Kalkar: Stadt engagiert sich auf Burg Boetzelaer

Kalkar: Stadt engagiert sich auf Burg Boetzelaer

Zumindest übergangsweise ist ein Weg gefunden, wie die Appeldorner Burg öffentlich zugänglich bleiben kann. Die Stadt Kalkar hofft, so den Vorgaben der Zweckbindungsfrist zu entsprechen und nicht Millionen nachzahlen zu müssen.

Der Betrieb der Burg Boetzelaer wird im neuen Jahr fortgeführt. Zum Jahresende 2017 stellte der Insolvenzverwalter seine Begleitung ein, nun führt Eigentümer Maximilian Freiherr von Wendt erst einmal selbst die Geschäfte. Der Verein Burg Boetzelaer, der für die Veranstaltungen und die Vermietung der Zimmer im Hauptgebäude zuständig war, ist nicht mehr existent. Er wurde im Zuge der Insolvenz aufgelöst. Der Vorsitzende von Wendt jedoch bleibt der Eigentümer - und muss Wege finden, mit der Burg Geld zur Sicherung der Unterhaltskosten zu verdienen.

Maximilian Freiherr von Wendt plant ein Hotel an der Burg Boetzelaer. Foto: Gottfried Evers

Die Stadt hat nun einen Mietvertrag mit dem Eigentümer geschlossen, der es ihr ermöglicht, in dem Gebäude öffentliche Veranstaltungen anzubieten. "Wir steigen da jetzt intensiv ein, Freiherr von Wendt bleibt aber Eigentümer mit allen Rechten und Pflichten", sagt Stadtsprecher Harald Münzner, zuständig für Kultur und Tourismus bei der Stadt Kalkar.

In mehrfacher Hinsicht liegt es im Interesse der Stadt, die Burg weiter für Besucher offen zu halten, auch für standesamtliche Trauungen. Kultur und vielseitig nutzbare Räume für Kalkarer und andere Gäste können angeboten werden, und das Land verlangt genau diese Zugänglichkeit. Daran sind die Fördergelder gebunden, die die Stadt für den Wiederaufbau der früheren Ruine bekommen hat. Die Zweckbindungsfrist gilt bis 2029. Im schlimmsten Fall müsste Kalkar die 1,6 Millionen Euro, mit der das Land das Projekt unterstützte, zurückzahlen. Das wäre ein Posten, der den Haushalt in besorgniserregendem Maße belasten würde, warnen Kritiker seit Monaten.

"Wir wollen den Nutzungsvertrag fortführen und den kulturtouristischen Mehrwert, den Kalkar durch die Burg Boetzelaer gewinnt, behalten", sagt Münzner. Die Bezirksregierung verlangt ein überarbeitetes Nutzungskonzept, das die Stadt noch im vergangenen Jahr nach Düsseldorf schickte. Das Konzept befinde sich noch in der Prüfung, teilte die Behörde kürzlich mit.

  • Emmerich : Burg Boetzelaer: Der Betrieb geht weiter

In den Kalkarer Haushalt sind jetzt erst einmal 36 000 Euro eingestellt für die Miete der Räume und für Betriebskosten. Befristet ist der Vertrag nicht, schließlich muss die öffentliche Nutzung für weitere elf Jahre garantiert werden. Auch eigenes Personal ist nötig; insgesamt rechnet die Stadt von nun an mit Kosten von jährlich 60.000 bis 65 .000 Euro für die Burg Boetzelaer. Wichtig sei, dass der Betrieb erst einmal weitergehen könne. Langfristig werde es darum gehen, die Adresse für Besucher noch attraktiver zu machen, vielleicht durch besondere Angebote für Radfahrer oder eine ansprechende Gastronomie. Die könnte - fachlich konzipiert und umgesetzt - nach Ansicht Münzners zum Beispiel auch für einen Existenzgründer gut geeignet sein.

Maximilian von Wendt versorgt seine Gästezimmer derzeit praktisch alleine, in Kürze sollen aber einige Mitarbeiter, die der Insolvenzverwalter als Sofortmaßnahme erst einmal entlassen hat, wiedereingestellt werden. Aber in reduzierter Zahl - auf eine Bürokraft und den Hausmeister werde aus Kostengründen verzichtet.

Der Geschäftsmann, der im Hauptberuf Landschaftsarchitekt ist und die Beherbergung nebenberuflich betreibt, versichert, dass er mit der Stadt Kalkar an einem Strang ziehe. "Wir müssen gemeinsam ein kultur-touristisches Konzept entwickeln und zugleich eine Wirtschaftlichkeit erreichen", sagt von Wendt. Einiges werde sich ändern in der Burg, die inklusive Vorburg (deren fünf Gästezimmer gehören von Wendt ganz privat) über zehn Zimmer verfügt. "Bei Veranstaltungen und Tagungen wird die Getränkelogistik samt Service künftig extern vergeben", erklärt von Wendt. Dauerhaft Personal für solche Ereignisse vorzuhalten sei höchst unwirtschaftlich, und nur mit Aushilfen sei kein verlässlicher Betrieb aufrecht zu erhalten.

Wer von Wendt oder Vertretern der Stadt zuhört, kann zwischen den Zeilen wahrnehmen, dass den Behörden durchaus Vorwürfe gemacht werden. Vier Millionen öffentliches und zum Teil auch privates Geld wurden in den Wiederaufbau investiert, aber dass der Erhalt der historischen Mauern ebenfalls eine Menge Bares verschlingen würde und dies mit Kultur und Grillfesten nicht hereinzuholen ist - darüber wurde vielleicht nicht genügend nachgedacht. Das neue Konzept jedenfalls sollte zum Erfolg führen.

(RP)