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Xanten: Nicht beim Hochwasserschutz sparen

Xanten : Nicht beim Hochwasserschutz sparen

Die Deichverbände Orsoy und Poll kritisieren, dass das Land die Förderung für Deichbau-Projekte kürzen will.

Die Frage drängt sich förmlich auf, wenn man die Bilder der Hochwasserkatastrophe im Süden und Osten Deutschlands sieht: Sind unsere Rheindeiche eigentlich sicher genug? "Einen hundertprozentigen Hochwasserschutz gibt es nicht und wird es auch nie geben", sagt Deichgräf Viktor Paeßens vom Deichverband Orsoy. "Es gibt nur den bestmöglichen Hochwasserschutz." "Und dafür tun wir alles und überlassen nichts dem Zufall", ergänzt Erich Weisser, Deichgräf des Deichverbands Poll.

Was den beiden Ehrenamtlichen große Sorgen bereitet, ist die bisher nur mündlich erfolgte Ankündigung, dass das Land die finanzielle Förderung für anstehende Deichsanierungsmaßnahmen reduzieren will — und zwar von 80 auf 70 Prozent. Paeßens: "Für den dringend erforderlichen dritten Bauabschnitt — 2,3 Kilometer ab der Ossenberger Schleuse — bedeutet das, dass uns 1,2 Millionen Euro fehlen würden." Insgesamt kostet die Sanierung 12,8 Millionen Euro. Am 1. April 2014 soll es dort losgehen.

Es sei nicht nachvollziehbar, dass das Land auch nur einen Gedanken darauf verschwenden könne, Geld für den Hochwasserschutz einzusparen, sagt der Budberger Landwirt. Besonders vor dem Hintergrund der aktuellen Situation in den Hochwassergebieten. Verstimmt sind sie Deichgräfen auch deshalb, weil die Baumaßnahme bereits genehmigt ist, das Planfeststellungsverfahren ist seit Januar abgeschlossen, und die Ausführungsbestimmungen sind fertig. "Für uns ist eine Kürzung untragbar, das werden wir nicht akzeptieren", sagt auch Erich Weisser. Der Borther betont, dass die Deichverbände eine schlanke und effiziente Struktur aufweisen.

Der Deichverband Poll hat den letzten Sanierungsabschnitt vor der Brust: 4,5 Kilometer Deich in Wallach. "Ende des Jahres gehen wir in das Planfeststellungsverfahren. Das heißt: Wir geben den Antrag an die Bezirksregierung", so Erich Weisser, der die Gesamtkosten mit 20 Millionen Euro beziffert: "Wird die Förderung gekürzt, bleibt eine Finanzierungslücke von 1,5 Millionen Euro."

Mit der Stabilität der Deiche sei es so wie mit dem schwächsten Glied in einer Kette. Paeßens: "Eine Schwachstelle, und Sie haben im Extremfall eine Katastrophe." Und wenn hier die Deiche brechen würden, sei das ungleich schlimmer als derzeit im Osten. "Geld darf beim Hochwasserschutz keine Rolle spielen. Das ist das am besten angelegte Geld, das es gibt", so Paeßens.

Im Zusammenhang mit dem Hochwasser an der Elbe ist auch der Bau von Poldern und das Anlegen von Retentionsräumen ein Thema. Das Stichwort lautet: Man muss den Flüssen mehr Platz gönnen. In Orsoy-Land ist zwischen Deich und B57 ein Polder mit einem Fassungsvermögen von 20 Millionen Kubikmeter Wasser geplant. "Ich möchte, dass er zeitnah umgesetzt wird", fordert Paeßens, der schnell alle Beteiligten an einen Tisch holen möchte, denn: "Beim Polder melden auch andere Begehrlichkeiten an. Hier geht es aber um Hochwasserschutz und es kann nicht sein, dass sich dadurch eine zeitliche Verschiebung ergibt."

(RP)