Gefahr von sexuellen oder psychischen Leiden: Psychoanalytiker warnt vor Beschneidung

Gefahr von sexuellen oder psychischen Leiden : Psychoanalytiker warnt vor Beschneidung

Der Düsseldorfer Psychoanalytiker Prof. Matthias Franz hat vor den Gefahren der häufig religiös motivierten Beschneidung von Jungen gewarnt. Die Operation im Säuglings- oder Kindesalter stelle ein Trauma dar und könne zu andauernden körperlichen, sexuellen oder psychischen Leidenszuständen führen, sagte der Mediziner in Düsseldorf.

"Diese Problematik wird aus Respekt vor religiösen oder kulturellen Tabus und aus Angst vor möglichen Konflikten bislang aber vorwiegend in Fachkreisen diskutiert."

Aus medizinischen Gründen sei der Eingriff nur sehr selten angezeigt. Das Landgericht Köln hatte die Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen Ende Juni für strafbar erklärt.

Die Kinder merkten, dass unter Tolerierung der Eltern etwas Schmerzhaftes vor sich gehe, sagte der Psychoanalytiker. In der Kindheit erfahrene Traumata würden verinnerlicht und oft später auch selbst wiederholt.

Es entstehe eine Täter-Opfer-Kette, die sich über Generationen hinweg etablieren könne. Franz ist stellvertretender Direktor des Klinischen Instituts für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Uniklinik Düsseldorf.

Der Mediziner sprach sich gegen schnelle Lösungen in der Diskussion um Beschneidung aus. Psychische und empirische Studien über die Langzeitfolgen des Eingriffs seien nötig. Die Beschneidung der Vorhaut ist der älteste und am häufigsten durchgeführte operative Eingriff. Weltweit seien etwa ein Drittel der Männer beschnitten, sagte Franz, in Deutschland seien es zwischen 15 und 20 Prozent.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Beschneidung bei Männern - das sind die Fakten

(lnw)
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