Duisburg: Patrick Süskinds "Der Kontrabass" im Stadttheater

Süskind-Stück im Stadttheater : Einsamer Wutbürger mit Kontrabass

Roland Riebeling brillierte jetzt im Foyer III mit einem Theatermonolog von Patrick Süskind.

„Der Kontrabass“ ist ein Theatermonolog von Patrick Süskind, der seit 1981 landauf, landab gespielt wird. In einer kleinen, komplett schallisolierten Wohnung lebt ein vereinsamter Kontrabassist, Tuttist im Staatsorchester, nur noch der Musik und seinen Hirngespinsten. Er sieht sich als Opfer seines unbewusst gewählten Instruments und ergeht sich in wahnhaften Projektionen. Voller Hass und zugleich Zuneigung lastet er seinem unförmigen Instrument alle erlittenen Lebensmängel an: „Werden Sie intim – er schaut zu. Sie haben immer das Gefühl, er schaut zu, er macht sich lustig, er macht den Akt lächerlich. Aber gut, wenn ich Sie mir so ansehe, haben Sie selbst Ihre Probleme auf diesem Gebiet.“ Zudem zwingen die Klangqualitäten des Instruments, das kaum solistische Möglichkeiten bietet, weitgehend zu orchestralem Hintergrunddasein.

Zum Ausgleich ersinnt der Bassist immer neue musikalische Anschläge: gegen Dirigenten, Aufführungen und vor allem gegen Richard Wagner, dessen Quintolen zu „verschmieren“ ihm heimliche Genugtuung verschafft. Der Kontrabass ist ihm sowohl Lebensinhalt als auch Instrument zum Lebensunterhalt, eifersüchtige Gefährtin und ruinöser Fluch. Ihm bleibt nur der Traum vom zerstörerischen Knalleffekt, der ihn in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit bringt: Bei der bevorstehenden Galapremiere von Wagners „Rheingold“, mit einem italienischen Gast-Star am Dirigentenpult und dem Ministerpräsidenten im Parkett, will er in die Stille vor dem Beginn hinein rufen: „Sarah!“ – gemeint ist eine für ihn unerreichbare junge Sopranistin der Oper, für ihn ist sie „der äußerste Gegensatz zu mir und zum Bass“.

Im ausverkauften Foyer III unterm Dach des Duisburger Theaters am Bass war jetzt Roland Riebeling, der diese Rolle schon im Schülertheater spielte, jetzt im Alter der Bühnenfigur ist („ich werde im August 41, mein Geburtstag ist immer in den Theaterferien“) und sich wie kaum ein anderer Schauspieler damit identifiziert. Er führt tatsächlich sowohl den tiefsten Ton des Instruments vor („das ist mehr eine Reiberei“) als auch den höchsten Flageolett-Ton („theoretisch – praktisch nicht“). Er zeigt, wie sich hinter der freundlichen und gebildeten Fassade ein frustrierter Wutbürger versteckt, dessen Stolz auf das Instrument ebenso groß ist wie der Hass darauf, der Hierarchie und Autorität ebenso verinnerlicht hat wie er dagegen aufbegehrt („nach uns Bässen kommt nur noch die Pauke – wobei bei deren Solostellen jeder aufhorcht“). Das ist jederzeit punktgenau, etwa wenn er nach dem Satz „Prometheus war der mit der Leber“ einen Schluck aus der Bierflasche nimmt.

Weitere Vorstellungen gibt es am Donnerstag, 9. Mai, und am Mittwoch, 19. Juni, jeweils um 19.30 Uhr. Karten zu einheitlich zwölf Euro gibt es per Mail an karten@theater-duisburg.de oder an der Theaterkassen unter der Telefonnummer 0203 28362100.

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