Unterricht sollte wie ein schwieriges Videospiel sein in Düsseldorf

Lehrer-Kolumne : Unterricht sollte wie ein schwieriges Videospiel sein

Lehrer-Kolumne Lutz Tomala fordert gerne.

Gibt es etwas langweiligeres als Schule? Die Körpersprache mancher Schüler beantwortet diese Frage leider nur zu eindeutig: Mit einer Körperspannung wie ein Weichtier breiten sie sich über Stuhl und Tisch aus, der Kopf fast in die Tischplatte eingesunken. Klar, so richtig spannend ist nicht immer alles in der Schule. Wie soll man es auch schaffen, rund 30 unterschiedliche Menschen für eine Sache zu interessieren? Videospiele haben es da leichter: Setzt man 30 Kinder vor einen Bildschirm und gibt ihnen Controller, werden sie hellwach. Wie kann man so etwas im Unterricht erreichen?

Für mich heißt ein Schlüssel „fordern”. Warum in den Naturwissenschaften nicht mal eine Rechnung einführen, die in Mathe erst im kommenden Jahr drankommt? Können Schüler in der 6. Klasse nicht auch ein ethisches Urteil über soziale Ungleichheit bilden und formulieren? Klingt das nicht alles viel zu abschreckend anstrengend? Schwieriger als ein paar bunte Knöpfe zu drücken? Die oben beschriebenen „Weichtier-Schüler” finden das meiner Erfahrung nach nicht. Kaum werden sie gefordert, wächst ihnen sichtbar ein Skelett: Ruckartig richten sie sich auf, die Gesichtszüge spannen sich und sie nehmen aktiv am Unterricht teil.

Natürlich muss man bei schwierigen Inhalten darauf achten, nicht nur die chronisch unterforderten Schüler zu aktivieren. Was nützt einem ein ehemaliges Weichtier mit Knochen, wenn plötzlich ein Großteil der Kinder überfordert ist? Meine Lösung: lieber ein bisschen über- als unterfordern. Der Vorteil: eine Kompetenz wird besonders gefördert, das Durchhaltevermögen. In meinen Augen sollte Unterricht ein bisschen wie ein schwieriges Videospiel sein, in dem man auch mal mehrere Anläufe benötigt, um den Endgegner zu besiegen. Jetzt muss man sich nur entscheiden, welche Art Videospiel der Unterricht sein soll: Ego-Shooter oder Kooperatives Action Adventure.

Der Autor: Lutz Tomala unterrichtet am Wim-Wenders-Gymnasium unter anderem Biologie.  RP-Foto: Bretz

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