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Fast gestorben wegen der Pille? Frau klagt weiter gegen Bayer

Nach Lungenembolie im Koma : Fast gestorben wegen der Pille? Frau klagt weiter gegen Bayer

Eine 25-Jährige erleidet eine Lungenembolie und einen Herzstillstand. Sie macht eine Verhütungspille des Leverkusener Konzerns dafür verantwortlich.

Der Rechtsstreit um mögliche Gesundheitsgefahren durch die Einnahme von Bayers Verhütungspille „Yasminelle“ beschäftigt die nächste Instanz. Das Oberlandesgericht Karlsruhe verhandelte jetzt in Freiburg in Berufung über die Schadenersatzklage einer Frau gegen den Pharmavertreiber Bayer Vital.

Die Klägerin aus dem Ortenaukreis erlitt 2009 eine beidseitige Lungenembolie und einen Kreislaufzusammenbruch mit Herzstillstand. Sie sei fast gestorben und führt das auf die Einnahme der Verhütungspille „Yasminelle“ mit ihrem Wirkstoff Drospirenon zurück. Dieses Präparat gehört zu den Verhütungspillen der vierten Generation, die immer wieder wegen erhöhter Thrombose-Risiken in der Kritik stehen. Vor den Hauptversammlungen des Leverkusener Konzerns machen Kritiker seit Jahren auf derlei Gefahren aufmerksam.

Nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte erleiden bei Einnahme des Wirkstoffs Drospirenon etwa neun bis zwölf von 10 000 Frauen innerhalb eines Jahres eine venöse Thromboembolie. Bei der Einnahme einer Pille der ersten Generation sind es demnach weniger: fünf bis sieben. Das Institut empfiehlt Ärzten mittlerweile, insbesondere Erstanwenderinnen und Anwenderinnen unter 30 bevorzugt Pillen der ersten und zweiten Generation zu verschreiben, also den Pillen „mit dem bekannten geringsten Risiko für venöse Thromboembolien“.

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In der Verhandlung in Freiburg wurde ein Sachverständiger dazu befragt, ob die Gesundheitsschäden der Frau auch auf andere Faktoren zurückzuführen sein könnten – etwa auf einen Langstreckenflug der Klägerin Monate vorher. Darauf zielt die Bayer-Verteidigung ab: Wenn das Unternehmen sicher nachweisen kann, dass im konkreten Einzelfall andere Faktoren geeignet gewesen sein können, die Gesundheitsschäden zu verursachen, haftet es nicht, wie ein Gerichtssprecher erläuterte. Eine Entscheidung soll am 25. Juni verkündet werden.

Für die Klägerin geht es um viel. „Ich werde nie wieder zu meinem alten Körper kommen“, sagte die 36-Jährige kurz vor dem Prozesstag. „Man wacht mit 25 aus dem Koma auf und kann gar nichts mehr.“ Heute leide sie unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, Panikattacken und Depressionen und müsse ihren Alltag nach der Krankheit ausrichten. Das Verfahren sei zudem ein Beispielprozess. Sollte das Gericht zu ihren Gunsten entscheiden, könne das viele Klagen weiterer „Yasminelle“-Geschädigter gegen Bayer nach sich ziehen.

2018 war die Frau mit ihrer Schadenersatzklage vor dem Landgericht Waldshut-Tiengen gescheitert. Bayer Vital hält die Ansprüche der Klägerin für unbegründet. Niedrig dosierte kombinierte orale Kontrazeptiva wie „Yasminelle“ wiesen bei bestimmungsgemäßer Einnahme ein positives Nutzen-Risiko-Profil auf. „Yasminelle“ samt Wirkstoff wurden laut Bayer von Schering entwickelt. Seit das Unternehmen übernommen wurde, gehört „Yasminelle“ zum Bayer-Portfolio.

In den USA hat Bayer wegen Drospirenon-haltigen Präparaten hohe Vergleichszahlungen leisten müssen: 10.600 Anspruchstellerinnen erhielten wegen Erkrankungen infolge von venösen Blutgerinnseln insgesamt rund 2,1 Mrd. US-Dollar, wie Bayer mitteilt. Eine Haftung sei aber nicht anerkannt worden. Nach Bayer-Angaben sind weitere Verfahren anhängig: zwei in den USA und „weniger als zehn“ in Ländern außerhalb der USA und Kanada, davon zwei in Deutschland.

(dpa)