Kleve: Die vergessenen Klever

Kleve: Die vergessenen Klever

Der Friedhof an der Merowingerstraße ist mehr als eine Ruhestätte. Die Gräber in der parkähnlichen Anlage erzählen einen Teil der Stadtgeschichte. Einige von ihnen sind jedoch auf dem besten Weg, in Vergessenheit zu geraten.

Es ist ein Archiv aus Stein. Der Klever Friedhof an der Merowingerstraße erzählt einen Teil der Stadtgeschichte. Wenn man sie denn erkennt. Seit 1908 finden hier Klever ihre letzte Ruhe. Zuvor lag der Klever Friedhof zwischen der Lindenallee und Frankenstraße.

Klever Persönlichkeiten von Gustav Hoffmann über Dr. Heinrich van Ackeren bis hin zu Karl Kisters sind auf den Feldern an der Merowingerstraße beigesetzt. Die zahlreichen Zeugnisse der Geschichte befinden sich in einem Zustand, der ihrem Alter entsprechend schön ist. Ein Grabstein mit Patina bringt einem die Geschichte noch näher. Doch gibt es auch Grabstätten, die sich in einem heruntergekommenen Zustand befinden. Jene, in denen auch Klever ruhen, die Geschicke der Schwanenstadt mitgeprägt haben, oder deren Name über die Stadtgrenzen hinaus bekannt wurde. Kleve ist dabei, einen Teil seines Gedächtnisses zu verlieren.

Ein Beispiel dafür ist die Grabstätte von Gerd Brüx (1875 - 1944). Der Klever Bildhauer wurde als Sohn eines Schuhmachers geboren. Seine Ausbildung absolvierte er in der Bildhauerwerkstatt von Ferdinand Langenberg. Ab 1902 hatte er eine eigene Werkstatt in Kleve. 1911 arbeitete er hier mit Achilles Moortgat und später Gerd Matthäi. Das Grab von Brüx gibt's eigentlich nicht mehr. Kirschlorbeer und andere Sträucher verdecken es völlig. Wenn man die Äste beiseite schiebt, entdeckt man die Grabplatte von Brüx. Ein von ihm geschaffenes Denkmal steht seinem Grab direkt gegenüber. Ein Engel aus dem Jahr 1909. Brüx' Werke findet man auf dem Friedhof an jeder Ecke. Nur er selbst ist nicht sichtbar.

  • Kaarst : Gräber als Teil der Stadtgeschichte

Auch das Grab des Historikers Professor Dr. Georg Mestwerdt verfällt. Er ist sicherlich nicht der erste Name, den man nennt, wenn's um die Klever Geschichte geht. Doch gehört Mestwerdt zweifellos in die erste Reihe der Klever Historiker. Er war es, der dem 1896 gegründeten "Altertumsverein" vorstand. Ein Vorläufer des Klevischen Vereins für Kultur und Geschichte. Selbst Kleves letzte Instanz für Stadthistorie, Dr. Friedrich Gorissen, adelte Mestwerdt in einem Beitrag als "einen hervorragenden Archäologen". Mestwerdt kümmerte sich um die Wiederbelebung des Heimatmuseums, das in der Landwirtschaftsschule an der Linde untergebracht war. Mit seinem Tod 1922 erlosch die Sammlung. Der Grabstätte von Mestwerdt droht derzeit das gleiche Schicksal wie der des ehemaligen Klever Stadtbaurats Gerhard Hunscheidt (1869 - 1944). Eine Straße wurde nach ihm benannt, das Grab sucht man auf dem Friedhof vergebens. Es wurde eingeebnet. Dabei ist Hunscheidt als "Verdienter Bürger" der Stadt geehrt worden. Hunscheidt starb beim Bombenangriff auf Kleve 1944. In seiner Zeit wurde unter anderem die Spyckschule gebaut sowie Neubauten für den Hafen- und Werftbetrieb errichtet. Auch der Erwerb des Forstgartens 1913 für die Stadt und des Moritz-Parks fielen in seine Amtszeit.

Die Gräber der Ehrenbürger lässt die Stadt pflegen. Meistens sind sie mit roten und weißen Blumen bepflanzt, die die Stadtfarben symbolisieren. Die Gefahr, dass ein Teil Klever Geschichte auf dem Friedhof für immer in Vergessenheit gerät und langsam einschläft, ist gegeben. Denn der Schlaf ist der kleine Bruder des Todes.

(RP/ac)
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