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Analyse: Sanierungsfall Stadtbad - endlich läuft es

Analyse : Sanierungsfall Stadtbad - endlich läuft es

Endlich ein ernsthafter Kaufinteressent, endlich ein interessanter Ansatz. Die Krefelder Politik wird sich aber mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass das Projekt "Medical Wellness" am Ende doch nicht greifen könnte. Der Abschied vom Investor wäre fatal.

Das Stadtbad - ewig die gleiche Leier: Krefeld-Kenner verdrehen bei dem Thema schon die Augen. Denn lange war es eine Geschichte des Scheiterns. Mehr als das: Das marode Stadtbad war sogar Symbolbau für eine zwischenzeitlich erlahmte Stadtentwicklung. Da lag ein Schatz versteckt, und keiner da, der fähig war, ihn zu heben. Ein Leser schrieb gestern als Reaktion auf die Nachricht, dass ein Optionsvertrag für den Kauf unterschrieben ist, eine Mail an unsere Zeitung. Darin ein Satz: "Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute." Diesem Leser möchten wir zurufen: Es kommt Leben ins Projekt Stadtbad. Und das hat Gründe.

Die Zeiten in Krefeld haben sich geändert, es gibt jetzt einen Investitionsschub; sichtbar wird dies an vielen Stellen: Gut Heyenbaum wird umgebaut, Rheinblick entsteht, die Montag-Stiftung investiert an der Lewerentzstraße. Es war eine Frage der Zeit - und der Entwicklung des Niedrigzinses - bis das Stadtbad von diesem Schub profitierte. Restzweifel bleiben, aber: Der neue Vorstoß der Messmer & Messmer GbR aus Erftstadt geht in die richtige Richtung. Das Objekt Stadtbad soll "marktfähig" gemacht werden, wie es in Investorensprache heißt. Klarer formuliert: Das Stadtbad muss endlich mal vernünftig beworben werden. Kaufinteressent Eduard Messmer plant, die Potenziale des Gebäudes so darzustellen, dass möglichen neuen Investoren das Wasser im Mund zusammenläuft. Schon jetzt kann man bilanzieren: Das ist der richtige Ansatz.

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Man muss sich in einer Kurzchronik die Geschichte des Stadtbades nach der Schließung vor Augen führen. Was bisher geschah: Breite Diskussionen, erster Investor scheitert, wieder lange Diskussionen. Im letzten Anlauf bat die Stadt dann Architekten, Vorschläge für die Entwicklung des Stadtbades zu machen. Das hatte zur Folge, das es zwar schöne Ideen gab - Europabasar, Wellnesstempel - allerdings keinen, der finanzierte.

Architekt Bellinger mit seinem Europabasar scheiterte, weil er letztlich keine Investoren fand. Die Krefelder Architekten Lucas + Schwittmann hatten mit ihren charmanten Wellness-Plänen zwar eine gute Idee - doch erst, nachdem die Stadt auf die Kölner Architekten Gassen + Wasser zuging, die auf Restaurierung von Denkmalgebäuden spezialisiert sind, die Kölner schließlich einen willigen Kaufinteressenten im Erftstädter Messmer fanden, kam Bewegung in das Thema.

Der Bereich "Medical Wellness", so lassen erste Aussagen von Eduard Messmer erahnen, wird dabei wohl nur eine nebengeordnete Rolle spielen. Interessant wird die Nutzung als Wohnraum sein, auch Büroflächen und Handel sind denkbar.

Hier ist aber der Knackpunkt: Die Politik hängt noch am Gedanken, dass das historische Bad wieder einer alten Nutzung zugeführt wird. Sie hat ihr Votum für den neuen Optionsvertrag daran geknüpft, dass "Medical Wellness" angestrebt wird. Entsprechend gilt weiterhin, dass die erste Bemühung die Reaktivierung des Herrenbades ist. Die Pläne gehen aber schon weiter - an eine "Eventhalle" denkt Eduard Messmer. Dies, so betonten die planenden Architekten gestern eilig, sei nur die zweite Lösung - falls kein Investor für den Wellness-Bereich gefunden wird.

Man spürt gleichwohl, in welche Richtung es gehen kann: Am Ende könnten die Wellness-Pläne auf der Strecke bleiben. Selbst, wenn es bedauerlicherweise so kommt, sollte die Entwicklung des Stadtbades jetzt vorangetrieben werden - mit oder ohne Wellness. Endlich läuft es - wenn wieder ein Interessent abspringt, wäre es tragisch.

(RP)