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Grevenbroich: Baby-Uhu zurück im Nest

Grevenbroich : Baby-Uhu zurück im Nest

Ein aus dem Nest gefallener Jung-Uhu ist wieder mit seiner Mutter vereint. Bis dass es zur "Familienzusammenführung" kam, musste das kleine Tier im Schneckenhaus aufgepäppelt werden.

Es war ein Ballonfahrer, der eine Eulenfamilie in Angst und Schrecken versetzte. Als sein knallbuntes Luftschiff über einer Kiesgrube in der Nähe von Bergheim absank, kam er einer Uhu-Nistmulde gefährlich nahe. Die Eulenmutter flüchtete in Panik, eines ihrer drei Jungen stürzte dabei aus dem Nest.

Normalerweise wäre dies das Todesurteil für den kleinen Vogel gewesen – wenn nicht Rolf Thiemann aus Bedburg in der Nähe gewesen wäre. Der Naturfreund hatte die dramatischen Szenen zufällig mit seinem Feldstecher beobachtet und nahm sich des kleinen Vogels an. Er brachte ihn in die Auffangstation in Grevenbroich.

Das Schneckenhaus-Team um Norbert Wolf kümmerte sich um den flauschigen, gerade aus dem Ei geschlüpften Vogel – und das mit Erfolg: "Wir haben ihn zehn Tage lang richtig aufgepäppelt, so dass er sein Gewicht nahezu verdoppeln konnte", erklärt der städtische Umweltbeauftragte.

Von Anfang an war Wolf klar, dass der kleine Uhu kein Dauergast in den Aufzucht-Volieren sein wird: "Wir wollten ihn so schnell wie möglich wieder in die Freiheit entlassen, um eine Fehlprägung zu vermeiden. Denn sind junge Greifvögel nicht unter Artgenossen, glauben sie recht schnell, ein Mensch zu sein", erklärt er.

Um den mittlerweile 120 Gramm schweren Jung-Uhu wieder auszuwildern, wagte das Schneckenhaus-Team ein bislang einzigartiges Experiment. Mit Unterstützung von Stefan Brücher, Vorsitzender der bundesweit aktiven "Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen", wurde das Tier wieder zurück in sein Nest gesetzt. "Wir haben gewartet, bis dass der Altvogel ausgeflogen war. Als er weg war, haben wir das Junge klammheimlich wieder ins Nest gelegt", so Wolf.

Gespannt warteten die Tierfreunde darauf, ob ihr Versuch gelingen würde. "Irgendwann kam das Muttertier wieder zurück und setzte sich auf seine dreiköpfige Brut – so als ob nichts gewesen wäre", freut sich Norbert Wolf. Für ihn entscheidend: "Die jungen Vögel werden dazu beitragen, dass sich die Uhu-Population in unserer Region wieder stabilisiert."

Uhu-Brut im Braunkohleflöz

Die großen Greifvögel galten in den 1960er und -70er Jahren bundesweit als nahezu ausgerottet. "Mit Hilfe von aufwendigen Wiederansiedlungs-Programmen ist es gelungen, dass sich der Uhu-Bestand positiv entwickelt hat", berichtet Wolf.

In der Eifel habe der Vogel derart Fuß gefasst, dass dort die Nahrungs- und Brutreviere schon knapp würden. "Die Eule weicht daher jetzt in auch in unsere Region aus", erklärt Wolf. In der Nähe von Grevenbroich sind zwei Brutstätten bekannt: Beide liegen im Tagebau Garzweiler, eine sogar inmitten eines Kohleflözes.

(NGZ)