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Umzug wegen Platzmangels: Boom bei Düsseldorfer Ökostromhändler

Umzug wegen Platzmangels : Boom bei Düsseldorfer Ökostromhändler

Die Naturstrom AG verlässt die Mindener Straße in Oberbilk. Das Unternehmen zieht zum 1. August nach Düsseltal. Nicht, weil die Baustelle des Gerichtsgebäudes in unmittelbarer Nachbarschaft zu nervenaufreibend geworden wäre. Der Düsseldorfer Ökostromhersteller braucht dringend einen neuen Firmensitz, weil in den alten Büros der Platz fehlt.

Neue Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen, seit im vergangenen Jahr die Zahl der Neukunden in die Höhe schnellte. Inzwischen beziehen deutschlandweit rund 40.000 Haushalte (1000 aus Düsseldorf) ihre Energie von Naturstrom — vor Jahresfrist waren es noch 25.000.

Von der Krise spürt Geschäftsführer Oliver Hummel nichts. Nach neun Jahren Pionierarbeit ist das Thema Klimawandel inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Außerdem spielt die Entwicklung der Öl- und Gas-Preise dem Unternehmen in die Karten. Ökostrom ist nicht mehr nur ein Produkt für Ideologen mit dem nötigen Kleingeld in der Tasche. In den Anfängen musste Naturstrom einen Aufpreis von etwa vier Cent pro Kilowattstunde veranschlagen. "Heute können wir auch preislich mit den konventionellen Stromanbietern konkurrieren", sagt Hummel.

Im April 1998, kurz vor der Liberalisierung des Strommarktes, gründeten Mitglieder von BUND, Nabu und anderen Umweltverbänden die "Naturstrom AG", Hummel stieß knapp fünf Jahre später dazu. Aus Überzeugung. Er bewarb sich bei dem kleinen Ökostromanbieter, dessen Kunde er bereits war, obwohl ihn zuvor sein Karriereweg unter anderem zur Unternehmensberatung Roland Berger geführt hatte. Stets betont Hummel, der bis heute ohne Auto auskommt und in der Freizeit gerne mit Inline-Skates unterwegs ist, wie wichtig ihm der Umweltgedanke war und ist.

Deshalb sieht er es auch mit einer gewissen Skepsis, wenn Zahlen wie diese veröffentlicht werden: Laut einer Studie der Fachzeitung Energie und Management haben im vergangenen Jahr mehr als 2,1 Millionen Privathaushalte und knapp 150.000 Gewerbetriebe Ökostrom geordert. 180 Energieversorger hatten sich an der Umfrage beteiligt. Damit, so die Studie, konnte die Zahl der Ökostrom-Kunden in einem Jahr fast verdoppelt werden. "Das klingt zwar gut, leider ist aber bei vielen dieser Angebote der Umweltnutzen gleich null", sagt Hummel. So würde in der Regel sowieso schon vorhandener Ökostrom — gerne aus Skandinavien — verkauft, aber von den Anbietern nichts unternommen, um erneuerbare Energien auszubauen.

"Die steigende Zahl an Ökostrom-Kunden hilft aber nur dem Klimaschutz, wenn Anlagen gebaut werden, die konventionelle Energien verdrängen." Bei der Naturstrom AG, die 2008 einen Jahresumsatz von zwölf Millionen Euro meldete, fließen 1,25 Euro pro Kilowattstunde in den Neubau von Wind-, Wasser-, Solar und Biomasseanlagen. Etwa 150 konnten in Deutschland mit finanzieller Unterstützung aus Düsseldorf bereits verwirklicht werden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Messe wird zum Kraftwerk

(RP)