Ernst Pieper hält einen Vortrag über das Leben der Rosa Luxemburg

Vortrag zum Buch „Rosa Luxemburg. Ein Leben“ : Vortrag über das Leben der Rosa Luxemburg

Wenn Rosa Luxemburg sich Gehör verschaffen wollte, kletterte sie einfach auf einen Stuhl. Sie musste sich zu Beginn ihrer politischen Karriere 1893 in einer Welt behaupten, die noch ganz von Männern dominiert war.

Dazu war sie nur 1,46 Meter groß. Mit dem Werdegang der engagierten Frau, vor allem in den Jahren vor der Novemberrevolution 1918, beschäftigt sich Ernst Piper in seiner 832 Seiten starken Biografie. Im Gerhart-Hauptmann-Haus stellte der Historiker von der Universität Potsdam das Buch jetzt vor.

Darin beschreibt er nicht nur das Wirken der in Ostpolen geborenen Jüdin während der Revolutionszeit, wie es gerade bei Gedenkfeiern anlässlich ihrer Ermordung am 15. Januar 1919 häufig geschieht. Piper hatte zeitgenössische Fotografien mitgebracht und berichtete im freien Vortrag anschaulich aus dem Werdegang der „Rozalia Luksenburg“. Schon zu Gymnasialzeiten engagierte sie sich politisch – und erregte Missfallen. Wegen ihrer Tätigkeit bei der marxistischen Gruppe „Proletariat“ versagte ihr die Schulleitung trotz exzellenter Noten die Goldmedaille für herausragende Leistungen. Nach ihrem Studium in Zürich ging sie nach Deutschland, wo sie sich für die SPD engagierte, in die sie als Frau damals nicht einmal eintreten durfte. Doch daneben förderte Ernst Piper auch Charakterzüge zutage, die nicht zum gewohnten Bild der Revolutionärin passen: Laut eines Selbstzeugnisses habe sie ihr Dienstmädchen so gedrillt, dass in der Wohnung kein Staubkörnchen zu finden gewesen sei. Hausangestellte zu beschäftigen, sei für sozialistische Politiker jener Zeit jedoch nichts Außergewöhnliches gewesen, so Piper.

Luxemburgs Verständnis von Revolution als Lernprozess hält der Historiker für spannend bis heute: Bei ihr steht das Subjekt im Vordergrund, das selbst aktiv werden muss, um die Welt zu verändern und dabei Fehler machen darf. Ein Gast erkundigte sich im Anschluss des Vortrags, wie Luxemburg ihren Lebensunterhalt verdiente. „Sie konnte vom Schreiben für die SPD-Zeitungen ganz gut leben“, antwortete Piper. Und wenn sie anschreiben musste, hätten Parteifreunde die Rechnung für sie beglichen.

Der Vortrag gehörte zum Begleitprogramm der Ausstellung „‘Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen.‘ Lebenswege jüdischer Palästina-Auswanderer aus dem östlichen Europa“, die noch bis zum 28. Februar im Gerhart-Hauptmann-Haus zu sehen ist.

Info „Rosa Luxemburg. Ein Leben“, Karl Blessing Verlag, 832 Seiten, 32 Euro.

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