Grevenbroich: Grevenbroich soll fahrradfreundlich werden

Grevenbroich: Grevenbroich soll fahrradfreundlich werden

Die Stadt will zur Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Kommunen gehören. Es gibt aber noch viel zu tun.

Im vergangenen Jahr hat es noch nicht geklappt, doch 2018 will die Stadt in den Kreis der "Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW" (AGFS) aufgenommen werden - rund 80 Kommunen sind bereits dabei. Vor diesem Schritt steht in diesem Jahr erst einmal eine Bereisung unter anderem mit Vertretern des Landesverkehrsministeriums, der AGFS und des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) an. Nach dem Antrag der Stadt im Herbst 2016 war dieser Termin 2017 nicht zustande gekommen.

Ist die Stadt vor diesem Besuch fit für das Zertifikat "Fahrradfreundlich"? "Politik und Verwaltung fördern den Fahrradverkehr, aber das Bewusstsein dafür muss noch stärker werden", erklärt Wolfgang Pleschka, Vorsitzender des ADFC Grevenbroich. Mit der Aufnahme in die AGFS sei eine "Gleichwertigkeit des Fußgänger- und Radverkehrs mit dem Autoverkehr" verbunden, eine Abkehr von einer "autozentrierten Verkehrspolitik".

Schlecht sei die Stimmung und die Zufriedenheit der Radler mit den Rahmenbedingungen in der Stadt nicht. Pleschka verweist auf den bundesweiten Fahrrad-Klimatest. "In der Gesamtbewertung erreichte Grevenbroich im Kreis den dritten Platz hinter Dormagen und Kaarst. Bundesweit kam die Stadt auf Platz 30 von 98 Teilnehmerstädten zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern - wir liegen damit im vorderen Drittel", sagt Pleschka. 239 Grevenbroicher nahmen teil. "Gelobt wurde unter anderem die gute Erreichbarkeit des Zentrums, zudem macht Radfahren hier Spaß", erklärt der ADFC-Vorsitzende. Negativ bewertet worden seien etwa das geringe Angebot an öffentlichen Leihrädern und "wenig attraktive Radmitnahmemöglichkeiten" in Bahn und Bus. "Versuchen Sie mal, in Gustorf ein Fahrrad in den Zug zu bekommen", sagt Pleschka. Die niedrige Bahnsteighöhe verhindert dort einen niveaugleichen Einstieg.

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Ein Kritikpunkt des ADFC: "Es ist auffällig, dass viele Autos auf den Radwegen parken - unter anderem Auslieferungsfahrzeuge. Sie blockieren damit den Weg für Radler. Das kann man nicht hinnehmen." Eine Möglichkeit dagegen biete die App "Wegeheld": "Nutzer fotografieren Falschparker. Die Bilder werden ohne Kennzeichen ins Netz gestellt, gehen aber mit Kennzeichen ans Ordnungsamt, das dann reagieren muss. Das wird schon in mehreren Städten praktiziert."

Ein anderes Problem: Laut Wolfgang Pleschka können Poller, die Autos abhalten sollen, eine Gefahr für Radler sein. Auch versetzte Gitter an Fußwegen seien ein Hindernis. "Mit einem Rollator oder einem Fahrradanhänger für Kinder kann man dort leicht hängenbleiben", lenkt der ADFC-Vorsitzende den Blick auf Hürden, die für Autofahrern oft gar nicht ersichtlich sind.

Als ein Zeichen dafür, das in vielen Köpfen noch das Auto das vorherrschende Verkehrsmittel ist, nenn Pleschka die Diskussion um die neuen Tempo-30-Zonen an Hauptstraßen. Öfter sei gefordert worden, die Geschwindigkeitsreduzierung zugunsten des Autos wieder "abzumildern". "Wir sollten lieber darüber nachdenken, flächendeckend Tempo 30 in den Orten - wie in der Südstadt - einzuführen, mit Ausnahme der großen Zubringerstraßen." Die Argumentation von Pleschka: Für umfassenden Radwegeausbau fehle es an Geld und häufig auch an Platz. "Bei großflächiger Einführung von Tempo 30 aber machen wir die Straße sicherer für Radfahrer, so dass sie sich die Fahrbahn mit Autos teilen können."

(NGZ)