Erkelenz: Senioren reisen zurück in die 1950er Jahre

Erkelenz : Senioren reisen zurück in die 1950er Jahre

Für Bewohner und Gäste veranstaltete das Hermann-Josef-Altenheim einen Kinoabend im Zeichen der 50er Jahre.

Das Hermann-Josef-Altenheim lud seine Bewohner und Gäste zum ersten Mal zu einem Open Air Kinoabend ein. Der Veranstaltung vorausging ein gemeinsamer Grillabend im Garten, Sommerfest-Gefühl in geselliger Atmosphäre inklusive, während die Mitarbeiter sicherstellten, dass es den Essenden an Nichts fehlte. Nach dem Grillen wurden die Tische beiseite geräumt und die Stühle umgestellt, um allen eine gute Sicht auf die Leinwand bieten zu können. Auf den Plätzen machte sich Jung und Alt bereit, sich mit einem Zusammenschnitt aus Wochenschau, zeitgemäßer Werbung und "Tom & Jerry" ins Jahr 1955 "entführen" zu lassen - ein Jahr, das der Großteil der Bewohner selbst miterlebt hat.

Kurz vor Beginn der heutzutage außergewöhnlichen Vorstellung verbreitete die hauseigene Popcornmaschine ihren süßlichen Wohlgeruch. Während das Popcorn in kleinen Tüten herumgegeben wurde, warteten gerade die älteren Herrschaften gespannt auf das Anwerfen der historischen Kinomaschine von Rüdiger Frummet - einer Sonolux 2 der Firma Bauer aus dem Jahre 1939 - die bereits kurz darauf mit dem charakteristischen Knattern und Rattern zum Leben erwachte. In dem politischen Teil der Wochenschau "Blick in die Welt" wurde Konrad Adenauers Moskaureise im September 1955 behandelt, während derer er die Freilassung der letzten deutschen Kriegsgefangenen erwirkte. Nach einem kurzen Werbeschnitt mit dem bekannten HB-Männchen und der Ankündigung eines Mäusezirkus folgte eine Sportwochenschau, die über die damals aktuellen Erfolge im Alpinsport, beim CHIO, in Leichtathletik, Formel 1, Radrennsport und Fußball berichtete. Den humoristischen Abschluss bildeten zwei Folgen "Tom & Jerry". Zum Ende der Vorstellung spendeten die Zuschauer viel Applaus - Ursula Hönigs, Leiterin des Hermann-Josef-Altenheims, sprach Frummet ihren Dank aus, der den technisch Interessierten der Runde sogleich noch einen genauen Blick auf die große Kinorolle gewährte.

Die Idee geht zurück auf Rüdiger Frummet, der leidenschaftlich und akribisch Erinnerungsstücke aus diesem Jahrzehnt sammelt und pflegt und dem Altenheim gerne als technischer Berater zur Seite steht. Er erzählte Ursula Hönigs und dem stellvertretenden Leiter Thomas Windeck von den Aktualitätenkinos (AKIs), die in den Fünfzigerjahren ihre Blütezeit durchlebten, bevor sie mit der weiteren Verbreitung des Fernsehers ihre Bedeutung verloren und nach und nach den "schmuddeligen" Ruf erlangten. Die kleinen Kinos in Bahnhöfen oder Bahnhofsnähe spielten unter dem Motto "In 50 Minuten um die Welt" einen fast einstündigen Zusammenschnitt von Nachrichten und Kulturfilmen in Dauerschleife, der vornehmlich den Reisenden für ein kleines Geld die Wartezeit versüßen sollte.

Nach Frummets Ausführungen haben sie das Konzept unbedingt einmal ausprobieren wollen, erklärte Hönigs und berichtete außerdem, dass sie in der Woche zuvor die Lichtverhältnisse geprüft hatten - aus Rücksicht auf die Bewohner fand die Kinovorführung am frühen Abend statt. "Einerseits kann dieses Angebot bei unseren Bewohnern schöne Erinnerungen wachrufen, aber wir denken auch, dass die Mitarbeiter so ein größeres Verständnis für das Leben dieser Menschen erhalten", führte Hönigs aus. Sie und ihre Kollegen sind stolz auf den erfolgreichen Verlauf des Abends: "Die Bewohner freuen sich, wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten", sagte Thomas Windeck.

(kasc)