Befruchtung wird verhindert: Neun Fragen zur "Pille danach"

Befruchtung wird verhindert : Neun Fragen zur "Pille danach"

Die Pille danach ist umstritten. Neuen Auftrieb bekam die Debatte nach dem Fall des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers, dem katholische Kliniken im Erzbistum Köln das Notfallmittel verweigert hatten. Wir beantworten neun Fragen zum Thema.

Wie wirkt die "Pille danach"?

Im Notfall stehen in Deutschland zwei Präparate zur Verfügung: Pidana mit dem Wirkstoff Levonorgestrel und ellaOne mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat. Beide unterdrücken oder verzögern den Eisprung. Sie verhindern dadurch eine Befruchtung, wenn es vor dem Eisprung zum Geschlechtsverkehr gekommen ist. Es wird jeweils eine Tablette genommen. Um den Eisprung herum ist die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft am höchsten.

Wie lange wirken die Medikamente?

Je mehr Zeit nach dem ungeschützten Sex vergeht, desto weniger wirksam ist die "Pille danach". Sie sollte also so schnell wie möglich genommen werden. Die Pille mit dem Wirkstoff Levonorgestrel muss spätestens 72 Stunden (drei Tage) danach genommen werden. Nach 24 bis 48 Stunden ist sie nur noch zu 85 Prozent wirksam und danach nur noch zu 58 Prozent. Ulipristalacetat wirkt etwas länger, muss aber spätestens 120 Stunden (fünf Tage) danach genommen werden.

Gibt es einen 100-prozentigen Schutz vor Schwangerschaft?

Nein, nicht nur wegen der nachlassenden Wirkung. Auch die gleichzeitige Einnahme beispielsweise von Antibiotika, Antidepressiva, Mitteln gegen Epilepsie und Arzneien mit Johanniskraut kann die Wirksamkeit mindern. Nach Angaben des Frauenärzte-Verbandes ist aber bei der Hälfte der Frauen nach ungeschütztem Sex gar keine "Pille danach" nötig, weil sie nicht in ihrer fruchtbaren Phase sind.

Führt die "Pille danach" zu einem Schwangerschaftsabbruch?

Nein. Hat sich die Eizelle bereits in die Gebärmutter eingenistet, wirkt die Pille nicht mehr. Sie führt auch nicht zum Abbruch der Schwangerschaft und ist damit nicht mit einem medikamentösen Schwangerschaftsabbruch vergleichbar.

Kann sie als normales Verhütungsmittel verwendet werden?

Nein. Die "Pille danach" ist ein hoch wirksames Hormonpräparat und kein reguläres Verhütungsmittel. Es sollte nur im Notfall eingenommen werden. Ihre Sicherheit ist zudem nicht mit anderen hormonellen Verhütungsmitteln zu vergleichen. Auch liegt zum Beispiel die Dosis von Levonorgestrel beim 15-fachen der üblichen Tagesdosis von Antibabypillen.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Es kann zu Blutungen, Übelkeit und Erbrechen, Schwindel, Schmerzen im Unterbauch und Kopfschmerzen kommen.

Ist die Pille rezeptpflichtig?

Ja. Sie muss von Ärzten verschrieben werden.

Woher bekommen Patientinnen das Mittel?

Beim Frauenarzt, am Wochenende und Feiertagen auch beim Notdienst oder in der ärztlichen Ambulanz im Krankenhaus.

Was ist, wenn eine Frau trotzdem schwanger wird?

Sie kann sich an ihren Frauenarzt oder eine Schwangerschaftsberatungsstelle wenden. Wer einen Abbruch in Erwägung zieht, muss ein Gespräch bei einer anerkannten Schwangerschaftskonflikt-Beratungsstelle führen. Ein Beratungsschein ist Voraussetzung dafür, dass der Abbruch in den ersten zwölf Wochen straffrei bleibt.

Hier geht es zur Infostrecke: 50 Jahre Antibaby-Pille - Fragen und Antworten

(AFP/anch/das)