Bier fließt in Strömen: Hausbrauereien legen zu

Bier fließt in Strömen : Hausbrauereien legen zu

Während Marktführer Diebels Probleme hat, seine großen Produktionsmengen abzusetzen, verzeichnen die Düsseldorfer Hausbrauereien Zuwächse. Ihr Erfolgsrezept: Enge Kundenbindung und starker Heimatbezug.

Fast alle Düsseldorfer Hausbrauereien haben im vergangenen Jahr mehr Bier ausgeschenkt als noch 2008. Die Brauereien Füchschen an der Ratinger Straße sowie Zum Schlüssel, Bolkerstraße, steigerten ihre Volumen um etwa zehn Prozent — Füchschen auf knapp 30 000 Hektoliter, Schlüssel auf 20 000. Schumacher, der größte städtische Vertreter der Zunft, hatte bei 33 000 Hektolitern zumindest keine Einbußen zu beklagen.

Die guten Zahlen sind dabei alles andere als selbstverständlich. Denn der allgemeine Bierkonsum in Deutschland ist 2009 wieder einmal gesunken — im Durchschnitt um 2,8 Prozent, wie eine Statistik des Deutschen Brauer-Bunds zeigt. Dabei greifen gerade beim Alt immer weniger Biertrinker zum Glas, wie Statistiken des Verbandes Rheinisch-Westfälischer Brauereien verdeutlichen (siehe Infokasten)

Qualität und Tradition

"Alt-Bier hat es schwer", bestätigt Uerige-Baas Michael Schnitzler, der seine Brauerei mit 20 000 Hektolitern aber stabil halten konnte. "Unser Ergebnis ist vor diesem Hintergrund nicht schlecht."

Und während die großen Bierkonzerne versuchen, mit exotischen Rezepturen und Mix-Getränken gegen die Flaute vorzugehen, setzen die inhabergeführten Düsseldorfer Firmen auf bewährte Qualität und ihre Wurzeln im Düsseldorfer Gaststätten-Viertel.

"Jetzt bekommen wir all das zurück, was wir für Werbung, unsere Veranstaltungen und die Kirmes investiert haben", freut sich Füchschen-Chef Peter König und hat ein Luxusproblem: "Wir haben in diesem Jahr an unserer Kapazitätsgrenze gearbeitet. Das bedeutet: Mehr Füchschen lässt sich derzeit nicht brauen, bevor die neue Abfüllanlage in Betrieb genommen wird." Laut König plant die Brauerei auch ein neues Sudhaus; damit rechnet der Füchschen-Chef aber erst in einigen Jahren. Es ist vor allem ihr positives Image, dass den Düsseldorfer Brauereien zu Gute kommt. Sie versuchen, Heimatverbundenheit zu zeigen. So lässt etwa die Hausbrauerei Zum Schlüssel ihre Gerste ab diesem Jahr von einem Bauer aus der Region anbauen, um damit die Kunden stärker zu binden.

Das funktioniert in Düsseldorf gut, dementsprechend steigen die Umsätze. Allerdings sind die Kapazitäten der Hausbrauereien begrenzt, die Produktion kann die Grenze von je 50 000 Hektolitern kaum überschreiten. Ganz anders sehen die Zahlen der großen Marktführer aus: Diebels produziert rund 450 000 Hektoliter, Frankenheim 250 000 Hektoliter und Schlösser etwa 200 000 Hektoliter. Offizielle Daten über Absatzzahlen werden von den Unternehmen nicht preisgegeben. Zuwächse verzeichnet vor allem das Flaschenbier — dort herrscht ein harter Preiskampf, der die Gewinnmargen drückt.

Den großen Brauereien fällt es immer schwerer, die großen Produktionsmengen abzusetzen, das zeigen Daten des Verbandes Rheinisch-Westfälischer Brauereien: Eine interne Statistik zeigt einen knapp zehnprozentigen Verlust beim Gesamtausstoß von Altbier im Vergleich von 2009 zu 2008 für Düsseldorf und den linken Niederrhein. Die Hausbrauereien trifft das nicht — der Preis von 1,70 Euro für 0,25 Liter Altbier bleibt daher stabil.

(RP)