Ein Schnitt für die Ewigkeit: Sterilisation — eine der sichersten Verhütungsmethoden

Ein Schnitt für die Ewigkeit : Sterilisation — eine der sichersten Verhütungsmethoden

Es sind zwei kleine Schnitte, die unmöglich machen, was die Natur so vorgesehen hat: Die Fortpflanzung. Sterilisationen sind eine Möglichkeit der Empfängnisverhütung. Allerdings eine, die mit Tabus behaftet ist.

Die Form der Verhütung ist sehr sicher, der Mann, an dem die Entscheidung hängt, ist es hingegen nicht. Es ist eine quälende Unsicherheit, die sich rund um den Eingriff ranken. Viele Männer fürchten zum Beispiel, mit der Vasektomie an Männlichkeit einzubüßen. "Diese Bedenken sind aber absolut unnötig", stellt Dr. Reinhold Schaefer, Urologe und Ärztlicher Geschäftsführer der Uro-GmbH Nordrhein, ein Zusammenschluss von niedergelassenen Urologen, klar.

Bei dem kleinen operativen Eingriff werden lediglich die Samenleiter durchtrennt. Dadurch wird dauerhaft sichergestellt, dass die Samenflüssigkeit keine Spermien mehr enthält. Diese Unterbrechung der Samenleiter hat keinen Einfluss auf Erektionsfähigkeit, die Lust auf Sex oder das Lustempfinden.

Ihre Zahl ist gezählt

Dennoch entscheiden sich nach einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nur magere fünf Prozent der Männer für diese Form der Verhütung. Das sind ebenso viele Männer wie Frauen, die sich sterilisieren lassen. Allerdings ist ein solcher Eingriff bei Frauen schwieriger.

Zwar stieg die Zahl der Männer, die sich für eine Sterilisation entscheiden, in den letzten vier Jahren um drei Prozent an, doch ist und bleibt das Thema Verhütung in der Hand der Frauen. Rund die Hälfte der Frauen beugt ungewolltem Nachwuchs mit der Einnahme der Pille vor. Doch das ist nicht immer möglich. Vertragen Frauen die Pille nicht oder können sie aufgrund bestimmter Vorerkrankungen und damit verbundener Risiken nicht einnehmen, müssen Paare zwangsläufig über andere Möglichkeiten der Verhütung nachdenken.

Nur dann ist Sterilisation sinnvoll

Allerdings kommt eine Sterilisation immer erst nach abgeschlossener Familienplanung in Frage. Wer also seinen Kinderwunsch noch realisieren will, muss zwangsläufig zu anderen Verhütungsmitteln greifen. Denn der operative Eingriff zielt auf eine dauerhafte und bleibende Unfruchtbarkeit ab.

Zwar können durchtrennte Samenleiter mikrochirurgisch auch wieder zusammengefügt werden, doch sind die Aussichten, danach wieder zeugungsfähig zu sein eingeschränkt. Sie liegen statistisch bei 80 bis 90 Prozent und machen zudem eine weitere Operation erforderlich. Aus diesem Grund ist vor einer geplanten Vasektomie denn auch ein intensives Gespräch mit dem Urologen erforderlich. Schnell können sich durch Scheidung, Neuheirat oder Todesfälle neue familiäre Konstellationen ergeben, die vorher Unvorstellbares neu zur Diskussion stellen.

Kurzer Eingriff — weitreichende Entscheidung

Wer sich nach reiflicher Überlegung zu diesem Schritt entschließt, kann das nach Informationen des Berufsverbandes Deutscher Urologen mit einem oftmals ambulanten Eingriff realisieren. In der Regel führen Urologen diesen ambulant mit örtlicher Betäubung durch. Meist kann Mann nach einer halben Stunde wieder nach Hause und muss sich allenfalls zwei bis drei Tage etwas schonen.

"Die Vasektomie gilt als einer der sichersten chirurgischen Eingriffe überhaupt," sagt Dr. Reinhold Schaefer. Zu schweren Komplikationen kommt es so gut wie nie. Allerdings treten in seltenen Fällen Blutergüsse oder leichte Wundinfektionen auf.

Einer Studie zufolge beurteilen die meisten Männer Lebensqualität und Sexualleben vier Jahre nach dem Eingriff zumindest als unverändert oder sogar verbessert, weil die Angst vor unerwünschten Schwangerschaften entfällt und sich die körperliche Lust frei entfalten kann.

Ein Blick in die Liste der Sicherheiten zeigt, dass die Sterilisation des Mannes mit einem Perl-Index von 0,1 bis 0,3 eines der sichersten Verhütungsmittel ist. Zum Vergleich: Der Perl-Index bei Verwendung eines Kondoms liegt bei 2 bis 12. Das bedeutet, dass von 100 Frauen, die mit einer bestimmten Methode ein Jahr (zwölf Zyklen) lang verhüten, zwischen 2 und 12 schwanger werden. Bei Verwendung der Pille schwankt der Perl-Index zwischen 0,1und 0,9.

Hier geht es zur Infostrecke: Sterilisation: Antworten auf Männerfragen

(wat)