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Landgericht in Kleve: Auch BKA ermittelt gegen "China-Bordelle"

Landgericht in Kleve : Auch BKA ermittelt gegen "China-Bordelle"

Beim Fortsetzungstermin im Prozess gegen fünf Chinesen hat eine Kommissarin des Bundeskriminalamts (BKA) berichtet, wie sie den Angeklagten auf die Schliche gekommen sei. Es habe auch einen anonymen Hinweis gegeben.

Über einen langen Zeitraum hat das Bundeskriminalamt (BKA) in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft gegen sogenannte "China-Clubs" im gesamten Bundesgebiet ermittelt. Seit November 2016 sitzen fünf mutmaßliche Betreiber dieser Bordelle - ein Mann und vier Frauen - vor dem Klever Landgericht aufgrund dieser aufwendigen Ermittlungen auf der Anklagebank. Ihnen wird neben dem unerlaubten Einschleusen von Ausländern auch zu gewerblichen Zwecken Steuerhinterziehung in Millionenhöhe vorgeworfen.

Eine BKA-Kommissarin, die unter anderem federführend mit dem Fall vertraut ist, hat nun als Zeugin berichtet, wie die Justiz den Angeklagten auf die Schliche gekommen sei. So habe das BKA bereits 2013 angefangen, gegen chinesischen Menschenhandel zu ermitteln. 2014 sei die Staatsanwaltschaft Düsseldorf eingeschaltet worden. Diese ermittelte seither wegen Menschenhandels und unerlaubten Einschleusens von Ausländern.

Im November 2014 sei dann zum einen ein anonymer Hinweis bei den Behörden eingegangen. Zum anderen habe es einen Brand in einem "China-Club" in Neuss gegeben. Polizisten, die bei diesem Vorkommnis zugegen waren, hatten bereits an einem vorherigen Prozesstag ausgesagt, dass sie dort chinesische und auf sie durchaus ängstlich wirkende Frauen ohne gültige Papiere aufgegriffen hätten. Die Ermittlungen habe das weiter in Gang gebracht, wie die BKA-Kommissarin bestätigte.

Nur einen Monat später, im Dezember 2014, seien weitere Maßnahmen - wie etwa eine Telefonüberwachung - getroffen worden. Auch Kontoauszüge hätten sich Ermittler genauer angeschaut. Dabei habe sich der Verdacht der Steuerhinterziehung erhärtet.

Die Staatsanwaltschaft Kleve ermittelte bereits vorher unabhängig von der Staatsanwaltschaft Düsseldorf wegen Steuerhinterziehung gegen das Kranenburger "China-Bordell", welches sich im Industriegebiet "Im Hammereisen" befand. Beide zuvor getrennten Verfahren - Einschleusen von Ausländern und Steuerbetrug - wurden daraufhin zusammengelegt.

Die BKA-Kommissarin berichtete weiterhin von den verschiedenen Rollen der Angeklagten in dem anrüchigen Gewerbe. Der mittlerweile 54-jährige Hauptangeklagte sei in der Tat so etwas wie der "Chef" gewesen, der über alles informiert worden sei. "Die Damen waren in den Bordellen dafür zuständig, dass alles reibungslos vonstatten ging. Sie haben unter anderem die Mieten bezahlt, die Damen abkassiert und Werbungen inseriert", so die Kriminalbeamtin.

Eine immer wiederkehrende Auffälligkeit habe es zudem bei den Einreisewegen der Chinesinnen gegeben, die als Prostituierte in den Betrieben gearbeitet haben sollen. "Sie sind meistens nicht direkt von China nach Deutschland gereist, sondern über vor allem Frankreich und Italien sowie Spanien und Malta", sagte die Kommissarin.

Der Prozess wird fortgesetzt. Ein Urteil wird im Februar erwartet.

(pets)