Hückeswagen: EvB-Leiter verabschiedet sich mit Theater

Hückeswagen: EvB-Leiter verabschiedet sich mit Theater

In seiner zweiten Inszenierung bringt der scheidende Schulleiter des Wipperfürther EvB-Gymnasiums, Werner Kronenberg, zusammen mit Schülern und Lehrern am Wochenende Yasmina Rezas Stück "Der Gott des Gemetzels" auf die Bühne.

Die Bühne in der Aula des Engelbert-vom-Berg-Gymnasiums (EvB) in Wipperfürth, Schule vieler Hückeswagener Gymnasiasten, steht bereits. Auch die Dekoration ist darauf bereits verteilt - inklusive eines Straußes Tulpen, der im Verlauf des Theaterabends noch eine "fliegende" Rolle spielen wird. Die Proben für Yasmina Rezas bitterböses Kammerstück "Der Gott des Gemetzels", das am Freitagabend seine Premiere feiern wird, sind im vollen Gange. Es ist Schulleiter Werner Kronenbergs nach Patrick Süßkinds "Der Kontrabass" zweite - und gleichzeitig letzte - Inszenierung am EvB. Denn zum Schuljahresende geht er in den Ruhestand.

Schon beim Probenbesuch wird klar, dass er sich mit einem echten Paukenschlag verabschieden will. Bei dem aufgeführten Stück handelt es sich um eine Gemeinschaftsproduktion von Schülern, Lehrern - und Hausmeister Thomas Esser. "Die vier Rollen sind auf Erwachsene ausgelegt, daher werden sie von den Lehrkräften Carmen Ziegler, Nadja Biermeyer und Tobias Schmidt übernommen. Dazu kommt noch unser Hausmeister Thomas Esser", sagt Kronenberg am Rande einer der letzten Proben vor der Premiere.

Seit September beschäftigen sich acht Schüler des Literatur-Kurses in der Q1 mit dem Kammerstück um zwei Ehepaare, deren Söhne sich in der Schule geprügelt haben. Man trifft sich, um die Angelegenheit aus der Welt zu schaffen. Doch nach und nach fallen die Masken der bürgerlichen Werte und Gepflogenheiten. Die Fehler, Schwachpunkte und Makel der vier Protagonisten werden offenbart und genüsslich seziert, bis schließlich der "Gott des Gemetzels" Gericht hält und sich alles in der finalen, großen Eskalation auflöst.

"Die Schüler haben sich um alles rund ums Stück gekümmert - etwa um die Plakate, die Eintrittskarten. Und sie haben die Ideen entwickelt, die ich dann in die Inszenierung habe einfließen lassen", sagt Kronenberg. Dem Schulleiter und Theaterregisseur gefällt an Rezas Stück vor allem, dass es "ein echtes Paradestück" für vier Schauspieler ist. "Ich kann ja in der Schule kein Drei-Stunden-Epos inszenieren", sagt er.

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Um die Schüler aus dem Literaturkursus ebenfalls auf die Bühne zu bringen, habe er noch einen Prolog und einen Epilog geschrieben, sagt Kronenberg: "Im Prolog bauen die Schüler die Bühne quasi auf - sie ist zu Beginn noch leer." Im Epilog kommen dann die Hamster, die während des Stücks eine wichtige Rolle spielen, zurück und suchen die in ihrem Streit erstarrten Erwachsenen endgültig heim.

Die Idee dazu sei auch von den Schülern gekommen, wie Cheyenne Rimpel sagt. Die 17-Jährige ist im Literatur-Kursus: "Wir haben das Stück gelesen und dann eine Ideenwerkstatt auf die Beine gestellt. Es ist cool, zu sehen, was aus unseren Ideen geworden ist." Ihre Mitschülerin Jenny Johnen ergänzt: "Wir haben jetzt wirklich lange darauf hingearbeitet, das Stück auf die Bühne zu bringen." Zusammen mit den Lehrern hätten sie geprobt und zugesehen, was noch verbessert werden könnte, sagt die 17-Jährige.

Aileen Ogorevc, ebenfalls 17, findet besonders interessant, ihre Lehrer einmal nicht im gewohnten Umfeld des Unterrichts zu erleben: "Das war eine ganz andere Ebene, auf der wir uns einander auch ganz anders kennenlernen konnten." Einig sind sich alle drei zudem in einer weiteren Tatsache: "Uns geht ganz schön die Düse vor der Premiere", sagen sie - und lachen.

(wow)