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Langenfeld: Netzwerke für einen erfüllten Ruhestand

Langenfeld : Netzwerke für einen erfüllten Ruhestand

Unter der Marke "Zwar – Zwischen Arbeit und Ruhestand" haben sich in NRW mehr als 150 Gruppen gegründet. Sie wollen (Fast-)Rentnern erleichtern, sich "sinnvoll" zu betätigen. Auch in Immigrath ist eine Zwar-Gruppe auf dem Weg.

Unter der Marke "Zwar — Zwischen Arbeit und Ruhestand" haben sich in NRW mehr als 150 Gruppen gegründet. Sie wollen (Fast-)Rentnern erleichtern, sich "sinnvoll" zu betätigen. Auch in Immigrath ist eine Zwar-Gruppe auf dem Weg.

Am Dienstagnachmittag im Gemeindezentrum Johanneskirche: Mehrere dutzend alte Langenfelder trinken Kaffee und singen Volkslieder. "Aufblühen und leben" lautet das Motto beim "Frühlingsfest" der evangelischen Kirche für Gemeindemitglieder über 70. Unter den Helfern ist Hannelore Holland-Letz. Selbst noch lange nicht betagt, hat sie den Ruhestand schon im Blick. Doch gerade in ihrer Altersgruppe ist der Drang, sich "sinnvoll" zu betätigen, oft riesengroß. Wie groß, das hatte sich am Montagabend unweit der Johanneskirche gezeigt: Mehr als 130 Immigrather und Langforter versammelten sich zur Gründung eines "sozialen Netzwerks" in der Aula des Konrad-Adenauer-Gymnasiums (KAG).

Eingeladen hatte die Stadt Langenfeld in Zusammenarbeit mit der Arbeiterwohlfahrt (Awo) und der vom Land geförderten Zwar-Zentralstelle NRW. "Zwar" steht für "Zwischen Arbeit und Ruhestand". Adressaten der Initiative sind die 55- bis 70-Jährigen, diejenigen also, die mehrheitlich darauf hoffen dürfen, noch viele Jahre "aktiven Ruhestand" vor sich zu haben. Für den Auftaktabend zur Gründung einer "Zwar-Gruppe Immigrath" hatte die Stadt rund 3000 Langenfelder dieses Alters angeschrieben.

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Worum es geht, erklärte Zwar-Mitarbeiterin Christine Sendes, die unter anderen mit Bürgermeister Frank Schneider, dessen Vize Marion Prell, dem Awo-Chef Klaus Kaselofsky und "Netzwerk-Begleiterin" Susanne Labudda auf dem Eingangspodium saß. Im Mittelpunkt steht die Frage: "Ruhestand — und dann?" — und weitere, die sich davon ableiten lassen: welche Aktivitäten, wie, mit wem etc. Dabei sind es die Bürger selbst, die das Netzwerk knüpfen sollen. "Wir stoßen (nur) an", wies Sendes auf die beschränkte Rolle der Profis von Zwar hin.

Aufgeteilt in fünf Gruppen, sammelten die rund 130 "jungen Alten" anschließend Ideen dafür, was das Immigrather Netzwerk so alles angehen könnte. Drei Fragen standen jeweils auf den Flipchart-Blöcken: Welche Erwartungen haben Sie an Ihren Ruhestand? Welche Träume, Wünsche, Hobbys sind in Ihrem bisherigen Leben auf der Strecke geblieben? Was möchten Sie gerne gemeinsam in und mit dem Zwar-Netzwerk tun?

Die anwesenden Immigrather erwiesen sich als ungemein auskunftsfreudig. So formulierten sie in der Gruppe, die von Moderatorin Carmen Stahl betreut wurde, Ruhestands-Erwartungen wie "weniger Stress", "mehr Sport" oder eine freiere Zeiteinteilung. Auch die Liste der bislang unerfüllten Wünsche ist lang: "Ich wollte schon immer malen" — "Ich habe einen Büroberuf und würde gerne etwas Praktisches machen, muss mir aber erst mal das nötige Know-how verschaffen" — "Ich möchte ein Kleid anziehen, wie es Königinnen tragen" — "Ich war noch nie in der Oper". An Vorschlägen für das Netzwerk mangelte es ebensowenig, zum Beispiel: Kegeln, Basteln, Walken, Touren zum Solebad, gemeinsames Radeln, Theater spielen, miteinander kochen.

"Das meiste davon wird in Langenfeld doch schon angeboten. Wozu brauchen wir dann ein neues Netzwerk?", wandte eine Teilnehmerin kritisch ein. Worauf eine andere erwiderte: "Ich bin alleinstehend und tanze gerne. Aber in der Tanzschule war ich die Oma — so einfach ist das nicht mit den Angeboten hier!" Eine andere angehende Netzwerkerin ermunterte ihre Altersgenossen, etwas Neues auszuprobieren: "Ich habe mich nach dem Tod meines Mannes dazu durchgerungen, mich für eine Skigruppe anzumelden, in der ich niemanden kannte. Das war ein super Urlaub. Im Sommer werde ich mit der Transsibirischen Eisenbahn verreisen. Das traue ich mich jetzt."

Daran, dass das Netzwerk auch brüchig gewordene familiäre und nachbarschaftliche Strukturen ersetzen soll, erinnerte eine weitere Ideengeberin: "Wir sollten auch an gegenseitige Unterstützung denken, etwa an Holzarbeiten, die der eine für den anderen erledigen kann." Das traf sich mit Vorschlägen wie dem, dass man sich in die Kinder- und Jugendarbeit einbringen sollte. Oder auch mit einer ganz praktischen Überlegung: "Als Rentner hat man viel mehr Zeit, aber auch weniger Geld." Sprich: Nicht alles, was im Ruhestand erfüllend ist, muss etwas kosten.

(RP/rl/EW)