Langenfeld Saisonarbeiter Ordnungsamt kontrolliert Saisonarbeiter

Langenfeld/Monheim · Landwirte in Monheim und Langenfeld achten darauf, dass ihre ausländischen Saisonarbeiter mit Mundschutz und Hygienemitteln ausgestattet sind. Weil weniger gekommen sind, gibt es bei der Unterbringung keine Probleme mit dem Abstand.

 Erntehelfer aus Polen und Rumänien pflücken bei Bauer Robert Bossmann in Monheim  Erdbeeren.

Erntehelfer aus Polen und Rumänien pflücken bei Bauer Robert Bossmann in Monheim  Erdbeeren.

Foto: Matzerath, Ralph (rm)/Matzerath, Ralph (rm-)

In mehreren deutschen Fleisch verarbeitenden Betrieben sind im Zuge der Reihentestungen gehäuft Infektionen mit dem Corona-Virus festgestellt worden. Offenkundig wurden Sicherheitsauflagen nicht eingehalten. Die vornehmlich rumänischen und bulgarischen Arbeitskräfte würden „in viel zu kleine Unterkünfte gepfercht“, beklagt Beate Müller-Gemmeke, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen. Jetzt geraten auch die Erntearbeiter und die Bedingungen, unter denen sie untergebracht sind, ins Visier der Gesundheitsämter. „Ja, wir haben das Thema auf dem Schirm“, sagt Daniela Hitzemann, Sprecherin des Kreises Mettmann. Tests bei 219 Mitarbeitern von Vion in Hilden hätten einen einzigen Infektionsfall ergeben.

Seit dem Ausbruch der Pandemie sind die Saisonarbeiter ohnehin stärker im Fokus der örtlichen Ordnungsämter. „Die Arbeitgeber müssen uns neuerdings die Personalien angeben und anzeigen, wie viele Menschen in ihren Unterkünften untergebracht sind“, sagt Anke Bitsch, Leiterin der Abteilung Ordnung im Monheimer Rathaus. Die Hygienemaßnahmen würden überprüft. Außerdem müssten die Helfer für zwei Wochen nach ihrer Ankunft in Quarantäne gehen, dürfen die Unterkunft nur für ihre Arbeit verlassen. Um dabei die nötigen Mindestabstände einhalten zu können, dürfen nur Gruppen von maximal fünf Personen in einem Abschnitt arbeiten. „Die Gruppen müssen strikt getrennt bleiben“, so Bitsch. Das Ordnungsamt kontrolliere die Einhaltung dieser neuen Vorgaben.

„Halbe Belegung“ war die etwas vage Vorschrift bezüglich der Unterbringung, berichtet Robert Bossmann, der für die Spargel- und Erdbeerernte seit Jahren auf Helfer aus Polen und Rumänien setzt. Seine Wohn-Container würden daher jeweils mit nur noch einer Person belegt, es sei denn, es handelt sich um Ehepaare oder in häuslicher Gemeinschaft lebende Menschen. Er halte für die Bewohner Desinfektionsmittel und Masken vor. Für die Quarantänezeit hat er einen Shop eröffnet, auf dem die Helfer Lebensmittel zum Selbstkostenpreis erwerben können. Die geringere Belegung fällt Bossmann in diesem Jahr leicht, weil 35 von 55 zugesagten Arbeitskräften gar nicht gekommen sind. „Die meisten hatten Angst vor Corona oder meinten, sie dürften unter Quarantäne nicht arbeiten“, berichtet er. Ärgerlich für ihn, dass er auf den Kosten für die 20 Flugtickets sitzen blieb. Am 18. Mai sollen weiter 18 Helfer kommen, wie viele davon tatsächlich die Reise antreten, wisse er nicht.

Auch auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Familie Weeger in Langenfeld-Richrath sind die Saisonarbeiter jetzt in ihrem Landarbeiter-Haus in Einzelzimmern untergebracht, es sei denn, es handelt sich um Familien. „Es kommen weniger als sonst, statt 20 nur zwölf, aber unsere Beherbergungsmöglichkeiten sind auch eingeschränkt“, sagt Christina Weeger. Demnächst werde auch der Bungalow bezogen. Damit sich Arbeitsgruppen, die den Häusern zugeordnet sind, nicht mischen, hat sie an die Bewohner jeweils gleichfarbige Mundschutze ausgeteilt: in blau und rot. „Die sind schon von weitem erkennbar.“ Auf den Erdbeerfeldern arbeiten diese nun von den entgegengesetzten Rändern aufeinander zu. Während der Quarantänezeit, die für den einen Teil schon ausgelaufen ist, hat Weeger – auf Bestellung die Einkäufe erledigt. Sie hat das Glück, vielfach auf bewährte Kräfte zurückgreifen zu können, die die Arbeitsabläufe kennen. Zudem seien gerade die polnischen Staatsbürger perfekt mit den Hygieneregeln vertraut. „In Polen gab es viel früher eine Maskenpflicht als bei uns und viel strengere Vorgaben, sogar eine länger andauernde Ausgangssperre. Das macht hier vieles leichter“, so Weeger.

Wenn sie die Fernsehbilder aus den Schlachthöfen sieht, packt sie der Schrecken: „Wenn einer infiziert ist, machen die mir den Hof zu. Dann geht es schnell an die Existenz.“

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