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Duisburg testet das "Open-Library"-Konzept in Stadtteilbibliotheken

Erheblicher Personalmangel : Duisburger Bibliotheken bleiben immer häufiger geschlossen

Die Stadtbibliothek hat beim Land NRW einen Antrag auf Projektförderung gestellt, um Ausleihzeiten auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten zu ermöglichen. Viele Stadtteilbüchereien sind wegen Personalmangel geschlossen.

„Diese Bibliothek bleibt heute geschlossen. Wir danken für ihr Verständnis!“ Was noch am vergangenen Freitag an der Tür der Stadtteilbibliothek Wanheimerort an der Düsseldorfer Straße zu lesen war, ist kein Einzelfall: Auch die Bibliotheken in Ruhrort, Vierlinden, Rumeln-Kaldenhausen, Neumühl, Beeck, an der Gesamtschule Süd und die Fahrbibliothek standen den Nutzern zuletzt tageweise nicht zur Verfügung. Auch in dieser Woche werden wieder einige Bibliotheksnutzer vor verschlossenen Türen stehen. Zur Begründung erklärte die Stadt auf Anfrage, es gebe gleich mehrere Krankheitsfälle bei der Stadtbibliothek.

Das ist sicher richtig. Richtig ist aber auch, dass immerhin 15 von 130 Stellen bei der Bibliothek nicht besetzt sind (siehe Box). Die personelle Situation wird sich auch erst nach und nach verbessern: „Bei den Stellen für Diplom-Bibliothekare und Fachangestellte für Medien und Informationsdienste können die Vakanzen erst durch fertige Azubis beziehungsweise Studienabsolventen geschlossen werden“, teilte Stadtsprecherin Gabi Priem mit.

Wie es auch anders gehen kann, demonstrieren beispielsweise die Städte Kamp-Linfort und Moers. Sie setzen auf das „Open-Library“-Konzept, also ein System der offenen Bücherei. Das ermöglicht die Ausleihe auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten zu nutzen – allerdings ohne Unterstützung durch das Bibliothekspersonal. Das funktioniert so: Mit dem Büchereiausweis lässt sich die Tür öffnen, die Verbuchung der Medien erfolgt ohnehin jetzt auch schon an vielen Stellen an Selbstbucher-Terminals.

Um Vandalismus und Diebstähle zu verhindern, sind zum Beispiel im Hanns-Dieter-Hüsch-Haus an der Wilhelm-Schroeder-Straße in Moers, dem Standort der dortigen Zentralbibliothek, insgesamt 13 Überwachungskameras auf allen Etagen installiert, die das Geschehen überwachen und filmen. Passiert nichts Irreguläres, werden die Aufnahmen nach 72 Stunden automatisch wieder gelöscht. Wer die Bücherei außerhalb der normalen Öffnungszeiten benutzen will, braucht einen Leseausweis und muss mindestens 16 Jahre alt sein. Kinder und Jugendliche kommen dann nur in Begleitung eines Erwachsenen hinein. In Moers konnten durch dieses Konzept die Öffnungszeiten von 35 auf 69 Stunden pro Woche erweitert werden. „Open Library“ gibt es dort – außer montags – an allen Wochentagen und auch sonntags bis 22 Uhr. In Kamp-Lintfort und Moers ist bislang über negative Erfahrungen dabei noch nichts bekannt geworden.

Best Practice Kamp-Lintfort: Christoph Müllmann und Leonie Bruckes am Türöffnungsautomaten der Stadt Kamp-Lintfort. Dort läuft das Konzept der „Open Library“ bereits seit 2018. Foto: Dieker, Klaus (kdi)

In Duisburg hat die Stadt jetzt einen Antrag auf Projektförderung gestellt, um in zwei Stadtteilbibliotheken das System zu testen. Wenn diese Projektphase, die im zweiten Halbjahr 2020 beginnen soll, am Ende erfolgreich verlief, sollen nach Möglichkeit alle Bibliotheken in Duisburg als „Open Libraries“ eingerichtet werden.