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Bornheim: Erntehelfer bei NRW-Spargelbetrieb protestieren gegen Missstände

Miese Bezahlung und schlechte Hygieneverhältnisse : Erntehelfer bei NRW-Spargelbetrieb protestieren gegen Missstände

Erntehelfer des Erdbeer- und Spargelhofs Ritter in Bornheim haben am Freitag die Arbeit niedergelegt. Vor einer Unterkunft protestierten die Arbeiter gegen Lohnausfall und die Zustände in der Unterkunft - auch mit Blick auf die Corona-Pandemie.

In einer Unterkunft für Erntehelfer des Erdbeer- und Spargelhofs Ritter in Bornheim haben am Freitagmorgen Erntehelfer protestiert. Mehr als 100 Menschen verweigerten nach ersten Informationen ihre Arbeit. Gegenüber dem Bonner Generalanzeiger sprachen mehrere Hilfsarbeiter vor Ort von Lohnausfall und unhaltbaren Zuständen in der Unterkunft, in der 250 bis 300 Menschen untergebracht sind. Viele der Arbeiter kommen nach eigenen Angaben aus Rumänien. Der Betriebsleiter und die Betreiber des Hofes waren auf Nachfrage der Agentur dpa nicht zu erreichen.

Nach Auskunft eines Betroffenen seien etwa statt vereinbarten 1800 Euro lediglich 250 Euro für einen Monat Arbeit bezahlt worden. Ein weiterer Helfer sagte, er habe 225 Euro statt 2000 Euro bekommen. Andere Helfer sagten vor Ort, sie hätten bislang gar keinen Lohn bekommen. „Wir haben hart gearbeitet, wir brauchen unser Geld“, sagte eine 29-Jährige.

Sie beschwerte sich zudem über die Unterbringung. Die Unterkünfte und die Sanitäranlagen seien dreckig. Zudem seien die Wohnräume nicht beheizt, die Menschen hätten in den vergangenen Tagen gefroren. Ein Hilfsarbeiter nannte die Zustände in den Sanitäranlagen „katastrophal“. Ein Video soll die Unterkunft von innen zeigen. Zu sehen sind dort teils verdreckte Dusch- und Toilettenräume in desolatem Zustand.

Sorgen bereiten den Arbeitern offenbar auch die Arbeitsbedingungen mit Blick auf die Corona-Pandemie. So seien die Menschen auf engem Raum mit vier bis fünf Personen pro Zimmer untergebracht. Zum Teil machten die Helfer widersprüchliche Angaben. Während ein Mann sagte, er habe keine Masken und keine Aufklärung für Schutzmaßnahmen gegeben, sagte eine Helferin, Masken habe es für die Fahrten zu den Feldern gegeben.

Vor Ort im Einsatz ist auch die Polizei. Diese sperrte das Gelände zwischenzeitlich ab. Spargel Ritter hatte zuletzt Insolvenz beantragt und später angekündigt, in Gesprächen mit einem Investor zu stehen.

Der Text ist zuerst im General-Anzeiger Bonn erschienen.

(mit Material von dpa)