Dafür besucht al-Zein etwa internationale Trainingslager. Demnächst steht eine Reise nach Miami in Florida auf dem Programm. Nach Ferreros Ansicht hat al-Zein allemal das Zeug dazu, sich einen Namen im Ring zu machen: "Wenn Hamudi einmal richtig trifft, dann liegt der Gegner."

(dora)
Mehr von RP ONLINE