Kleve: Kunstszene kämpft um Anerkennung

Kleve: Kunstszene kämpft um Anerkennung

Bei einer lebhaften Diskussion haben sich Politiker und Kulturschaffende über die derzeitige Situation der offenen Kunstszene in Kleve gestritten. Diese soll einen eigenen Lobbyisten bekommen, Kultur als Investition begriffen werden.

Als die offizielle Podiumsrunde längst beendet war, standen sie immer noch beisammen, um miteinander zu diskutieren: Bürger, Kulturschaffende und Politiker haben unter Leitung von RP-Redakteur Matthias Grass die Situation der Offenen Kunstszene in Kleve thematisiert. Am Ende waren es dann vor allem die kleineren Bühnen, die auf ihre Lage aufmerksam machen konnten. "Wir müssen das Ganze als Auftaktveranstaltung begreifen, um das Thema öffentlich zu machen", forderte Bruno Schmitz. Denn etwa die Situation der Künstlerateliers in der Stadt ist am Sonntag kaum angeschnitten worden.

Gut 60 Zuhörer waren an die Ackerstraße gekommen - darunter viele der Kulturschaffenden Kleves. Foto: stade

Klar wurde: Die freischaffende Kulturszene ist bunt, heterogen. Während die einen, etwa das XOX-Theater, am liebsten weiterhin in "ihrer Heimat" bleiben würden, fordern andere ein neues, multifunktionales Bühnenhaus mit Platz für 200 bis 300 Zuschauer. Daniel Rütter (FDP) brachte dafür erneut den Standort des im Jahr 2000 abgerissenen Schützenhauses ins Spiel. "Wir wollen einen Neubau in schlichter Form, am liebsten von einem privaten Investor", sagte er. Alexander Frantz (SPD) lenkte die Aufmerksamkeit eher auf das leerstehende Bahnhofsgebäude. Ein Vorschlag, mit dem sich auch Jörg Cosar von der CDU anfreunden konnte. "Der Platz mit ehemaliger Gaststätte und Buchladen lässt sich als Event-Location für Kleve nutzen", meinte Cosar. Die von Fabian Merges (Offene Klever) vorgeschlagene Lutherschule fand bei den anderen Parteien wegen des Platzmangels als Bühnenort keine große Zustimmung. Dass auch das Haus der Begegnung, Beth Hamifgash, dessen Initiator Ron Manheim im Publikum saß, ein solcher Ort sein könnte, ist bisher allerdings nicht berücksichtigt geworden. Ein Denkanstoß für das nächste Treffen?

Fernab der Raumdiskussion forderten die Kulturschaffenden generell mehr Anerkennung für ihre Arbeit. "Bei der Stadt fehlt die Wertschätzung für die freie Kunstszene", meinte etwa Wolfgang Paterok vom XOX-Theater. Dem Vorschlag der FDP, einfach bei der bildenden Kunst zu kürzen, fand bei Hedwig Meyer-Wilmes (Grüne) aber keinen Zuspruch. "Man sollte beides nicht gegeneinander ausspielen", warnte sie. Vielmehr könne man sich an dem bürgerlichen Engagement hinter den Museen orientieren. "Meine Anregung wäre, einen ähnlichen Verein auf die Beine zu stellen", sagte Meyer-Wilmes. Die Szene gemeindeübergreifend zu verstehen, forderte Crischa Ohler vom Theater Mini-Art in Bedburg-Hau. Ob für den ganzen Kreis - dahinter setzte aber manch einer noch ein Fragezeichen. Weitgehend einig waren sich die Beteiligten, dass es in Kleve eines Ansprechpartners bedarf, der die Szene kennt, ihre Interessen vertritt und bei der Akquirierung von Fördergeldern hilft.

Impulse wurden einige gesetzt am Sonntag. Jetzt gilt es, daraus konkrete Formen entstehen zu lassen.

(lukra)
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