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Und dann heißt es warten...: Ärger um langsame Bauanträge

Und dann heißt es warten... : Ärger um langsame Bauanträge

Hans-Joachim Grunsch will in Bilk 22 Wohnungen bauen. Seit zehn Monaten wartet er auf einen Bescheid zu seinem Bauantrag. Viele Bauherrn und Projektentwickler kritisieren die Dauer bis zum endgültigen Okay der Stadt.

Im Sommer 2008 hatte Hans-Jocachim Grunsch noch allen Grund zur Hoffnung. Bei einem Ortstermin an der Palmenstraße bescheinigten ihm Mitarbeiter des Bauverwaltungsamtes nach eigener Aussage Zustimmung zu seinem Bauprojekt ("Endlich mal was einfach gut Ausgearbeitetes, bei dem alles stimmt"). Der Projektentwickler will im Schatten des Flora-Parks 18 Wohnungen in einem ehemaligen Verwaltungsgebäude revitalisieren.

Jetzt, im Sommer 2009, ist Grunsch nur noch sauer. "Zehn Monate nach dem Bauantrag habe ich immer noch keine Entscheidung. Und dabei fehlen wegen der steigenden Bevölkerungszahl in Düsseldorf jede Menge Wohnungen", kritisiert Grunsch die seiner Ansicht nach viel zu langen Bearbeitungszeiten des Bauaufsichtsamts. Ein Problem drängt: In Düsseldorf fehlen Wohnungen. Im Jahr 2020 werden nach einer Studie des Forschungsinstituts InWIS F&B bis zu 16 000 Wohnungen fehlen, wenn sich das jährliche Baufertigstellungsvolumen nicht steigert.

Das will Grunsch ebenfalls steigern. Den ehemaligen Firmensitz der Imtech aus den 60er Jahren will die G.I.C. Grunsch Immobilien Consulting umbauen, und dort rund 20 Wohnungen auf 2800 Quadratmeter Fläche bauen — dazu 26 Tiefgaragenplätze und ein begrünter Innenhof. "Die Hälfte der Wohnungen könnte ich bereits verkaufen", so Grunsch. Könnte, denn selbst wenn der Bauantrag jetzt positiv beschieden würde, "würden die Wohnungen erst im Frühjahr 2011 bezugsfertig", sagt er.

Die Stadt räumt ein, dass es bei dem Bauantrag kleine Verzögerungen wegen Urlaub und Krankheit von Mitarbeitern gegeben habe. Aber: "Nach Stellung des Bauantrags im September 2008 waren alle Unterlagen erst am 19. März komplett", sagt Stadtsprecher Manfred Blasczyk. Seitens des Bauverwaltungsamtes habe man aber angekündigt, dass der Bauantrag in den nächsten Tagen bewilligt werde.

Grunsch ist nicht der einzige, der die vermeintlich überlangen Bearbeitungszeiten der Stadt kritisiert. Viele Projektentwickler, Bauherren und Makler kennen das Problem — sagen es aber nicht laut, da sie Nachteile bei künftigen Projekten befürchten. Viele Bauanträge dauerten sehr lange. Wenn beispielsweise in Ratingen und anderen Städten der Region eine durchschnittliche Dauer von drei Monaten nach Bauantrag normal sei, müsse man in Düsseldorf nicht selten sechs bis acht Monate auf einen Bescheid warten, sagen Insider.

Oft genug seien Bauanträge dadurch zu beschleunigen, dass man direkt mit wichtigen Politikern oder Verwaltungsleuten spricht. Trotzdem bleiben die "Hausaufgaben". "Jeder Antragssteller sollte auf alle Unterlagen achten, intensiv mit dem Bauamt und den Fachabteilungen sprechen und im direkten Kontakt auch sofort Dinge nachbessern, die noch nicht stimmen", sagt Makler Jens Reich von Anteon Immobilien.

(RP)