Kleve: Erster SOS-Kinderdorfvater in Kleve

Kleve: Erster SOS-Kinderdorfvater in Kleve

Dirk Schmenk betreut eine Familie im SOS-Kinderdorf in Kleve. Bislang haben das nur Frauen oder Ehepaare gemacht. . Der 45-Jährige geht ganz in seiner Arbeit auf, erlebt sie als Berufung. Die Klever Einrichtung sucht weitere Mitarbeiter.

Der Andrang auf das SOS-Kinderdorf ist so groß wie noch nie seit dessen Gründung im Jahr 1969\. "Es gibt immer mehr Anfragen vom Amt, ob wir Kinder bei uns unterbringen können", sagt Elmar Haal, Bereichsleiter Kinderdorffamilien im SOS-Kinderdorf Niederrhein in Kleve. Gleichzeitig hat das Kinderdorf in Kleve zunehmend Schwierigkeiten, kompetente Mitarbeiter zu finden, die als Kinderdorfvater, -mutter oder auch -Ehepaar eine Familie betreuen wollen.

Margret Derksen (Johannes-Kindergarten), Klemens Tillemann (St. Stephanus Kindergarten), Gertrud Brey (St. Stephanus Kindergarten, hinten v. l.), Irmgardis Wanders (St. Pius Kindergarten), Ludger Ranft (Lebenshilfe) und Landrat Wolfgang Spreen (vorne v. l.) mit Kindern des St. Stephanus Kindergarten. Foto: privat

Jetzt kann das SOS-Kinderdorf einen Erfolg vermelden: Dirk Schmenk hat eine Anstellung als Kinderdorf-Vater angenommen. Das hat es in Kleve noch nie gegeben: Ein Mann als "Familienoberhaupt". "Auch bundesweit gibt es nur drei oder vier Männer, die als Kinderdorfvater arbeiten", betont Elmar Haal.

In einer Kinderdorffamilie werden bis zu sechs Kinder ab einem Alter von anderthalb Jahren aufgenommen, die aufgrund unterschiedlicher Probleme vorübergehend oder auf Dauer nicht mehr in ihrem bisherigen Lebensumfeld bleiben können. Die neue Gemeinschaft soll ihnen emotionale Stabilität und Geborgenheit geben.

Anfang der 90er Jahre entschieden sich die SOS-Kinderdörfer dazu, Männer als Kinderdorfväter zuzulassen. Doch die Resonanz tendiert auch heute — 20 Jahre später — immer noch gegen Null. Dass Dirk Schmenk eine echte "Rarität" ist, bekommt er bei Treffen innerhalb der Kinderdorf-Organisation häufig zu spüren. "Da bin ich als Mann ein echter Exot. Da wird genau hingeschaut und auch häufig nach meiner Motivation gefragt, warum ich diesen Job übernommen habe", sagt Schmenk.

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Für den 45-Jährigen ist seine Arbeit eine echte Berufung. Das wurde ihm spätestens bei einem einjährigen Praktikum im SOS-Kinderdorf in Kleve klar. Der studierte Historiker und Philosoph absolvierte nebenberuflich eine Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher. Damit stand ihm der Weg zum Kinderdorfvater offen, denn eine pädagogische Ausbildung ist dafür unerlässlich.

Jetzt lebt Schmenk im Klever Kinderdorf mit sechs Kindern Tag und Nacht in einem Haus zusammen. Zwei Erzieherinnen und eine Hauswirtschaftskraft helfen ihm bei seiner Arbeit.

Ein Sozialpädagoge unterstützt das Team beratend. Seinen eigenen Nachwuchs, Schmenk ist Vater zweier Kinder, besucht ihn regelmäßig im SOS-Kinderdorf. Ansonsten sieht er seine Kinder, die bei ihrer Mutter aufwachsen, von der Schmenk getrennt lebt, nur in seiner Freizeit. Und die ist kostbar, denn Schmenk lebt zweieinhalb Wochen rund um die Uhr in seiner Kinderdorf-Familie. Danach hat er jeweils fünf bis sechs Tage frei. Der Tag beginnt für die Familie mit einem gemeinsamen Frühstück. Anschließend gehen die Kinder in die Schule. Für Schmenk stehen dann Hausarbeit, Behördengänge oder Besprechungen auf dem Programm. Nachmittags ist Zeit für Hobbys. "Ein Höhepunkt des Tages ist das gemeinsame Abendessen, bei dem die Kinder von ihrem Tag erzählen. Das ist ein festes Ritual", sagt Schmenk.

Der SOS-Kinderdorf-Bereichsleiter Elmar Haal würde sich freuen, wenn noch andere Männer gerne Schmenks Beispiel folgen wollen und sich für die offene Stelle als Kinderdorfvater bewerben würden. Aber auch Frauen oder Ehepaare sind natürlich gerne im Klever Kinderdorf gesehen.

(RP/rl)
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