Krefeld: Ausländervertreter bei Extremisten

Krefeld : Ausländervertreter bei Extremisten

Mindestens drei Mitglieder des Krefelder Ausländerbeirates haben in Linn eine Gedenkveranstaltung besucht, an der auch die vom NRW-Verfassungsschutz beobachteten, als nationalistisch eingestuften „Grauen Wölfe“ beteiligt waren. „Die Bewegung basiert auf einem übersteigerten Nationalbewusstsein, das die türkische Nation sowohl politisch-territorial als auch ethnisch-kulturell als höchsten Wert ansieht“, heißt es im jüngsten Bericht des Verfassungsschutzes über die Wölfe.

Bei der Veranstaltung im Linner Gewerbegebiet gedachten rund 1500 Gäste dem Sieg der osmanischen Truppen 1915 gegen die Westalliierten. Vom Krefelder Ausländerbeirat nahmen der Vizevorsitzende Mehmet Demir, Halide Özkurt-Atmaca und Hatice Yakut teil. Auf einem Büchertisch gab es Bildbände des Gründers der Grauen Wölfe zu kaufen. Gäste formten den Gruß der nationalistischen Bewegung: ausgestreckter Arm, mit der Hand angedeuteter Wolfskopf.

„Die Grauen Wölfe sind in Deutschland nicht verboten“, erklärte Özkurt gestern auf Anfrage der Rheinischen Post. „Ich kann nur für Krefeld sprechen: Hier sind alle Idealistenvereine integrationswillig, setzen sich dafür ein, dass man die deutsche Sprache lernen soll.“ Die Föderation der Idealistenvereine ist die anhängerstärkste Gruppierung der Grauen Wölfe.

Im Verfassungsschutzbericht steht indes über die Idealistenvereine: „Sie fördern das Entstehen von Parallelgesellschaften mit dem entsprechenden Konfliktpotenzial.“ Özkurt wundert sich: „Jeder in Krefeld weiß, dass ich mich für Integration stark mache. Man hätte mich doch nicht eingeladen, wenn es den Veranstaltern um Separatismus gehen würde.“ Öffentlichkeitswirksame Aktionen gehen laut Verfassungsschutz von den Wölfen nicht aus. „Wir nehmen aber wahr, dass es Veranstaltungen in Krefeld gibt“, erklärte ein Sprecher der Polizei.

Bombendrohung zur Hochzeit

Das letzte Mal sind die Wölfe 1993 in Krefeld mit der Polizei in Konflikt geraten – als ein Mitglied die 400-köpfige Hochzeitsgesellschaft eines kurdischen Paares mit einer Bombe bedrohte.

Auch dem linken Spektrum zuzuordnende Ausländerorganisationen treten in Krefeld in Erscheinung. Der Verein Anadolu Federasyonu klebte in der Südstadt Plakate, in der er unter anderem einen rassistischen Angriff im Jahr 1997 verurteilte. Vier türkische Todesopfer habe es damals gegeben. „Ein Fehler“, erklärte Vorstandsmitglied Cengiz Oban gestern auf Anfrage. „Der Familienvater hat den Brand selbst gelegt. Wir werden die Plakate überkleben.“

(RP)
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