1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve

Kleve: Vom Hirten zum "China-Bordell"-Chef

Kleve : Vom Hirten zum "China-Bordell"-Chef

Zhiyuan Z. muss sich zusammen mit vier Frauen, die alle ebenfalls aus der Volksrepublik stammen, unter anderem wegen Steuerhinterziehung vor dem Klever Landgericht verantworten. Gestern sagte er erstmals zu den Vorwürfen aus.

Acht Verhandlungstage hat Zhiyuan Z. geschwiegen. Gestern verlas seine Verteidigerin Sonka Meurs-Heurs eine Einlassung, die aber im Verhältnis zur 160 Seiten umfassenden Anklageschrift eher knapp ausfiel. Dabei gilt Z. im Prozess wegen Hinterziehung von Steuern und Sozialabgaben in Millionenhöhe und Einschleusens von Menschen gegen darüber hinaus noch vier weitere beschuldigte Chinesinnen als Hauptangeklagter.

Zuerst einmal schilderte der in China geborene 53-Jährige dem Klever Landgericht sein bisheriges Leben. Seine als Lehrer tätig gewesenen Eltern seien in seiner Heimat politisch verfolgt worden und Ende der 1980er Jahre bei einer Demonstration wohl ums Leben gekommen. Er selbst habe in China erst als Kuh- und Schafhirt in der Landwirtschaft und dann in einer Fabrik in der Elektrotechnik gearbeitet, ehe er bereits vor einigen Jahren nach Deutschland gekommen sei. In dem Land sei er als Koch angestellt und zeitweise auch mit einem eigenen Restaurant selbstständig gewesen.

In dieser Zeit habe er erste Kontakte zum Rotlichtmilieu geknüpft. "Ich war Kunde in einem China-Bordell und habe da gesehen, dass man damit viel Geld verdienen kann", verlas Rechtsanwältin Sonka Meurs-Heurs. Im Jahr 2011 habe er mit einem Bordell in Essen dann sein erstes Etablissement geführt. "Ich hatte davon aber keine Ahnung, da ich nie etwas vorher damit zu tun gehabt habe", erklärte Z. in seiner Einlassung. Zeitungsinserate hätte er beispielsweise von anderen übernommen und lediglich seine Kontaktdaten dazu gestellt.

Im Laufe der Zeit wären weitere Bordelle hinzugekommen, die jedoch allesamt nicht gut gelaufen seien. "Erst 2014 lief der Hauptclub in Essen besser und 2015 dann gut", sagte Z.. Insgesamt habe er aber nur rund eine Hand voll "China-Bordelle" tatsächlich geleitet. "Den 24 Bordellbetrieben aus der Anklageschrift widerspreche ich", so Z.. Der Club im Kranenburger Gewerbegebiet "Im Hammereisen" habe aber zu seinen Etablissements gehört.

Gearbeitet wurde laut Zhiyuan Z. so, "wie es in der Branche üblich" sei. Die Einnahmen habe er mit den Frauen zur Hälfte geteilt. "Keine war bei mir angestellt. Deshalb dachte ich, sie würden selbst Steuern zahlen", meinte Z.. Als Mieter der Räumlichkeiten habe er zudem unter anderem als Aufpasser fungiert und für Fahrdienste gesorgt.

Über vier Jahre - von 2011 bis 2015 - sei das in etwa so gegangen. Auch nach Polizeikontrollen seien keine Einwände diesbezüglich gekommen. Außerdem wiederholte er, dass er 2011 "ohne jede Vorahnung" in das Gewerbe eingestiegen sei und deshalb auch nicht gewusst habe, in welcher Form er Steuern und Sozialabgaben hätte leisten müssen - auch für sich selbst nicht.

Eine Zusammenarbeit mit den weiteren vier angeklagten Chinesinnen gab Z. indes zu, führte allerdings nicht weiter aus, wie diese ausgesehen habe. Zwei Frauen hatten ihn in ihrer Einlassung vor Gericht als "Chef" bezeichnet und damit schwer belastet. Dazu gab Z. auch auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Christian Henckel bislang noch keine Stellungnahme ab.

(pets)