Düsseldorf: Mädchen-Banden rauben Senioren aus

Düsseldorf : Mädchen-Banden rauben Senioren aus

Kinder aus Südosteuropa gehen gezielt auf Beutezug. Einer 13-Jährigen werden mehr als 100 Taten angelastet.

Die Masche der Mädchen ist immer gleich. An Geldautomaten stehen sie hinter meist älteren Bankkunden, und sobald diese ihre Geheimzahl eingegeben haben, schubsen die Täterinnen sie zur Seite und tippen einen Geldbetrag ein. Ist das Geld ausgezahlt, rennen sie weg. "Dabei suchen sie sich Opfer, die nicht schnell zu Fuß sind", sagt der Essener Kriminal-Hauptkommissar Martin Kielbassa.

Als die Seniorin ihr Geld aus dem Automaten nehmen will, überrumpeln zwei der drei jungen Frauen die Kundin und entwenden ihr 500 Euro. Foto: polizei

Erst gestern haben drei junge Frauen in einer Düsseldorfer Bank eine 80-Jährige auf diese Art überfallen. Sie erbeuteten 500 Euro. Das Landeskriminalamt (LKA) in Nordrhein-Westfalen berichtet seit zweieinhalb Jahren von Fällen, in denen Mädchen-Banden aus Südosteuropa gezielt auf Beutezug bei Senioren gehen. Bevor sie bemerkten, dass die Überfälle an den Geldautomaten lukrativ sind, haben sie als Trickdiebe in Innenstädten Passanten angesprochen, sie in ein Gespräch verwickelt und bestohlen.

Besonders betroffen sind das Ruhrgebiet und die Städte am Rhein wie Düsseldorf oder Köln. Dort ist die Verkehrsanbindung und damit die Fluchtmöglichkeit gut, zudem würden sich dort aufgrund der Bevölkerungsdichte mehr Gelegenheiten ergeben.

Die Täterinnen in der Düsseldorfer Bank waren vermutlich zwischen 14 und 17 Jahre alt. Viele sind aber noch jünger. Hintergrund ist, dass man in Deutschland erst ab dem vollendeten 14. Lebensjahr strafmündig ist. Das weiß auch eine 13-jährige Rumänin, die seit zwei Jahren und zuletzt vor allem in Essen kriminell auffällig geworden ist. Ihre Akte füllen weit mehr als 100 Delikte, manchmal trug sie mehr als 1000 Euro bei sich.

Jedes Mal, nachdem die Polizei sie gefasst und zum Aufnahmeheim eines Diakoniewerks gebracht hat, verließ sie die Einrichtung wenige Stunden später. Niemand weiß, wo sie schläft, niemand weiß, ob sie tatsächlich für eine der organisierten Banden arbeitet. "Sie ist aber darüber im Bilde, dass sie nicht bestraft werden kann", sagt Kielbassa.

Eigentlich müssten die Eltern für das Mädchen haften — aber keiner weiß, wer die Eltern sind oder wo sie leben. Die Staatsanwaltschaft weiß nur, dass die Erziehungsberechtigten des Teenagers nicht in Deutschland gemeldet sind. Der Polizei sagte sie, dass sie 13 Jahre alt ist, doch ließ man anhand äußerer Begutachtung, Röntgen der Handwurzelknochen und dem Zahnstatus von einem Arzt herausfinden, wie alt sie wirklich ist. Das Ergebnis ergab, dass sie tatsächlich erst 13 sein könnte, sagt Oberstaatsanwältin Anette Milk. "Darum müssen wir jedes Verfahren gegen sie einstellen."

Allerdings wird das Mädchen in wenigen Tagen 14 Jahre alt. "Darum gehe ich davon aus, dass sie nicht mehr auffällig wird", sagt Kielbassa. Ihre bisherigen Delikte könne man ihr nicht mehr anlasten. "Sie würde bei weiteren Vergehen aber nicht mehr als Ersttäterin behandelt werden, da sie bereits massiv in Erscheinung getreten ist", sagt Milk.

(RP/top)