Hellerhof: Hundekind Nikita wird Therapiehund

Hellerhof: Hundekind Nikita wird Therapiehund

Mit ihrer tiergestützen Therapie hilft Silvia Gerbrandt traumatisierten Menschen. Regelmäßig ist sie mit einem Vierbeiner in der Flüchtlingsunterkunft an der Duderstädter Straße zu Gast.

Nikita wühlt im Legokasten, springt und tollt, gibt der kleinen Saphir einen Nasenkuss und lässt sich schwanzwedelnd mit Leckereien aus den kleinen Kinderhänden verwöhnen. Die Boxerhündin ist gerade einmal vier Monate jung und seit ihrer neunten Lebenswoche dabei. In ihrem Übermut ist sie nicht weniger ungestüm als ihre fünf Spielkameraden Anna, Oliver, Saphir, Gadir und Yousef. Alle sind in der Tagespflege "Kreativ" bei Silvia Gerbrandt.

Die Erzieherin und Sozialpädagogin, mit einer Zusatz-Ausbildung für tiergestützte Therapie, hat ein Herz für Menschen und Tiere. Besuche mit ihrem Therapiehund Jasper in der Flüchtlingsunterkunft waren der Impuls für ihre Einrichtung an der Duderstädter Straße.

"Japser hat das von der Pike auf gelernt", sagt Silvia Gerbrandt. Zwei Jahren lang ging sie mit ihm in die benachbarte Hellerhofer Flüchtlingsunterkunft, um traumatisierten Kindern zu helfen. "Einer der kleinen Jungen dort konnte wegen eines Traumas nicht mehr sprechen", erzählt sie. Mit Hilfe von Jasper konnte sie eine Brücke zu dem Jungen bauen und den Jungn bewegen, wieder zu sprechen.

Parallel gibt es Silvia Gerbrandts Tagespflege-Einrichtung Kreativ an der Duderstädter Straße: für Kinder und mit einem freundlichen Vierbeiner als Helfer. Täglich kommen fünf Kinder - deutsche und Flüchtlingskinder. Seit neun Wochen ist Boxerhündin Nikita mittendrin, sie soll in Jaspers Fußstapfen treten. "Sie kommt von einem Züchter aus Niedersachsen. Jasper ist 15 Jahre alt geworden und voriges Jahr gestorben", erklärt Gerbrandt.

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Bisher stelle sich Nikita ganz gut an. Der Höllenlärm, den Kinderhände beim Wühlen in der Lego-Kiste fabrizieren, erschreckt den Vierbeiner nicht. Im Gegenteil, Hundeschnauze und Pfoten sind mitten im Geschehen. Auch mit der robusten, noch etwas tollpatschigen Motorik der ein- bis vierjährigen Kinder hat die Hündin keine Probleme. Streicheln lassen, Leckerlis entgegen nehmen - das klappt alles wunderbar. Aber der kleine Boxer steht gerne im Mittelpunkt und drängt sie sich vor. "Sie muss jetzt lernen, sich zurückzuhalten", sagt Gerbrandt.

Bald wird es ernst für den Vierbeiner. "Nikita geht für zweieinhalb Jahre in eine Ausbildung", erklärt Gerbrandt. Ob der Boxer ein Begleithund wird, behinderte Menschen im Alltag unterstützt oder als tierischer Therapeut helfen wird, werde sich herausstellen. "Ich habe mit meinen Hunden Koma-Patienten, junge Drogenabhängige im Strafvollzug, Kinder und alte Menschen besucht und ihnen geholfen", sagt Silvia Gerbrandt begeistert.

Sie selbst kam bereits als Kleinkind "auf den Hund" und ist erblich belastet. "Ich war gerade zwei Jahre alt, als meine Hündin Bessy mich auf Schritt und Tritt verfolgte", erzählt die gebürtige Ratingerin lachend. Außerdem sei ihr Großvater Ausbilder für Hunde gewesen. "Das hat geprägt", sagt sie lachend.

In der Tagespflege Kreativ gibt es morgens immer Begrüßungsrunden. Erst wenn alle da sind, ist für den kleinen Boxer alles gut." - "Sitz", versucht sich die vierjährige Saphir als Frauchen. Nikita steht vor ihr und stubst gegen die kleine Hand mit der Leckerei. Zwischendurch schaut auch Perser-Kater Fritz herein, der ist nämlich hier zu und Hause streichelerprobt - aber nicht so ausdauernd wie Nikita.

(RP)