Jedes sechste Kind ist zu dick

Robert Koch-Institut schlägt Alarm: Jedes sechste Kind ist zu dick

Insbesondere in armen Familien gibt es immer mehr übergewichtige Kinder und Jugendliche. Kinderärzte fordern eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke.

Jedes sechste Kind in Deutschland ist übergewichtig, knapp sechs Prozent sind sogar fettleibig. Wie aus einer Studie des Robert Koch-Instituts (KiGGS) hervorgeht, entwickelt sich Übergewicht bei Kindern zugleich immer mehr zu einem schichtenspezifischen Problem. "Die soziale Ungleichheit der Gesundheitschancen hat in nur einem Jahrzehnt stark zugenommen", erklärte Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), am Mittwoch im Landtag. Es sei alarmierend, dass in Haushalten mit geringem Einkommen, niedrigem Bildungsniveau und schlechter beruflicher Stellung überproportional viele Kinder zwischen drei und 17 Jahren übergewichtig oder gar fettleibig (adipös) seien. In sozial benachteiligten Familien sind Kinder der Studie zufolge viermal so häufig fettleibig wie in besser situierten Haushalten, zehn Jahre zuvor war dies erst dreimal so häufig der Fall. Weil es in NRW überdurchschnittlich viele sozial schwache Haushalte gebe, lägen auch die Werte für übergewichtige Kinder hier leicht über dem Bundesschnitt, so Fischbach.

Bei der Definition von Übergewicht gibt es keinen für alle Altersgruppen einheitlichen Grenzwert. In Deutschland werden zur Einordnung so genannte Perzentilkurven herangezogen, die das durchschnittliche Gewicht der Kinder gleichen Alters angeben. Als übergewichtig gilt, wer einen Body-Mass-Index (BMI) oberhalb des 90. Perzentils hat. Ab dem 97. Perzentil wird von Adipositas gesprochen.

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Die gesundheitlichen Folgen sind dramatisch. Einer in der Fachzeitschrift Lancet veröffentlichten Studie zufolge verlieren junge Erwachsene durch Übergewicht sechs gesunde Lebensjahre, bei schwerer Adipositas sogar etwa 19 Jahre. Die daraus resultierenden Krankheiten verursachen in Deutschland Kosten von 145 Milliarden Euro.

Hauptursache ist dem BVKJ zufolge falsche Ernährung, und hier insbesondere der Verzehr an zuckerhaltigen Getränken und von Fastfood. Elf- bis 13-jährige Jungen in Deutschland trinken der KiGGs-Studie zufolge im Durchschnitt täglich 450 ml zuckerhaltige Getränke. Würde dies durch Wasser ersetzt, nähmen die Kinder binnen gut fünf Wochen ein Kilogramm ab. Um das gleiche Ergebnis durch mehr Bewegung zu erzielen, müssten die Jungen hingegen 19 Wochen lang zusätzlich eine Stunde Fußball spielen. "Zur Prävention der Übergewichtsepidemie in der Bevölkerung sind also Veränderungen der Energie- und Nährstoffzufuhr aus Speisen und Getränken unverzichtbar", schreibt der Verband der Kinderärzte und fordert eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke, wie sie Großbritannien vor Kurzem einführte. Das Ergebnis: 144.000 weniger adipöse Kinder und Erwachsene, 19.000 weniger neue Fälle von Diabetes und 270.000 weniger kariös geschädigte Zähne. Durch Initiativen in der Schule, etwa mehr Obst und Gemüse oder gesünderes Schulessen, seien in Deutschland hingegen nur positive Effekte in einer Größenordnung von gut einem Prozent zu erwarten, sagte Fischbach auf eine entsprechende Anfrage der AfD im Landtag.

(kib)
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