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Issum: Brauerei Diebels steht vor dem Verkauf

Brauerei aus Issum : Diebels steht vor dem Verkauf

Ein deutscher Finanzinvestor soll Diebels übernehmen. 215 Beschäftige arbeiten in der Brauerei in Issum. Der Betriebsrat geht nicht von Personaleinsparungen aus.

Von einem "Maulkorb" sprach Thomas Engelsiepen, Betriebsratsvorsitzender bei Diebels in Issum, am Montag. Nur, dass im Laufe der Woche etwas passieren werde, wollte er verraten. Es geht um den Besitzerwechsel bei der Traditionsbrauerei vom Niederrhein. Angeblich hat der Bierkonzern AB Inbev Diebels, ebenso wie Hasseröder aus Wernigerode, nach monatelangen Verhandlungen an einen deutschen Finanzinvestor verkauft. Entsprechende Presseberichte wollte das Unternehmen Montag nicht bestätigen.

Laut dem Betriebsratsvorsitzenden ist noch nichts endgültig, auch sollten zunächst die Mitarbeiter informiert werden. 215 Beschäftigte arbeiten in der Brauerei im Issumer Ortskern. Deren Stimmung beschrieb Engelsiepen als gut. Er geht nach dem Verkauf nicht von Personaleinsparungen aus. Und für die Marke sei es allemal besser. "Inbev hat für die Marke Diebels nicht all zu viel getan", bewertet der Betriebsratsvorsitzende das Engagement des jetzigen Besitzers für die Positionierung des Altbiers am Markt. Persönlich seien die Beschäftigten freilich gut gefahren. "Wir haben immer pünktlich unser Geld bekommen."

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Issum Bürgermeister Clemens Brüx sagte, er wisse "gar nichts", außer das, was in den öffentlichen Netzwerken kursiere. Und das ist, dass es noch diese Woche ein offizielles Statement geben solle. Er habe schon öfters mit der Pressesprecherin in Bremen telefoniert, aber bisher auch nicht mehr erfahren. Die Brauerei Diebels ist nicht nur aus dem Ortsbild der Gemeinde nicht wegzudenken, sie bringt auch Geld. Die Brauerei zahle, auch wenn sie längst zu einer belgischen Unternehmensgruppe gehört, "anteilmäßig Gewerbesteuer", erklärte der Bürgermeister. Allerdings sei es vermutlich weniger als zu dem Zeitpunkt, als Diebels noch in privater Hand war.

Diebels kann auf eine 140-jährige Firmengeschichte zurückblicken. Die Brauerei wurde 1878 vom Krefelder Braumeister Josef Diebels in Issum gegründet. Die Spezialisierung auf Altbier erfolgte in den 1970er Jahren. Anfang der 1980er Jahre erreichte die Produktion den Wert von einer Million Hektolitern jährlich, stieg letztlich auf 1,6 Millionen Hektoliter Altbier im Jahr 2001. Der Absatz sank dann stetig auf knapp 350.000 Hektoliter im Jahr 2016. Auch der Marktanteil von Altbier insgesamt ging zurück.

Die Brauerei erweiterte ihr Sortiment. Diebels alkoholfrei wurde 1987 eingeführt. 1992 folgte Diebels light, acht Jahre später Diebels Dimix, eine Mischung aus Altbier und Cola. Zwischenzeitlich gab es auch wieder ein Pils und das höherprozentige Plato. Im Sommer 2001 wurde die bis dahin private Brauerei von der Interbrew-Gruppe für umgerechnet 100 Millionen Euro aufgekauft. Nach kurzer Zugehörigkeit zur Bremer Brauerei Beck & Co. wurden die Vertriebsaktivitäten aller Brauereien der InBev-Gruppe in Deutschland 2003 in der Interbrew Deutschland Vertriebs GmbH & Co KG zusammengeführt. Laut Internetseite von Inbev ist Diebels mit einem Marktanteil von mehr als 50 Prozent Marktführer bei Altbier.

Gerüchte über einen Verkauf von Diebels kursieren seit gut einem halben Jahr. Verhandlungen bestätigte Pressesprecherin Claudia Hauschild auch am Montag wieder. Anheuser-Busch InBev Deutschland habe sich mit einer begrenzten Anzahl an Interessenten über die Zukunft der Marken Hasseröder und Diebels sowie der dazugehörigen Brauereistandorte in Wernigerode und Issum auseinandergesetzt. Im Dezember seien konkrete Verhandlungen mit einem ausgewählten Interessenten aufgenommen worden. "Der Verkaufsprozess befindet sich seitdem in der finalen Phase. Mögliche Neuigkeiten dazu werden wir zunächst mit unseren Mitarbeitern teilen, bevor wir die Öffentlichkeit informieren."

Hinweis: In einer früheren Version hatten wir in der Einleitung versehentlich geschrieben, dass der Personalrat nicht von Personaleinsparungen ausgeht. Das haben wir korrigiert. Es handelt sich wie im Text erwähnt um den Betriebsrat.