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Erfahrungsbericht über das Spargelstechen auf dem Meyerhof in Schiefbahn

Meyerhof in Schiefbahn : „Spargelstechen ist harte Arbeit“

Die Spargelsaison verläuft anders als gewohnt: Weil Corona-bedingt nur wenige geübte Erntehelfer kommen dürfen, packen auf dem Meyerhof auch Menschen an, die noch nie zuvor Spargel gestochen haben. Ein Erfahrungsbericht.

Klingt doch ganz einfach: mit zwei Fingern die Spargelstange zehn bis 15 Zentimeter tief aus der lockeren Erde graben, mit der linken Hand vorsichtig den Gemüsekopf greifen und mit der anderen das Spargelmesser ansetzen. Ein beherzter Schnitt im richtigen Winkel, schon ist die Stange gestochen, nun das Loch zubuddeln und weiter zur nächsten. Beim ersten Versuch greift das Anfängerglück, bei der zweiten Stange gelingt der Schnitt schon nicht mehr ganz so sauber, und ab der dritten tut der Rücken weh. Spargelstechen ist ein Knochenjob.

 Die erste Stange klappt ganz gut. Doch die ungewohnten Bewegungen gehen schnell in den Rücken.
Die erste Stange klappt ganz gut. Doch die ungewohnten Bewegungen gehen schnell in den Rücken. Foto: Norbert Prümen (nop)

Auf den Feldern, die zum Meyerhof in Schiefbahn gehören, wachsen Kartoffeln, Getreide, Zuckerrüben und seit gut 35 Jahren auch Spargel. „Damals hatte man Spargel noch nicht so auf dem Schirm“, sagt Christian Meyer (35), der mit seinem Vater Hans-Michael (64) den Betrieb führt. Seitdem hat der Spargel einen steilen Aufstieg hingelegt: Er ist das beliebteste Gemüse der Deutschen. Bundesweit wird er auf rund 22 Prozent der Äcker angebaut, allein in Nordrhein-Westfalen gibt es mehr als 400 Betriebe, die Gemüsespargel ziehen und vertreiben. Laut Landwirtschaftskammer NRW liegt die jährliche Ernte landesweit bei fast 18.000 Tonnen; das sind etwa 20 Prozent der gesamtdeutschen Produktion. Auch Christian Meyer sagt: „Spargel ist super lecker und super gesund.“ Damit passt das Gemüse zum Trend: Immer mehr Menschen legen Wert auf gesundes und regionales Essen.

 Nachdem der Spargel aus der Erde ist, wird das Loch zugeschüttet.
Nachdem der Spargel aus der Erde ist, wird das Loch zugeschüttet. Foto: Emily Senf
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Trotzdem ist in diesem Jahr alles anders. Wegen der Corona-Pandemie durften die geübten Erntehelfer aus Rumänien nicht wie sonst einreisen. Als die Nachricht kam, „waren wir richtig nervös“, erinnert sich Christian Meyer. „Wir hatten Sorge, dass wir die ganze Ernte absagen müssen.“ Ein Aufruf bei Facebook brachte zunächst die Rettung: Es meldeten sich so viele Freiwillige aus der Umgebung, dass täglich sieben oder acht von ihnen für die Ernte eingesetzt werden können – sie sind diejenigen, die durchgehalten haben. Sie haben gelernt: Die Technik macht’s. Christian Meyer betont: „Spargelstechen ist harte Arbeit, für die man Fingerspitzengefühl braucht. Wir sind keinem böse, der sagt, es ist ihm zu schwer.“

 Der Spargel sollte so lang sein, dass er in die Kiste passt. In der Sortieranlage werden die Stangen sauber abgeschnitten.
Der Spargel sollte so lang sein, dass er in die Kiste passt. In der Sortieranlage werden die Stangen sauber abgeschnitten. Foto: Emily Senf

Die heimischen Erntehelfer stammen aus verschiedenen Sparten: Einige sind aus der „Fridays for Future“-Bewegung, andere sind Studenten, Rentner sowie Gastronomen, die Corona-bedingt lange Zeit kaum etwas zu tun hatten. Morgens um sieben fahren die Ersten aufs Feld. Der Chef hat gegen 21 Uhr Feierabend. Klar, sagt Landwirt Christian Meyer, laufe nicht alles so reibungslos wie sonst, und er verbringe viel Zeit mit dem Anlernen der Helfer, die besonders anfangs nicht sehr schnell seien. Aber er sei dankbar: „Wenigstens geht überhaupt etwas, und ich stehe nicht ganz alleine da.“ Inzwischen durften im Rahmen der Lockerungen zehn der 25 üblichen Helfer aus Rumänien doch kommen. Die ersten 14 Tage waren sie zur Quarantäne in einem separaten Haus der Meyers untergebracht, von wo aus sie zu Fuß abgelegene Spargelfelder erreichen konnten, ohne mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen.

 Diese Maschine übernimmt das Spargelschälen.
Diese Maschine übernimmt das Spargelschälen. Foto: Emily Senf

Wer sich beim Spargelstechen nicht ganz unglücklich anstellt, holt jeweils eine etwa 25 Zentimeter lange Stange aus der Erde. So lang ist das Messer, und in dieser Länge passt das Gemüse in den mitgebrachten grünen Korb. In der Sortieranlage werden die Stangen sauber auf 22 Zentimeter gekürzt. Etwa zwölf Stangen können bei einer Pflanze nachkommen, nach sieben Jahren werden die Wurzeln entfernt, und das Feld wird für 20 bis 30 Jahre anderweitig genutzt, etwa für Getreideanbau. Erst dann ist der Boden wieder bereit für das Gemüse.

 Nur mit Atemmaske und hinter einem Vorhang: Im Verkaufsraum werden die Corona-Maßnahmen eingehalten.
Nur mit Atemmaske und hinter einem Vorhang: Im Verkaufsraum werden die Corona-Maßnahmen eingehalten. Foto: Emily Senf

Im Hofladen der Meyers ist derweil reger Betrieb. Die Kunden wollen trotz Abstandsregeln, Acrylglas vor den Kassen und Mund-Nase-Masken Spargel; geschält oder ungeschält, weiß oder grün, es gibt verschiedene Kategorien. In Spitzenqualität kostet das Kilogramm weißer Spargel derzeit zehn Euro, für grünen Spargel sind es fünf Euro je 500-Gramm-Bund. Für die Meyers ist die arbeitsreiche Spargelsaison finanziell eine wichtige Zeit. Wird es danach ruhiger? „Dann kümmern wir uns um den Ertrag für nächstes Jahr“, sagt Christian Meyer.