Flughafen Düsseldorf: Russischer Riesenjet holt schwere Fracht

Flughafen Düsseldorf : Russischer Riesenjet holt schwere Fracht

Eigentlich wurde die Iljuschin Il 76 gebaut, um im Kalten Krieg sowjetische Panzer und Geschütze an jeden Ort des Riesenreichs zu transportieren. Jetzt war sie zu Gast am Düsseldorfer Flughafen, um eine Dampftrommel zu holen.

Sie ist der Jet für die ganz schweren Dinge: Die Iljuschin Il 76. Am Dienstag war der exotische Flieger Gast auf dem Düsseldorfer Airport. Ihr Auftrag: Eine riesige Dampftrommel von Düsseldorf auf dem Luftweg nach Kuwait zu bringen.

Das Stahlteil wiegt mehr als 30 Tonnen oder anders gesagt so viel wie 30 Kleinwagen. Solche Schwergewichte werden üblicherweise auf dem Seeweg transportiert. Doch die Kunden aus Kuwait hatten es eilig - mit dem Schiff bräuchte die Dampftrommel mindestens mehrere Wochen.

Die Beladung des russischen Jets läuft anders ab als bei herkömmlichen Maschinen. Langsam zieht die Seilwinde den 30 Tonnen schweren Zylinder auf einer Stahlkonstruktion in den Bauch der Maschine. Stück für Stück rückt die riesige Dampftrommel auf Schienen in den Laderaum des vierstrahligen Frachtflugzeugs.

Zwei 50 Tonnen-Krane waren notwendig, um das schwere Frachtteil von der Pritsche des Lkw auf eine spezielle Stahlkonstruktion zu heben. Foto: Andreas Wiese

Zwei 50 Tonnen-Krane waren zuvor notwendig, um das schwere Frachtteil von der Pritsche des Sattelschleppers auf die spezielle Stahlkonstruktion zu heben. Die notwendige Laderampe, auf der die Trommel vor der russischen Transportmaschine stand, wurde von den Mitarbeitern der Flughafen Düsseldorf Cargo GmbH aufgebaut.

Nach vier Stunden war die Schwerstarbeit am Frachtzentrum des Düsseldorfer Flughafens erfolgreich beendet. Der Transport des mehr als zehn Meter langen Bauteils von Düsseldorf nach Kuwait in der leistungsstarken Iljuschin wurde von der russischen Frachtfluggesellschaft Volga Dnepr Airlines durchgeführt. Organisiert wurde die Aktion von der Spedition Panalpina Welttransport.

Entwickelt wurde die Iljuschin bereits zu Sowjetzeiten. Die UdSSR brauchte Ende der 1960er Jahre ein neues Flugzeug zum Transport großer Lasten wie etwa Panzern und Geschützen. Die Maschine sollte mindestens 40 Tonnen Nutzlast transportieren können und das über eine Strecke von rund 5000 Kilometern.

1967 gab der Ministerrat des kommunistischen Landes den Auftrag an die staatseigene Firma Iljuschin und dessen Chefkonstrukteur Genrich Nowoshilow. Bereits 1970 gab es einen ersten Prototypen, der am 25. März 1971 zum ersten Mal vom Flughafen Chodinka abhob.

Im Mai desselben Jahres wurde das Lastflugzeug beim Pariser Aerosalon auch der westlichen Öffentlichkeit vorgestellt. Die Nato-Militärs gaben ihr den Codenamen Candid. Gut 400 Maschinen wurden an die sowjetische Luftwaffe geliefert, weitere 120 an die russische Fluggesellschaft Aeroflot. Wie viele davon heute noch im Dienst sind, ist unklar.

In den 1970er Jahren feierten die russischen Ingenieure zahlreiche Weltrekorde mit der Iljuschin 76. Beispielsweise wurde erstmals eine Last von 70 Tonnen in zwölf Kilometer Höhe gebracht. Wie in den Zeiten des Kalten Krieges üblich, lieferten die Sowjets auch Maschinen an die Luftwaffen des Warschauer Paktes und nach Kuba, Syrien und China. Die Iljuschin Il 76 ist für die rauen Klimaverhältnisse Russlands ausgelegt und kann bei Temperaturen von minus 70 Grad Celsius genauso starten wie bei plus 40 Grad.

Die Fluggesellschaft Volga Dnepr betreibt laut ihrer Internetseite fünf Maschinen dieses Typs. In unregelmäßigen Abständen fliegen diese auch Düsseldorf an, meist um schwere Lasten nordrhein-westfälischer Industrieunternehmen zu transportieren.

Besonders für die Plane-Spotter, deren Hobby es ist, seltene Flugzeuge zu fotografieren, war die Landung der Iljuschin am vergangenen Dienstag ein herausragendes Ereignis. Denn wann der Riesenvogel wieder nach Düsseldorf kommt, ist noch unbekannt.

(RP)