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Kreis Kleve: Bauern vor der Frage: Tank oder Teller?

Kreis Kleve : Bauern vor der Frage: Tank oder Teller?

Beim Bauerntag auf der Wasserburg Rindern ging es um die Frage der Verantwortung der Landwirte für die Schöpfung. Der Präsident des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes betonte, dass es Landwirten um das Tierwohl gehe.

Der Vorfall, bei dem so genannte Tierschützer einen Bullen gefeiert haben, der einen Bauern getötet hat, bringt Bernhard Conzen immer noch auf die Palme. "Es ist unglaublich, wie die Landwirtschaft hier mit Füßen getreten wird", sagte der Präsident des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes gestern beim Bauerntag auf der Wasserburg Rindern. "Wer in einer solchen Art und Weise mit der Landwirtschaft umgeht, der möchte gar nicht mit uns arbeiten. Der will die Insel der Seligen, bei der gebratene Tauben auf dem Baum sitzen", meinte er. Es sei nur konsequent, dass Strafanzeige gestellt wurde. Nur so könnten solche Auswüchse in Zukunft unterbunden werden.

Solche Vorfälle werfen für Conzen aber auch die Frage auf, wie es überhaupt dazu kommen kann, dass die Landwirtschaft in eine Ecke gestellt wird. Mit ein Grund sei, dass die Anerkennung in der Gesellschaft für die Produktion von Lebensmitteln verloren gehe. "Das Bewusstsein, dass Lebensmittel Existenzgrundlage sind, ist verloren gegangen." Es sei bezeichnend, wenn man inzwischen beispielhaft ein Land wie Hessen brauche, um das Futter zu erzeugen, mit dem die Haustiere ernährt werden. Das sage viel über die Gesellschaft aus.

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Die Landwirtschaft stehe in einem Spannungsverhältnis, eben um dieses ging es auf der Wasserburg beim Bauerntag, der die Veranstaltung mit der längsten Tradition in der Heimvolkshochschule ist. Seit mehr als 40 Jahren findet sie regelmäßig im Winter statt, ist noch nie ausgefallen, und ebenso hat es sich zur Tradition entwickelt, dass neben Vertretern der Landvolkbewegung der Nachwuchs eingeladen wird. Auch diesmal waren Schüler der Fachschule für Agrarwirtschaft mit ihren Lehrern gekommen. "Verantwortung der Landwirtschaft für die Schöpfung" lautete das Leitthema. Eben dieser Herausforderung müsse sich jeder Landwirt stellen, sagte Conzen. Jeder Bauer habe die Aufgabe, mit seinem Boden so umzugehen, dass er auch nachfolgenden Generationen noch Grundlage für die Existenz biete. "Sie müssen unseren Kindern gute Böden und sauberes Trinkwasser hinterlassen", sagte er zu den Bauern und Agrarwirtschafts-Schülern. Aktionen wie die Initiative "Tierwohl" sollen in der Öffentlichkeit zeigen, dass die Landwirtschaft die Herausforderungen der Moderne annehme. "Klar ist: Wir wollen keine Tiere quälen und keine Umwelt verschmutzen."

Aus theologischer Sicht nahm Diözesan-Landseelsorger Bernd Hante Stellung zum Thema. In der Bibel stehe, dass Gott am sechsten Tag Tier und Mensch schuf. Dort stehe aber auch, dass der Mensch über die Tiere zu herrschen habe. "Mensch und Tier stehen nicht auf einem Niveau", sagt Hante. Wichtig sei, dass der Mensch sich seiner Verantwortung für die Natur bewusst sei. Es sei aber auch bezeichnend, wenn sich in Deutschland viermal so viele Menschen für die Rechte der Tiere einsetzen als für Menschenrechte.

Kritisch diskutierten Referenten und Zuhörer über den Flächenverbrauch durch Maisfelder für Bioanlagen. Im Nachbarkreis Borken etwa stehen allein 100 dieser Anlagen (in ganz NRW sind es 600). Und in diesem Kreis werden 70 Prozent der Felder mit Mais bestellt. Hier sei wichtig, die richtige Balance zu finden, mahnte der Präses. Es gehe bei der Produktion am Ende um die Frage: "Tank oder Teller?" Also darum, ob für die Energie- oder Lebensmittelwirtschaft produziert wird.

(RP)