Kevelaer: 19 Verkehrstote - 330 Schwerverletzte

Kevelaer: 19 Verkehrstote - 330 Schwerverletzte

Im Jahr 2017 gab es deutlich mehr Unfälle auf den Straßen des Kreises Kleve. Die Zahl der Toten sank zwar, dafür ist die der Schwerverletzten drastisch gestiegen. Auch mehr Fahrerfluchten und verletzte Kinder gab es.

Auf den Straßen im Kreis unterwegs zu sein, ist gefährlicher als im Durchschnitt Nordrhein-Westfalens. Das ist eines der Ergebnisse der Verkehrsunfallstatistik, die Polizei und Landrat gestern vorgestellt haben. Pro 100.000 Einwohner verunglückten vergangenes Jahr im Kreis 484 Menschen, in NRW sind es nur 435. Und: Während die Zahl landesweit sinkt, ist sie im Kleverland um mehr als fünf Prozent gestiegen. "Von uns geht der Appell an die Bürger aus, sich möglichst vorsichtig auf den Straßen zu verhalten", sagte Landrat Wolfgang Spreen. Insgesamt krachte es 9097 Mal im Kreis Kleve, das sind 271 Unfälle mehr als im Jahr 2016.

Fast alle Kennziffern haben sich im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert. Auf einem Feld aber ist eine Verbesserung zu vermelden, und die ist elementar: 19 Verkehrstote hat es 2017 auf den Straßen des Kreises gegeben. Im Jahr davor waren es noch 24. Der Trend der vergangenen Jahre, dass die Zahl seit dem Tiefststand 2012 (13 Tote) stetig bergauf kletterte, konnte somit gestoppt werden. "Die Senkung dieser Zahl ist mir ein persönliches Anliegen", sagte Spreen. Man müsse sich deutlich vor Augen führen, dass hinter jeder ein persönliches Schicksal steckt. So wie das der 19-jährigen Kim Hollands, die im vergangenen Jahr bei einem Verkehrsunfall auf der Klever Straße starb. Viele hatten Anteil an dem Fall genommen, der Unfallfahrer ist vor wenigen Tagen zu mehr als drei Jahren Haft verurteilt worden.

Oftmals, erklärte Frank Wietharn, Leiter der Direktion Verkehr bei der Kreis Klever Polizei, entscheidet nur der Zufall, ob ein Unfall tödlich ausgehe - oder ob die Beteiligten schwer verletzt gerettet werden können. "Da spielt die Technik der Autos eine Rolle, manchmal aber auch nur der Umstand, ob am Wegesrand ein Baum stand oder nicht", sagt er. Die Zahl der Schwerverletzten ist im Jahresvergleich drastisch gestiegen. Waren es im Jahr 2016 noch 285, wurden zuletzt 330 gezählt. Das sind 45 Menschen mehr - oder 15,8 Prozent. "Man könnte auch sagen: Wenn es kracht, dann richtig", meinte Landrat Spreen. Das hängt auch mit der Situation im Kreis zusammen: Viele Landstraßen bedeuten hohe Geschwindigkeiten - und die führen zu erheblichen Schäden an Fahrzeug und Fahrer.

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Die besonders schweren Unfälle werden regelmäßig von der Unfallkommission ausgewertet, in der neben der Polizei unter anderem auch der Kreis Kleve sitzt. Dort werde bei jedem Einzelfall überprüft, ob eine verkehrliche Änderung zu einer Entschärfung des Unfallrisikos führen könne, betonte Landrat Spreen gestern.

"Ziel der Polizei ist in erster Linie, die Verkehrsunfälle mit besonders schweren Folgen auch durch Senkung des Geschwindigkeitsniveaus und durch Steigerung der Aufmerksamkeit im Straßenverkehr zu reduzieren", sagte Polizeidirektionsleiter Frank Wietharn. "Das soll durch präventive wie repressive Maßnahmen erreicht werden." Aufklärung und Kontrolle also. Die Zahl der Leichtverletzten stieg im vergangenen Jahr von 1110 auf 1152, die der verunglückten Kinder von 111 auf 126. Und auch die Zahl der Fahrerfluchten hat um fast 14 Prozent zugenommen - von 1568 auf 1786. In 117 Fällen sind Menschen geflohen, obwohl andere Verkehrsteilnehmer verletzt waren.

Ein besonderes Anliegen der Polizei ist der Schutz der sogenannten schwachen Verkehrsteilnehmer, wie gestern betont wurde - ganz unabhängig davon, wer Schuld am Unfall hatte. So sind Radfahrer erneut überdurchschnittlich häufig unter den Verunglückten zu finden. Auch hier ist die Zahl der Getöteten zurückgegangen - von sechs auf drei. Dafür ist die Zahl der schwer verletzten Fahrer von 57 auf 90 deutlich gestiegen. Insgesamt waren 418 (370) Radfahrer an Unfällen beteiligt - mehr als ein Viertel aller Verunglückten sind damit auf zwei Rädern unterwegs. "Unser Ziel ist, Fahrradfahrer nicht nur vor Unfällen zu schützen, sondern sie als gleichwertige Verkehrsteilnehmer zu integrieren", sagte Wietharn. Das gelte für ihre Rechte, besonders aber auch für ihre Pflichten. "Davon unabhängig sind Ablenkungen, etwa durchs Handy, beim Fahrradfahren genauso zu vermeiden wie im Auto", sagt Wietharn. Die Polizei rät außerdem dazu, einen Fahrradhelm zu tragen und auf die Sichtbarkeit im Straßenverkehr zu achten - gerade bei den hohen Geschwindigkeiten, die E-Bikes erreichen. So hat die Polizei seit vergangenem Juni 15 Fahr- und Sicherheitstrainings für E-Bikes angeboten. 128 Bürger nahmen daran teil. Das Programm wolle man in diesem Jahr noch einmal ausbauen. "Wir hatten sogar schon eine Anfrage, ob ein Fünftklässler mit einem Pedelec zur Schule kommen darf", sagt der Polizist. Rechtlich sei das zwar erlaubt. "Wir haben aber davon abgeraten."

(lukra)