1. NRW
  2. Städte
  3. Hilden

Hilden: Amtsstuben werden multikulturell

Hilden : Amtsstuben werden multikulturell

Die Hildener Stadtverwaltung beschäftigt Zuwanderer und Ausländer aus elf Nationen, die 14 Sprachen sprechen.

Beim Integrationsgipfel der Bundesregierung forderte die Türkische Gemeinde in Deutschland mehr Chancen für Zuwanderer im öffentlichen Dienst. In der Hildener Stadtverwaltung ist das gelebte Praxis. Das Rathaus beschäftigt 894 Mitarbeiter. 30 davon sind Ausländer aus elf Nationen, etwa 88 haben ausländische Wurzeln, berichtet Dorothee Arnold, Hauptamts-Leiterin . Im Rathaus werden 14 Sprachen gesprochen, darunter Chinesisch, Serbisch, Rumänisch, Marokkanisch, Portugiesisch oder Niederländisch. Bei Bedarf kann auch in Gebärdensprache gedolmetscht werden.

Die Verwaltung begrüßt die Bewerbung von Zuwanderern, will ihren Anteil erhöhen, erläutert Arnold. Leichter als deutsche Bewerber haben sie es allerdings nicht. Die Ausbildung bei der Stadt ist begehrt, auf einen Ausbildungsplatz kommen rund 20 Bewerber. Die Hürden sind hoch. Neben guten Schulnoten müssen die Bewerber ein Auswahlverfahren mit Drei-Tage-Praktikum meistern.

Betül Culluoglu hat das geschafft. Zwei Jahre suchte sie einen Ausbildungsplatz, schrieb über 100 Bewerbungen. Dann erhielt sie eine Lehrstelle bei der Stadt Hilden. Im vergangenen Jahr schloss die 24-jährige Verwaltungsfachangestellte ihre Ausbildung erfolgreich ab und arbeitet seit einem Jahr im Bürgerbüro. Dort ist sie unter anderem für Namensänderungen und Einbürgerungen zuständig. "Türkische oder marokkanische Kunden freuen sich immer, wenn sie auf mich treffen", erzählt die Deutsche mit türkischem Namen: "Sie sagen: Schön, dass eine von uns hier arbeitet." Culluoglu ist zweisprachig aufgewachsen: "Meine Eltern sprachen gut Deutsch." Die junge Frau ist die Erste in der Familie, die im öffentlichen Dienst arbeitet: "Mein Vater, meine Tanten, meine ganze Familie — alle sind stolz auf mich."

  • Hilden : Stadtverwaltung Hilden sucht Auszubildende
  • Ein leeres Abstrichröhrchen zur Analyse des
    Corona-Zahlen am Samstag : Inzidenz noch einmal leicht angestiegen
  • Experten sagen, nur verstärktes Impfen und
    Corona-Krise in Hilden und Haan : Impfen ohne Termin in der Adventszeit

Engin Alparslan hat im öffentlichen Dienst Karriere gemacht. Der 45-Jährige ist seit 1. Oktober Technischer Beigeordneter in Haan, leitete davor das Liegenschaftsamt des Kreises Mettmann. Alparslan ist in Düsseldorf geboren und aufgewachsen — mit türkischem Pass. Den tauschte der Diplom-Bauingenieur vor 17 Jahren gegen einen deutschen: "18 Monate Wehrdienst an der syrischen Grenze erschienen mir nicht so erstrebenswert." In der Familie (drei Kinder) ist er der einzige, der Türkisch spricht. Die Hürden für Zuwanderer sind in Deutschland nicht so hoch, findet Alparslan — "wenn man sich integriert": "Es gibt aber auch viele ausländische Mitbürger, die sich mit der Integration schwer tun."

Auch die Kreisverwaltung will mehr Migranten einstellen. "Diese Mitarbeiter bringen interkulturelle Kompetenzen mit und sind ein Gewinn für die Kunden und die Kollegen", erläutert Rainer Krause, Leiter des Kreisintegrationszentrums. Wie viele Zuwanderer die Kreisverwaltung (1350 Mitarbeiter) beschäftigt, kann die Pressestelle nicht sagen. Das werde nicht erhoben. Bei der Einstellung sei die Qualifikation entscheidend.

Das Land hat im Januar 1400 Kommissaranwärter vereidigt. Etwa zehn bis 15 Prozent haben ausländische Wurzeln, schätzt Polizeihauptkommissar Marten Harms, Einstellungsberater der Kreispolizei Mettmann. Eine Statistik dazu gebe es nicht. Etwa 80 der 800 Beamten im Kreis hätten einen Migrationshintergrund: "Wir sind eine multikulturelle Gesellschaft. Deshalb benötigen wir auch Polizisten mit einem entsprechenden Hintergrund." Einen deutschen Pass brauchen Bewerber für den Polizeidienst seit 1997 nicht mehr. Bewerber von außerhalb der EU müssten allerdings zwingend ihre Muttersprache beherrschen, erläutert Harms: "Das zwingt viele türkische Bewerber die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen, weil sie nicht gut genug Türkisch sprechen."

(RP)