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Wesel: ADFC bemängelt "Schildbürgerstreiche"

Wesel : ADFC bemängelt "Schildbürgerstreiche"

In der fahrradfreundlichen Stadt Wesel gibt es noch vieles für Radler zu verbessern. Diese Meinung vertritt jedenfalls der ADFC - und hat bei einer Rundtour gezeigt, wo es in der Kreisstadt Probleme und gefährliche Ecken gibt.

Zwar ist Wesel seit 1995 stolzes Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen und wurde 2006 auch mit dem Deutschen-Fahrradpreis "best-for-bike" ausgezeichnet (Stichwort Lippefähre). Doch heißt das nicht, dass in Wesel für Radler paradiesische Zustände herrschen. Nach Überzeugung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) gibt es in Wesel nach wie vor vieles, was Radlern das Leben schwer macht. Bei einer gut zehn Kilometer langen Rundtour haben der ADFC-Vize-Vorsitzende Peter Koslitz und das aktive Mitglied Marlies Neuhaus unserer Redaktion gezeigt, wo es Probleme und gefährliche Ecken gibt und was aus ihrer Sicht dagegen getan werden könnte.

Ganz schön gefährlich: Radler, die auf der Straße Am Blaufuß nach links abbiegen wollen, werden von Autofahrern leicht übersehen. Ein Spiegel könnte helfen. Doch den wolle die Stadt nicht, heißt es. Foto: Klaus Nikolei

Die Tour beginnt am Kreishaus und führt über den Deich Richtung Auestation. Auf der Straße In der Aue stoppt Peter Koslitz sein Rad und zeigt auf das Schild Durchfahrt verboten. "Das ist völliger Quatsch", sagt der 63-jährige Rentner. "Dieses Schild gehört hier nicht hin. Denn es gilt auch für Radfahrer. Eigentlich müsste hier ein Zusatzschild ,Radfahrer frei' hin." Für ihn unverständlich, dass auf der anderen Seite, wenn man von der Feldmark auf den Auesee-Rundweg fährt, kein Verbotsschild steht. "Hier muss etwas getan werden", sagt Peter Koslitz.

Eigentlich müssten alle Radfahrer, die vom Berliner Tor in Richtung Bahnhof unterwegs sind, an dieser Stelle nach rechts abbiegen. Doch das tut keiner, weil es einen - illegalen - Angebotsstreifen gibt. Foto: Klaus Nikolei

Weiter geht's Richtung Feldmark, wo er und Marlies Neuhaus auf der Hamminkelner Landstraße Richtung Blumenkamp unterwegs sind und bewusst nicht auf den rot gepflasterten Teil des Bürgersteigs ausweichen. "Denn es gibt da keine Benutzungspflicht", sagt die 69-Jährige. "Außerdem geht es um die Sicherheit. Viele Autofahrer, die aus Seitenstraßen oder Hauseinfahrten kommen, beachten einen nicht." Dass sich Autofahrer provoziert fühlen, wenn Radler auf der Straße unterwegs sind, wo es doch einen Radweg gibt, ist dem Duo bewusst. Deshalb wundern sich die beiden auch nicht, dass der Fahrer eines Kleintransporters sie wutschnaubend überholt und beleidigt. "Das kennen wir schon. Ich rege mich darüber auch nicht mehr auf", sagt Peter Koslitz. Dann muss er bremsen, weil auf dem Angebotsstreifen (zwei gestrichelte Linien auf der Straße) ein Wagen des städtischen Betriebes ASG steht. "Das passiert häufiger", sagt Marlies Neuhaus.

Autofahrer, so wie hier der ASG auf der Hamminkelner Landstraße in der Feldmark, sollten nach Ansicht des ADFC nicht auf Angebotsstreifen stehen. Foto: Klaus Nikolei

Kurz vor der Unterführung Richtung Blumenkamp dann der nächste Stopp. In Höhe der Jan-Joest-Straße ist das blaue Schild "Gemeinsamer Geh- und Radweg" zu sehen, das dem Radler vorschreibt, dass er auf dem Weg fahren muss. "Das ist auch richtig so", sagt Peter Koslitz. Was er bemängelt ist, dass auf der anderen Seite der Unterführung dieses Schild fehlt - "ein echter Schildbürgerstreich halt".

Über den Mühlenweg und den Hessenweg geht's durchs Hanseviertel zur Straße Am Blaufuß. Für die beiden ADFC-Leute befindet sich hier in einer Kurve unweit der Firma Gartenbau Wesser eine äußerst gefährliche Stelle. Denn Radler, die in Fahrtrichtung Nordstraße unterwegs sind und nach links in Richtung Färberskamp einbiegen wollen, können nicht sehen, ob ein Auto kommt oder nicht. "Da gehört eigentlich ein Spiegel hin", sagt Peter Koslitz. Diesen Vorschlag habe er auch schon persönlich beim Ordnungsamt vorgetragen. Allerdings erfolglos. "Man hat mir dort erklärt, dass dies wegen zu hoher Kosten nicht gehe. Auf meine Frage, warum das an anderen Stellen denn möglich sei, hieß es nur: ,Die Leute haben wohl mit der Bürgermeisterin einen Kaffee getrunken'. Vielleicht sollte ich das auch mal tun", sagt er.

Zum Abschluss geht's zum Bahnhof. Genauer gesagt zur Bismarckstraße. Wer vom Berliner Tor kommend mit dem Rat Richtung Bahnhof fahren will, der fährt unmittelbar vor der großen Kreuzung Kaiserring/Franz-Etzel-Platz über einen rötlich markierten Angebotsstreifen. Und natürlich wird er von allen Zweiradfahrern auch angenommen. Dabei ist dieser Streifen illegal - sagt jedenfalls der ADFC-Vize und hat sich seine Auffassung auch noch von der Polizei bestätigen lassen. Denn: "Hier gibt es ein Schild mit einem Pfeil, der nach rechts zeigt. Das heißt: Hier müssen alle Verkehrsteilnehmer nach rechts abbiegen - natürlich auch Radler." Es fehle also ein Zusatzschild "Radfahrer geradeaus frei", sagt Peter Koslitz. "Die Stadt hat hier einfach nicht das geltende Gesetz umgesetzt." Insgeheim hoffen er und Mitstreiterin Marlies Neuhaus, dass der eine oder andere Verkehrspolitiker der Ratsfraktionen den ADFC-Mängelbericht zum Anlass nimmt, aktiv zu werden. "Vielleicht meldet sich ja auch die Bürgermeisterin bei mir und lädt mich zu einem Kaffee ein", sagt er und lacht. "Hauptsache, die Situation für Radfahrer verbessert sich so schnell wie möglich."

(RP)