Lokalsport: Beim FCR wächst die Zuversicht

Lokalsport: Beim FCR wächst die Zuversicht

Der Frauenfußball-Bundesligist kann die Saison wohl zu Ende spielen, muss aber eine Deckungslücke von 250 000 Euro schließen.

Die Anhänger des finanziell in Not geratenen Frauenfußball-Bundesligisten FCR 2001 Duisburg dürfen vorerst erleichtert aufatmen. Nachdem der Klub am 23. Januar beim Duisburger Amtsgericht Insolvenz beantragte, war lange unklar, ob der Traditionsverein den Spielbetrieb würde fortführen können. Mit öffentlichen Aussagen zu den genauen Modalitäten der Insolvenz hielten sich die Verantwortlichen lange zurück. Nun gab der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmte Dr. Andreas Röpke vorerst Entwarnung. "Der FCR wird die laufende Saison zu Ende spielen können", erklärte Röpke für den Fall, dass alle Sponsoren ihre bisherigen Zusagen einhielten. Das Finanzkonstrukt des FCR Duisburg steht somit weiterhin auf wackeligen Beinen, die Lage bleibt prekär. Deswegen wird weiterhin auch nach Einsparpotenzialen gesucht. Diese sollen aber nicht den Jugendbereich betreffen. Klarheit besteht inzwischen bezüglich der zu schließenden Deckungslücke. Erstmals benannte der Verein offiziell die fehlende Summe von insgesamt 250 000 Euro.

Nachdem der weitere Spielbetrieb auch durch die notwendige Kaderreduzierung und die damit verbundenen Abgänge von Kozue Ando, Nicole Banecki und Elli Reed kurzfristig gesichert ist, müssen nun die "Altlasten" getilgt werden. Ein erster Erfolg konnte bereits verbucht werden. Dem Verein wurde ein sechsstelliger Betrag in Aussicht gestellt. Die Transaktion sei jedoch an verschiedene Bedingungen geknüpft. Details dazu wollte aber keiner der Vereinsverantwortlichen nennen. Bekannt wurde ausschließlich, dass es sich bei den besagten Bedingungen nicht um sportliche Belange handle. Ob die Summe ein Darlehen oder ein fester Geldbetrag ist, wurde ebenso nicht weiter erläutert.

Als absolute Grundlage für den weiteren wirtschaftlichen Erfolg gilt derweil der Klassenerhalt. "Für einen Zweitligisten ändern sich auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Das würde die Situation ungleich erschweren", machte Röpke im Hinblick auf dann fehlende Einnahmen im Sponsoringbereich unmissverständlich klar. Nur auf der Grundlage des sportlichen Erfolges könne der Verein den professionellen Frauenfußball im Duisburger Süden langfristig auf ein gesundes Fundament stellen. Der Verein muss dazu vor allem neue Sponsorenfelder erschließen. Neben den vorhandenen städtischen Geldgebern sehen die Verantwortlichen deshalb vor, vermehrt private Investoren anzusprechen. Ein zu starkes Abhägigkeitsverhältnis zur angeschlagenen lokalen Wirtschaft soll dadurch überwunden werden. Ferner sei eine weitere Zielsetzung, die Insolvenz möglichst bis zum 30. Juni des laufenden Jahres abzuwenden. "Das ist mein Wunsch", verdeutlichte Röpke und erklärte: "Gespräche mit Sponsoren für die kommende Spielzeit sollen außerhalb eines möglichen Insolvenzverfahrens geführt werden, um ein attraktives Investment bieten zu können."

Vom Deutschen-Fußball-Bund (DFB) habe es unterdessen positive Signale gegeben. "Der gestellte Insolvenzantrag hat keine Auswirkung auf die Lizenzierung zur kommenden Spielzeit", verdeutlicht der Dr. Gregor Reiter, Rechtsanwalt des FCR. Das nächste wichtige Datum für den Klub ist der 15. März. Bis dahin muss der Zulassungsantrag für die kommende Saison beim DFB eingereicht werden. Erst zur übernächsten Saison gelten im Lizenzierungsverfahren für die erste Bundesliga finanzielle Restriktionen – vergleichbar mit denen der Männer. Eine langfristige Entspannung der Finanz-Situation ist auch deswegen zwingend erforderlich. Um diese zu erreichen, werden verschiedene Modelle geprüft.

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Unter anderem habe der Bezirks-Bürgermeister Dietmar Elias Vertreter der großen im Süden ansässigen Vereine zu einem "Runden Tisch" zusammengerufen, um gemeinsame Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Der Politiker möchte die Vereine zum Austausch anregen. Gemeinsam, so ist es angedacht, soll in naher Zukunft der Sportpark Duisburg Süd als Marke profiliert werden.

Eine mögliche und zuletzt öffentlich diskutierte Fusion der FCR-Frauen mit dem MSV Duisburg ist wohl vorerst kein Teil der Zukunftsplanungen. "Fusionsgespräche hat es bis jetzt nicht gegeben", versicherte der Vorstandsvorsitzende des FCR Duisburg, Thomas Hückels, der sich gleichsam über die große Unterstützung aus dem Umfeld freut. Mit den Bundesligakonkurrenten aus Essen, Potsdam und Frankfurt haben bereits namhafte Vereine ihre Hilfe angeboten. Ein Benefizspiel gegen den Top-Klub 1.FFC Frankfurt sei bereits geplant, ein Termin für das Aufeinandertreffen stehe aber bisher noch nicht fest.

Neben den eigenen Fans, die ihrer Mannschaft ihre uneingeschränkte Unterstützung zukommen lassen, gibt es weitere Hilfsangebote aus dem städtischen Umfeld. So wird auch der Duisburger Comedian Markus Krebs die Löwinnen mit einem Auftritt, bei dem er zu Gunsten des FCR auf seine Gage verzichtet, unterstützten.

Über den Worst-Case, dass das bisher schwebende Insolvenzverfahren vor dem Saisonende eröffnet wird, möchte beim FCR derzeit niemand nachdenken. Der direkte Abstieg in die zweiten Frauenfußball-Bundesliga wäre die unweigerliche Folge. "Das Ende wäre dann völlig offen", erklärte Insolvenzverwalter Dr. Andreas Röpke.

(RP)
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