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Kleve: Belastendes im "China-Bordell-Prozess"

Kleve : Belastendes im "China-Bordell-Prozess"

Zhiyuan Z. bestreitet, für alle ihm vorgeworfenen "China-Bordelle" teilweise sogar gänzlich verantwortlich gewesen zu sein. Darunter falle auch der Club in Kranenburg. Beschlagnahmte Papiere sprechen aber eine andere Sprache.

Seit zwei Monaten sitzt Zhiyuan Z. im Landgericht Kleve auf der Anklagebank. Der 54-jährige Chinese verfolgt auf der hölzernen Sitzgelegenheit hinter einer Absperrung seither still und ruhig den Prozess, in dem ihm gemeinsam mit vier weiteren Landsfrauen vorgeworfen wird, gewerbs- und bandenmäßig chinesische Frauen unerlaubt nach Deutschland eingeschleust zu haben. Sie sollen in seinen bundesweit betriebenen sogenannten "China-Bordellen" als Prostituierte tätig gewesen sein. Ihre Einkünfte sollen sie dabei jedoch nicht versteuert haben, so dass die Staatsanwaltschaft Kleve die insgesamt fünf Angeklagten zudem der Hinterziehung von Steuern und Sozialabgaben in Höhe von zwei Millionen Euro beschuldigt.

Zhiyuan Z. bestreitet allerdings sämtliche Punkte der Anklage. So habe er den Club im Kranenburger Gewerbegebiet "Im Hammereisen" lediglich acht Monate lang betrieben und nicht wie vorgeworfen über einen erheblich längeren Zeitraum. Auch andere im Bundesgebiet ansässigen "China-Bordelle" habe er wesentlich kürzer als ihm zur Last gelegt wird geführt. Bei einigen der zahlreich im Bundesgebiet verbreiteten Etablissements bestreitet er auch auf Nachfrage des Gerichts eine Tätigkeit gänzlich. Stattdessen nannte Z., der als Hauptbeschuldigter gilt, den Namen eines Mannes, der für diese Clubs verantwortlich gewesen sein soll.

Christian Henckel, Vorsitzender Richter der 9. großen Strafkammer, die den Fall verhandelt, wollte dies nicht so stehen lassen. "Es macht keinen Sinn einzelne Clubs abzustreiten, wenn die Sachen auf der Hand liegen", sagte er. Schließlich seien Papiere von Clubs, die Z. abstreite, zusammen mit Papieren von den Clubs, die Z. zugebe, gefunden worden. Schon mehrfach hatte Henckel im Verlauf des Prozesses in der Klever Schwanenburg etwas in einem ähnlich zorniger werdenden Ton sagen müssen. Beispielsweise als mehrere aus China stammende Zeuginnen ihre Arbeit als Prostituierte abstritten.

Da einige Frauen, denen eine Arbeit im Rotlichtmilieu ebenfalls nachgesagt wird, zudem (bisher) nicht erschienen, lud das hohe Gericht zum gestrigen Hauptverhandlungstermin einige Vernehmungsbeamte ein, die im Rahmen der langandauernden Ermittlungen mit den Frauen gesprochen hatten. Laut ihren Aussagen gaben manche zu, als Prostituierte gearbeitet zu haben, andere wiederum nicht. So hätte eine Frau beispielsweise gesagt, dass sie als Masseurin gearbeitet hätte.

Angaben machten die Frauen bei den Vernehmungsbeamten auch zum Arbeitsklima. "Sie sagte uns, dass sie ohne Probleme hätte aufhören können zu arbeiten", berichtete ein Kommissar aus seiner Vernehmung mit einer chinesischen Frau.

Lifen L. gab gestern als letzte der Angeklagten ihre Einlassung zu dem Verfahren ab. Sie schilderte, dass sie mit dem Hauptangeklagten Zhiyuan Z. gemeinsam in China aufgewachsen sei. Sie hätten den gleichen leiblichen Vater und seien somit Halbgeschwister. Vor etwa 25 Jahren habe sie das "Reich der Mitte" jedoch in Richtung Frankreich verlassen. Dort habe ihr damaliger Freund ein Restaurant geführt. Als sie später nach Deutschland gekommen sei, habe sie ein Bordell in Duisburg, das auch Teil der Anklage ist, eröffnet. Dort habe sie alles selber gemacht und es eigenständig geführt. In Bergheim habe sie anschließend noch ein zweites Bordell aufgemacht.

Den Kontakt zu ihrem Halbbruder, der zwischenzeitlich abgerissen war, habe sie 2014 wieder aufgenommen. "Nachdem er schwer erkrankte, habe ich in seinen Bordellen mitgearbeitet", so die 49-jährige Lifen L. in ihrer Einlassung. Unter anderem der Kranenburger Club sei dann auf ihren Namen gelaufen.

(pets)