Goch: Nicht noch eine Halle

Goch: Nicht noch eine Halle

Liebfrauen umfunktionieren zu einem Veranstaltungsraum – der von vielen Kämpfern um den Erhalt des Gebäudes favorisierte Plan findet nicht nur Zustimmung. Kernpunkt: die Frage, ob sich die Stadt Goch so etwas leisten kann.

Sicher – es wäre schön, räumen viele Gocher ein, die Liebfrauenkirche als Ganzes zu erhalten, äußerlich so gut wie unverändert zu lassen, den Raum für Veranstaltungen wie Konzerte und Versammlungen zu nutzen. 85 Prozent der RP-Leser sprachen sich bei der Umfrage für ein solches Modell aus, etwa ebenso viele dafür, dass die Orgel erhalten bleiben soll.

Wohnbebauung – sonst nichts

Pläne, ein Altenheim in bzw. am Gebäude zu errichten, sind ganz geräuschlos vom Tisch befördert worden. Mit dem Beschluss, einen Bebauungsplan für das Gebiet aufzustellen, machte der Stadtrat vor kurzem unter anderem klar: Um die Kirche herum gibt es nur Wohnbebauung, und deswegen soll dort auch nur Wohnbebauung entstehen – auf den jetzigen Freiflächen.

Dr. Georg Kersting (er machte sich bei der Liebfrauen-Pfarrversammlung mit Generalvikar Dr. Norbert Kleyboldt stark dafür, die Kirche zumindest noch eine Weile geöffnet zu lassen) bringt die Bedenken auf den Punkt, die zur Zeit offenkundig viele Entscheidungsträger in Goch haben.

"Nur weil das konzeptionell und zeitgeschichtlich interessante und gut erhaltene Kirchengebäude freigestellt wurde, bedeutet das für mich nicht, dass es von der Stadt als Veranstaltungszentrum übernommen werden muss. Es stellt mit Sicherheit eine gewaltige finanzielle Belastung dar: durch Kauf (oder Tausch?), Umbauten, Einrichtung und vor allem die dauernden Folgelasten. Diese Übernahme durch die öffentliche Hand lässt sich nur rechtfertigen, wenn ein echter Bedarf an wirklich intensiver Nutzung erkennbar und realistisch ist. Die bisher von engagierten Bürgern erstellten Konzepte sind in der Theorie einsichtig und lassen vieles in dem Projekt wünschenswert erscheinen. Aber besteht in einer Gemeinde von der Größe Gochs wirklich eine echte Notwendigkeit? An den Erhalt oder das Wiederaufleben des alten Liebfrauen-Gemeinschafts-Gefühls glaube ich nicht, da die hierfür grundlegende und gewachsene Kirchenstruktur fehlt." Dr. Kerstings Fazit: "Ich stelle einen echten und dringenden Bedarf an zusätzlichen Versammlungsräumen sehr in Frage. Wir haben das großzügige Kastell, den VHS-Saal, das Museums-Foyer und unterschiedliche Räumlichkeiten in den Pfarrheimen und Dorfgemeinschaften, die schöne Aula der Gaesdonck sowie Vereinslokale und Gaststätten, die auch die oft erwünschte gastronomische Betreuung anbieten. Glauben die Befürworter einer städtischen Übernahme, dass sich durch ein Mehrangebot an Räumen wesentlich mehr Menschen aufmachen, um über das jetzige Maß hinaus Konzerte, Vorträge oder Kleinkunstveranstaltungen zu besuchen? Beispiele aus Nachbar- und Großstädten ernüchtern: Selbst bei großen Theatern, Tonhallen und Opern bleiben zunehmend mehr Plätze frei, und die Defizite steigen."

Nicht zu Lasten anderer Häuser

"Außerdem: Die neuen Raumangebote könnten zu Lasten der alten, nicht immer ausgelasteten Versammlungsorte führen", so Kersting. Daher sehe er "als Steuerbürger keinen zwingenden Grund, dass sich die Stadt ein solch gewaltiges Projekt aufbürdet. Vielmehr sollten alle Anstrengungen darauf zielen, die vorhandenen Strukturen wie zum Beispiel VHS-Zentrum zu durchforsten und zu stärken".

(RP)