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Pendlertest in Duisburg: Mit dem Fahrrad oder zu Fuß zur Arbeit

Pendler-Test in Duisburg : Mit dem Rad oder zu Fuß - wie lange dauert’s zur Arbeit?

Nachdem wir in der vergangenen Woche die Unterschiede zwischen Bahn- und Autofahrt untersucht haben, geht es heute um emissionsfreie Varianten. Wie läuft das Radfahren? Und kann man von der Stadtgrenze auch ins Büro laufen?

Was wir heute vorhaben, ist zugegebenermaßen schon ein bisschen verrückt. Nachdem wir in der vergagenen Woche im großen Pendlertest die Unterschiede zwischen Auto- und Bahnfahrt aus dem Süden beziehungsweise dem Westen der Stadt in die Innenstadt beschrieben haben, geht es heute um die emmissionsfreien Varianten. Wie läuft die Tour mit dem Fahrrad? Und kann man aus Rumeln beziehungsweise Rahm auch in die Innenstadt laufen? Unsere Redakteure haben den Test gemacht.

Mit dem Rad aus Rahm in die City

Die Strecke Start der Radtour aus dem Duisburger Süden ist die Straße zur Kaffeehött im Westen Rahms. Die Strecke führt mich über das Gewerbegebiet Großenbaum am Realmarkt und am Golfplatz vorbei zum Sittardsberg. Von dort aus geht es immer geradeaus über die Düsseldorfer Landstraße und die Düsseldorfer Straße entlang in Richtung Innenstadt. Mein Rekord liegt bei grüner (Ampel-)Welle und zügigem Tempo bei knapp 35 Minuten. Fahrzeiten zwischen 40- und 45 Minuten sind je nach Verkehr-, Wetter- und Ampelphasen aber normal.

Der Spaßfaktor Das Fahrerlebnis ist zugegebenermaßen temperatur- und wetterabhängig. An lauen Sommer- und Frühlingstagen macht die morgendliche Radtour Spaß, im Winter ist sie häufig so lästig, dass ich doch eher auf Auto oder Bahnfahren setze. Der erste Teil der Strecke führt mich über Nebenstraßen und kombinierte Fuß- und Radwege abseits der Straßen bis zum Sittardsberg. Von dort aus geht es über befestigte Radwege an der Straße bis in die Stadtmitte. Die Radwege entlang der Strecke sind gut ausgebaut, zum Teil aber in überholungsbedürftigem Zustand. In Wanheimerort wird derzeit viel gebaut. Deshalb muss man hier häufig, Fußgängern ausweichen, die sich während der Bauzeit einen kombinierten Fuß- und Radweg mit den Zweiradfahrern teilen. Unsicher fühle ich mich auf dem Rad allerdings zu keiner Zeit. Das letzte Teilstück Düsseldorfer Straße zwischen Kremerstraße und Friedrich-Wilhelm-Allee ist angesichts fehlender Radwege das bei weitem unangenehmste. Vom Berufsverkehr merke ich als Radler aber auch hier so gut wie nichts. Stehen muss ich nur an roten Ampeln. Im Vergleich zur Autofahrt ist das sehr angenehm für das Nervenkostüm.

Die Kosten Der Unterhalt des Fahrrads, alle paar Jahre mal ein neuer Schlauch und ein neuer Mantel für den Reifen. Die Fahrt kostet bis auf ein bisschen Kraft natürlich nichts.

Das Fazit Die knapp zwölf Kilometer lange Strecke ist für einen normal fitten Erwachsenen als Arbeitsweg gut zu bewältigen. Wenn man ordentlich in die Pedale tritt und die Tour als tägliches Workout begreift, gibt sie einem nach der Ankunft ein gleich doppelt gutes Gefühl. Wie alles, was unter freiem Himmel stattfindet, macht natürlich das Wetter viel aus. Im Winter macht die Fahrt deutlich weniger Spaß. Ich kann an dieser Stelle aber eine klare Empfehlung für die Sommermonate aussprechen. Wer in der City arbeitet, für den kann eine tägliche Radtour aus dem Duisburger Süden eine echte Alternative sein.

Zu Fuß aus Rahm in die City

Die Strecke Die Strecke ist diesselbe wie die, die ich mit dem Rad zurückgelegt habe. Es geht über das Gewerbegebiet Großenbaum, den Golfplatz und den Sittardsberg die Düsseldorfer Landstraße entlang in Richtung Innenstadt. Die gesamte Tour ist etwa zwölf Kilometer lang.

Der Spaßfaktor Im Gegensatz zu dem Kollegen, der die Strecke von der City nach Rumeln joggend zurückgelegt hat, habe ich für den Testlauf einen Spaziergang in echter Schrittgeschwindigkeit unternommen. Das ist zugegebenermaßen etwas unrealistisch, weil es wohl niemanden geben wird, der freiwillig einen Zwölf-Kilometer-Spaziergang zu seinem Arbeitsplatz unternimmt, aber wir wollten Ihnen trotzdem von dieser Art zur Arbeit zu kommen berichten.

Laut Google soll ich für die Strecke etwa 2 1/2 Stunden brauchen. Die ersten Kilometer gehen auch noch relativ leicht von der Hand. Bis etwa Höhe Buchholz habe ich am Fußmarsch sogar noch richtig viel Freude. Ich habe gute Musik auf den Ohren, außerdem kriege ich viel von meiner Umwelt mit, das ich normalerweise nicht so wahrnehme, wenn die Welt auf der anderen Seite des Auto- oder Bahnfensters draußen an mir vorbeirauscht. Ich spreche hier von Dingen wie schön gepflegten Vorgärten, aber auch von Zwischenmenschlichem wie Begrüßungen in Blumenläden oder einer jüngeren Frau, die einer älteren Dame über die Straße hilft. Irgendwo zwischen Buchholz und Wanheimerort fängt die Tour dann aber so langsam an, lästig zu werden. Es macht weniger Spaß, und ich schaue ständig auf die Uhr. In Höhe des Polizeipräsidiums funktionieren meine Beine dann schließlich nur noch. Allerdings bin ich deutlich schneller als geplant. Als ich an der Redaktion ankomme, stoppt die Uhr bei knapp unter zwei Stunden. Ich bin  – wie man sich denken kann – einigermaßen gerädert.

Die Kosten Mein Paar Schuhe und meine dicke Jacke kann man sicherlich nicht zu den Kosten zählen. Deshalb genau null Euro. Günstiger geht nicht.

Das Fazit Laufen geht, macht aber zumindest im Schritttempo nur wenig Sinn. Außerdem ist hier das Wetter wohl noch wichtiger als beim Radfahren. Wer allerdings joggen will und sich zwölf Kilometer zutraut, für den kann auch der Arbeitsweg per Pedes eine Alternative sein – eine Dusche im Büro vorausgesetzt.

Mit dem Rad aus Rumeln in die City

Die Strecke Die Kette ist ab, die Schaltung hakelt, der Lenker wackelt: Bevor es los geht, muss also erst ein wenig geschraubt werden. Dann in den Sattel, zweimal abbiegen, und schon geht es die Bergheimer Straße entlang, zwischen der Tegge und dem Toeppersee. Dann einmal links und einmal rechts und den Kreuzacker entlang, am Johanniter-Krankenhaus vorbei bis zur Moerser Straße. Der Radweg am Kreuzacker macht seinem Namen alle Ehre: Hier werde ich anfangs auf der Buckelpiste ordentlich durchgeschüttelt. Auf der Moerser Straße geht’s zügig weiter bis zur Brücke der Solidarität, wo ein stetiger Westwind mich ordentlich anschiebt. Auf dem Rückweg habe ich dann allerdings ein wenig zu kämpfen. Der Rest geht fix: Rudolf-Schock-Straße, Werthauser Straße, Marientor, Steinsche Gasse, Königstraße. Am Ziel angekommen, kommt noch einmal ein Kraftakt auf mich zu: Mein altes Hollandrad schleppe ich bis in den zweiten Stock. Es – auch angeschlossen – auf der Straße stehen zu lassen, will ich nicht riskieren. Das habe ich schon einmal gemacht, und abends war es nicht mehr fahrtüchtig. Alles in allem liegt die Fahrtzeit bei knapp zehn Kilometern bei etwa 40 Minuten.

Der Spaßfaktor Radfahren kann auch in Duisburg durchaus angenehm sein. Innerstädtisch fühle ich mich nicht unsicher, außerorts macht mir allerdings der Zustand der Straßen und Wege zu schaffen. Da wird man schon mal ordentlich durchgeschüttelt, ein gut gefederter Sattel und ein dickes Reifenprofil sind vorteilhaft.

Die Kosten Mein 25 Jahre alles Hollandrad hat schon viel mitgemacht, die Unterhaltskosten halten sich aber in Grenzen. Ab und an ist aber ein neuer Schlauch vonnöten

Das Fazit Bei schönem Wetter absolut empfehlenswert, bei schlechtem mit Einschränkung: Manchmal ist trockene Wechselkleidung im Ziel schon angebracht.

Zu Fuß aus Rumeln in die City

Die Strecke Ich wähle einen ähnlichen Weg wie mit dem Fahrrad. Allerdings bevorzuge ich die sportlichere Variante und jogge die Strecke bis zur Redaktion. Mit guten Laufschuhen und Funktionskleidung ist das kein Problem. Bis zum Johanniter-Krankenhaus bin ich bereits durchgeschwitzt. Dort ändere ich die Route und laufe durch den Volkspark am Wildgehege vorbei, dann auf der Moerser Straße bis zur Brücke der Solidarität. Der morgendliche Berufsverkehr stört mich nicht, der Abstand zur Fahrbahn ist ausreichend. Auf der Rheinbrücke pustet der Wind ordentlich um meine Ohren – das sorgt für klare Gedanken. Am Marientor nehme ich die Abkürzung über den Sonnenwall bis zur Königstraße. Insgesamt brauche ich rund 55 Minuten für die zehn Kilometer. Das schaffe ich bei Volksläufen auch unter 50 Minuten – aber dann muss ich hinterher auch nicht arbeiten.

Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer: RP-Redakteur Mike Michel beim Joggen auf der Bergheimer Straße. Von hier sind es noch gut neun Kilometer bis zur Redaktion. Foto: J. Michel

Der Spaßfaktor Den Weg zur Arbeit mit dem eigenen Fitnessprogramm zu verbinden, das hat schon was. Allerdings ist das nur zu empfehlen, wenn es an der Arbeitsstelle eine Dusche gibt. Ansonsten eignet sich dieser Sport wohl eher für den Rückweg.

Die Kosten Bei den Laufschuhen sollte man nicht sparen, ich brauche gut gedämpfte. Aber die Sportsachen fallen nicht ins Gewicht: Sie hätte ich auch ohne den Pendlertest gehabt.

Das Fazit Zehn Kilometer sind eine machbare Distanz für Hobbyläufer, eignen sich aber auch zum Walken. Ohne Duschen und Wechselkleidung am Ziel geht es aber nicht.