Kleve: Nackte Haut trifft abstraktes Terrain

Kleve: Nackte Haut trifft abstraktes Terrain

Der Projektraum Bahnhof 25 vereinigt die Künstler Luzia-Maria Derks und Christian Paulsen. Zu sehen gibt es Zeichnungen, die nicht abbilden, und autobiographische Nacktdarstellungen auf glänzendem Bonbon-Papier.

Es ist der wohl größtmögliche Kontrast, der ab dem kommenden Samstag im Projektraum Bahnhof 25 zu einer Ausstellung zusammengeführt wird. Auf der einen Seite großformatige Collagen aus knallbuntem Verpackungspapier und Fotos, die viel nackte Haut zeigen — auf der anderen Seite schwarz-weiße Zeichnungen, die nicht abbilden, sondern abstrakt bleiben und wie automatisch entstanden zu sein scheinen.

Das Werk hat Christian Paulsen im Projektraum Bahnhof 25 entstehen lassen. Es ist die größte von den in Kleve gezeigten Zeichnungen. Foto: Stade, Klaus-Dieter (kds)

Die gebürtige Gocherin Luzia-Maria Derks und der Essener Künstler Christian Paulsen stellen ab dem 29. Juni gemeinsam in den Galerie-Räumen am Bahnhof aus. "Ich habe eine große Leidenschaft für Verpackungsmaterialien und Wegwerfprodukte", sagt Luzia-Maria Derks. "Mein Fundus umfasst zum Beispiel Bonbonpapiere, Gold und Silberverpackungen von Süßigkeiten sowie Joghurtbecher und -deckel", sagt Derks. "Mittels meiner künstlerischen Arbeit betreibe ich eine ganz spezifische Form von Recycling." Heraus kommen großformatige Bilder, die ihre Vorbilder etwa bei Klimt oder Margritte finden. "Obwohl Klimt nicht unbedingt der Künstler ist, den ich verehre", sagt sie. "Es geht mir um die ästhetische Eigenschaft der Funstücke, das Licht, das Leuchten, das Glitzern und Funkeln, die Reflektion", so Derks.

Als Untergrund der Gemälde dienen etwa umgedrehte Joghurt-Deckel, die sich in ein goldenes Fließ verwandeln, darüber angebracht wird eine Fotofolie mit Akten der Künstlerin, aufgenommen vom Fotografen David Moselay, in den Posen und Größen der Klimtschen Bilder. "Für die Ausstellung in der Galerie habe ich diesen Prozess mit einer Hommage an René Magrittes ,Der Kiesel' fortgesetzt", sagt Luzia-Maria Derks.

Fast schon in die Rolle eines Voyeurs versetzt sie die Besucher mit ihren Kamasutra-Schaukästen. Szenen der alten indischen Liebeskunst sind in Verpackungen mit Sichtfenstern eingelassen. Die werden so zu kunstvoll verzierten Schaukästen mit pikantem Inhalt.

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Die Werke von Christian Paulsen sind anders motiviert. Sie entstehen unbewusst, und doch mit wiederkehrenden Systematiken, abhängig von Musik, Orten, Stimmungen. Beim automatischen Zeichnen scheint das Kunstwerk ein Eigenleben zu entwickeln. "Ich bilde nichts ab, habe keine Motiv-Vorgaben", sagt Paulsen. Daraus entstehen Terrain-Szenen — Ausschnitte, die nicht scharf sind, sondern immer offen bleiben. "Jeder Raum hat eigene Schwingungen, denen ich mich bewusst hingebe. Das hat auch etwas mit dem Ankommen im Ort zu tun", sagt der Künstler. In Kleve ist er angekommen, ein großformatiges Werk hat Paulsen extra für den Projektraum geschaffen.

Eröffnet wird das 27. Ausstellungsprojekt am Samstag, 29. Juni, um 16 Uhr unter anderem mit dem stellvertretenden Bürgermeister Joachim Schmidt. Es spricht Ulrika Lua.

Die Ausstellung dauert bis zum 21. Juli, Öffnungszeiten 13 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung. Informationen im Internet auf www.bh25.de

(lukra)
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