Bistum Essen: Diskussion über neue Geldquellen für die Kirchenarbeit

Geld für kirchliche Arbeit : Alternative Finanzquellen für Kirchenarbeit

120 Haupt- und Ehrenamtliche im Bistum Essen haben bei der „Denkbar“ über Spenden, Geld und neue Netzwerke diskutiert.

Pfarrer Vincent Graw sagte es bei seinem Vortrag zum Thema Fundraising und Drittmittelaquise bei der zehnten „Denkbar“ des Bistums Essen so: Für bedürftige Menschen in weit entfernten Regionen spenden die Menschen gerne, für die eigene Gemeinde sehr selten. Auch fehle der katholischen Kirche der Mut, für die eigenen Aktionen vor Ort um Spenden zu bitten. „Wir sind es gewohnt für die Armen zu betteln, aber nicht für uns; bei besonderen Kollekten für Hilfswerke wirft man auch mal fünf Euro rein, bei der Sonntagskollekte landen dann nur 50 Cent im Klingelbeutel“, so Graw. Aus eigener Initiative machte der Oberhausener Pfarrer eine Ausbildung zum Thema Fundraising, um in seiner Gemeinde nicht immer nur das Sparen zu fokussieren. Graw ist überzeugt: „Fundraising ist Friendraising. Wer Geld sammeln möchte, muss Beziehungsarbeit leisten, Kontakte zu Sponsoren und Spendern knüpfen, aus ihrer Sicht lernen.“

Diese Sicht des Großsponsors, der sein Geld in kirchliche Projekte investiert, präsentiert an diesem Denkbar-Abend Gregor Lipperheide – Vorstand der Düsseldorfer cocus-AG. Als Unternehmer spendet er regelmäßig, ist aber auch im Pfarreientwicklungsprozess seiner Duisburger Gemeinde sehr aktiv. „Es ist wichtig, die eigene Idee schnell und konkret rüberzubringen, um den Sponsor zu überzeugen – direkt beim ersten Mal“, weiß er. „Die Zeiten, in denen gesagt wird ‚ist für die Kirche, für einen guten Zweck‘ - die sind vorbei.“ Sponsoring sei für ihn als Unternehmer eine echte Leidenschaft, müsse Spaß machen. Man müsse voll hinter den Projekten stehen, in die man sein Geld investiert. Lipperheide ist überzeugt: „So können wir in der katholischen Kirche Zukunft gestalten, anstatt dabei zu helfen, Abschiede zu verzögern.“ Auch er fordert die Zuhörer des Abends auf, mutig zu sein, offen nach Spenden für ihre Kirchenprojekte zu fragen. „Ich mache mir Sorgen um unsere Gesellschaft - dass das Christsein vor die Hunde geht. Aber ich bin mir sicher, dass ich nicht der einzige Unternehmer bin, der etwas dagegen tun möchte“, so Lipperheide.

Mut fassen, Ideen für die eigene Kirchenarbeit mitnehmen und mehr über gelungene Beispiele erfahren konnten die Besucher der Denkbar – einer Veranstaltungsreihe des Bistums, die bei jedem Termin eine andere aktuelle Frage in der Arbeit der Kirchengemeinden thematisiert. Mitarbeiter des Bistums Essen, Bankangestellte oder Ehrenamtliche erklärten etwa, welche rechtlichen Hürden und Chancen es bei der Gründung eines Fördervereins gibt, wie spenden einfach und unkompliziert über Onlineplattformen gesammelt werden können oder warum es sinnvoll ist, im eigenen Stadtteil Netzwerke zu gründen.

(RP)
Mehr von RP ONLINE