Judo: Judo: Langenfeld ist eine Talentschmiede

Judo : Judo: Langenfeld ist eine Talentschmiede

In diesem Jahr nehmen zum ersten Mal fünf Nachwuchs-Kämpfer an den Deutschen Meisterschaften teil. Trainer Jens Kaiser geht es nicht nur um den sportlichen Erfolg, sondern auch um Werte wie Fairness und Respekt vor dem Gegner.

Wenn Delia Grigo und Pauline Sommerer die Judo-Matte betreten, geht es schnell zur Sache. Beide beherrschen unzählige Wurf- und Grifftechniken. Sommerer entscheidet sich für die Variante "Uchi Mata". Hier handelt es sich um einen Wurf, bei dem die Kraft vor allem aus Beinen und Hüfte kommt. Trainer Jens Kaiser beobachtet die Szene aufmerksam. Die Anweisungen, wie die Aktion beim nächsten Mal vielleicht noch sauberer und effizienter durchgeführt werden kann, gibt er freundlich, aber bestimmt.

Grigo und Sommerer sind zwei von fünf Nachwuchs-Judoka des Judo-Clubs Langenfeld (JCL), die jetzt an den Deutschen Meisterschaften teilnehmen. Für den vergleichsweise kleinen Verein ist das ein großer Erfolg. Bereits in den vergangenen Wochen holten die Schützlinge von Jens Kaiser viele Medaillen - zuletzt bei den Westdeutschen Meisterschaften, wo Delia Grigo in ihrer Gewichtsklasse bis 63 Kilo die Bronzemedaille gewann. Pauline Sommerer konnte krankheitsbedingt nicht starten, doch Landestrainer Frank Urban (Bottrop) setzte sie trotzdem für den nationalen Saison-Höhepunkt.

Die 16-Jährige hat schon zahlreiche Erfolge gesammelt. Zum Judo kam sie durch das alljährliche Kinder- und Familienfest im Freizeitpark, bei dem der JCL Schaukämpfe anbot. Das war vor knapp zehn Jahren. "Judo ist ein sehr vielseitiger Sport, bei dem es auf Technik, Ausdauer, Kraft und Kondition ankommt", meint Sommerer, "das hat mir auf Anhieb gefallen. Also bin ich dabeigeblieben." Seitdem hat sie sich zu einem vielversprechenden Talent entwickelt. Aber sie ist in diesem Kreis nicht alleine. Auch Delia Grigo, Schwester von Merle Grigo, will hoch hinaus: "Wenn ich mein Niveau halten und mich immer weiter verbessern kann, ist vielleicht eine Teilnahme an Olympischen Spielen möglich." Bis dahin, sagt sie, sei es aber ein sehr weiter Weg.

Nora Bannenberg, kürzlich zur Sportlerin des Jahres in Langenfeld gewählt, wurde bei den Westdeutschen Meisterschaften ihrer Favoritenrolle gerecht und gewann Gold. Seit Anfang des Jahres ist die 15-Jährige zudem als einzige JCL-Kämpferin im U-18-Bundeskader geführt. Ihre Eltern sind beide Judo-Trainer. Bei den Wettkämpfen am nächsten Wochenende will sie möglichst einen Platz unter den ersten drei in der Klasse bis 52 Kilo erreichen.

"Judo hat eine gewisse Eindeutigkeit", sagt die Gymnasiastin. Es sei kein Mannschaftssport und es gebe keine Jury. "Ich bin selbst für meinen Erfolg oder Misserfolg verantwortlich und das gefällt mir", betont Bannenberg, die die Arbeit von Jens Kaiser schätzt: "Er ist ein Perfektionist und bringt uns immer voran." Seinen Charakter beschreibt sie als "streng, aber freundlich".

Der 50-Jährige ist zweifellos der Vater des Erfolgs in der Nachwuchsarbeit des JCL. Kaiser hat selbst lange in der Bundesliga gekämpft und viele Erfolge gefeiert. Mit Anfang 30 begann er dann seine Laufbahn als Trainer. Außerdem betreibt der dreifache Vater das Fitness-Studio "Fitline" in Monheim.

"Es ist wichtig, immer die individuellen Stärken und Schwächen zu erkennen, um gezielt trainieren zu können", findet der Judo-Coach. Schon der Körperbau spiele eine große Rolle. "Für jeden Typen gibt es den richtigen Kampfstil", meint Kaiser, "Judo ist ein sehr individueller Sport." Er probiere immer viel aus und beschreite dabei auch ungewöhnliche Wege.

Ebenfalls wichtig ist ihm das Verhalten auf und neben der Matte. Respekt, Höflichkeit, Bescheidenheit und Selbstbeherrschung gehören für Kaiser genauso zu den wichtigen Trainingsinhalten: "Die Wertschätzung für den Gegner, Fairness und eine gewisse Ernsthaftigkeit sind zentrale Judo-Elemente."

(dora)