Krefeld: Ein Mann lebt seinen Bauhaus-Traum

Krefeld : Ein Mann lebt seinen Bauhaus-Traum

Geschäftsmann Reinhard Leendertz steckt weitere neun Millionen Euro in die Sanierung der Bauten auf dem früheren Verseidag-Gelände an der Girmesgath, die der weltbekannte Architekt Mies van der Rohe entworfen hat.

Es ist fünf Jahre her, dass Wolf Reinhard Leendertz das traditionsreiche Verseidag-Gelände von der Grundstücksgesellschaft Girmesgath GmbH & Co KG erworben hat. Seitdem ist kein Tag vergangen, an dem der 51-Jährige nicht vom Zauber der von Stararchitekt Mies van der Rohe verantworteten Bauten und der überall zu spürenden glanzvollen Geschichte der Textilindustrie in Krefeld gefangen war. Fünf Millionen Euro hat er bislang in die Sanierung der denkmalgeschützten Bauten im Bauhaus-Stil investiert. Erste Mieter sind in die herausgeputzten Gemäuer wie die Alte Schlichterei eingezogen.

Zum ersten Mal nach Jahrzehnten ist der Blick auf die Fassade der Sheddachhallen unverbaut. Die Sanierung hat begonnen. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Gestern stellten Leendertz und sein Architekt Georg van Houwald, der seine Diplomarbeit über den Bauhausdirektor Mies van der Rohe geschrieben hat, die schon begonnenen neuen Vorhaben vor. Weitere neun Millionen Euro investiert der Geschäftsmann in die Sheddachhallen der Alten Färberei, um dort in 13 lichtdurchfluteten Hallen mit mehr als 6000 Quadratmetern Nutzfläche flexible Büroräume unterzubringen.

Studenten aus Aachen und ein Professor aus Berlin wollen die Urheberschaft für den Umbau und die Erweiterung des Kesselhauses klären. Foto: Lammertz

In einem ersten Schritt sind zahlreiche Anbauten, die den Blick auf die Fassade verstellt hatten, abgerissen worden. Gleiches muss noch auf der Rückseite passieren, wo dann eine neue Straße mit Kopfsteinbelag entsteht. Im Inneren sind 1300 Kubikmeter Beton und Erdreich ausgekoffert und entfernt worden. Die neue Bodenplatte entsteht aus 2500 Kubikmetern Beton, die Stahlträger und die Fenster in Eisenrahmen sind vom Zahn der Zeit, von Witterung und Säuren in Mitleidenschaft gezogen. Einige der alten Fenster werden als Ersatzteillager für die Reparaturen der noch guten Exemplare genutzt. Andere werden im Bauhaus-Stil nachgebaut und mit Doppelverglasung versehen. "Das ist alles aufwendig und teuer", sagt Leendertz, der beim Rundgang übers Gelände immer wieder neue Details entdeckt.

Neu ist auch der Hinweis, dass die Erweiterung des Kesselhauses auf Mies van der Rohe zurückgehen soll. Ein Professor aus Berlin und 150 Studenten aus Aachen wollen sich damit nun wissenschaftlich befassen und den Nachweis für diese These liefern. Davon, das Kesselhaus gastronomisch zu nutzen, hat der 51-Jährige inzwischen Abstand genommen. Derzeit gebe es mehrere Interessenten, die dort eine Kletterhalle einrichten wollen. "Das hat den Vorteil, dass viel von der alten Substanz erhalten bleiben kann", sagt Leendertz.

Für die Gastronomie verfolgt er nach Empfehlung der Industrie- und Handelskammer eine andere Idee: Am Wasserturm könnte in kleinteiligen Gebäuden rund um eine frühere Tanksäulenüberdachung eine Szene wie am Großmarkt entstehen. Der Platz würde idyllisch hergerichtet und wie alle Hauptwege mit Kopfsteinpflaster versehen.

Insgesamt ist das Areal 80 000 Quadratmeter groß, und Leendertz hat noch auf Jahre hinaus zu tun, um seinen Traum vom "Mies van der Rohe Business Park" komplett zu verwirklichen.

(RP)
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